Filmhandlung und Hintergrund

Eine Frau sieht rot. Neil Jordans Variante zum Subgenre des Rachethriller.

Die New Yorkerin Erica Bain (Jodie Foster) moderiert die Radiosendung „Street Talk“, in der sie den Hörern ihre Liebe zur Stadt mittels Storys kund tut. Mit ihrer Zuneigung zu den Straßen des Big Apples ist Schluss, als man sie und ihren Verlobten David Kirmani (Naveen Andrews) brutal überfällt. Nur Erica überlebt den Angriff schwer verletzt und bleibt traumatisiert. Ihre Angst besänftigt sie mit einer Schusswaffe, die sie nach ihrer körperlichen Genesung fortan mit sich führt. Bald muss sie die Pistole in Notwehr einsetzen - und findet Gefallen daran.

Mit Regisseur Neil Jordan (Oscar für „The Crying Game„) und Produzent Joel Silver („The Matrix„) trifft Sensibilität auf Power, und beides bündelt Jodie Foster zu einem entfesselten Psychothriller um Selbstjustiz, der Erinnerungen an Abel FerrarasMs. 45“ wach ruft.

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica ist glücklich liiert mit einem Arzt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als das Paar von Schlägern angegriffen wird und ihr Mann dabei getötet wird. In ihrer Verzweiflung und Enttäuschung über die ergebnislose Polizeiarbeit greift sie selbst zur Waffe - erst zurückhaltend, doch bald immer routinierter.

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica ist glücklich liiert mit einem Arzt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als das Paar beim Spaziergang im Central Park von Schlägern angegriffen und ihr Mann dabei getötet wird. Sie selbst überlebt schwer verletzt. In ihrer Verzweiflung und Enttäuschung über die ergebnislose Polizeiarbeit greift sie selbst zur Waffe - erst zurückhaltend, doch bald immer routinierter. Gleichzeitig heftet sich ein Polizeibeamter an die Fersen der entschlossenen und doch an ihren Taten leidenden Vigilantin.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Here’s a woman who won’t take it anymore, hier ist jemand, der aufsteht gegen den Dreck auf der Straße, gegen den Abschaum in der Stadt, jemand, der New York reinwäscht von den moralisch Degenerierten, den Gewalttätern, den unfassbaren Übeltätern. Wie seinerzeit Robert De Niros Travis Bickle ist nun Jodie Foster als Erica Bain als Racheengel unterwegs – die ja in „Taxi Driver“ noch die Rolle des kindlichen Opfers innehatte. Aus tiefer Verletzung erwächst ihre Wut auf all die Ungerechtigkeit, die ungerechtfertigte Gewalt, die Unsicherheit, die das Leben in der modernen Stadt mit sich bringt.

      Anders als bei Scorsese freilich konzentriert sich Neil Jordan weniger auf die derangierte Psyche der Hauptfigur, sondern auf den Komplex von Trauer, Angst, Wut, Rachedurst und dem heimlichen Lustgefühl bei der Tat der Selbstjustiz. „Die Fremde in Dir“ – der deutsche Titel lässt die Ironie des Originals („The Brave One“) missen, fasst aber prägnant diesen psychologischen Werdegang zusammen: Wie sich für Erica mit dem brutalen Mord am geliebten Verlobten die dunkle Seite New Yorks enthüllt, so wird aus ihr selbst eine andere – sie entdeckt das Böse an New York und als Reaktion darauf das Böse in ihr selbst. Auch aus enttäuschter Liebe zur Metropole New York begibt sich Erica, die Radiomoderatorin, die so zärtlich von ihrer Heimatstadt gesprochen hat, auf den Pfad der Gegengewalt.

      Liebesglück stürzt um in elende Trauer, in Angst und Verlust von Sicherheit in dem, was fortan Ericas Alltag sein sollte – wie beim „Taxi Driver“ geschieht in einem Supermarkt ein Überfall, ein Mord – und da greift sie ein, aus Notwehr, voll Schrecken und Skrupel – und nicht doch auch mit einem gewissen Anteil an Lust?

      Neben der Geschichte von Erica, die sich mit wachsender Selbstsicherheit zur Rächerin der Entrechteten aufschwingt, baut Jordan ihre Beziehung zum ermittelnden Polizisten Mercer auf, den sie interviewt, der seinerseits in ihr den einzigen Medienvertreter sieht, der den Sensationsfall nicht aufbauschen wird. Gemeinsame Verlusterfahrungen erzeugen Verständnis und Vertrauen – und sicherlich sehnt sich eine Seite von Ericas ambivalenter Persönlichkeit danach, von Detective Merver gefasst zu werden… Er wiederum, der bald etwas ahnt von Ericas Doppelleben, versucht sie aus der Reserve zu locken, sie in ihrem Lauf aufzuhalten --- und hier auch der einzige Kritikpunkt an diesem Film, dass seine psychologische Entwicklung – die in einer Veränderung seiner Lebensansichten mündet – etwas zu kurz kommt. Wo doch gerade in diesem Doppelporträt einer Täterin, die „gerechte“ Selbstjustiz verübt, und einem Polizeivertreter, der die Gerechtigkeit auf legale Weise zu erlangen sucht, eine Gleichgewichtigkeit der Positionen unerlässlich wäre.

      Nichtsdestotrotz führt „Die Fremde in Dir“ bis zum Schluss einen spannenden Diskurs über innere Verletzung und äußere Rache, um die Suche nach Erlösung, wenn das eigene Leben sinnlos geworden ist; um den adäquaten Umgang mit Gewalt, um ihre Legitimität und um die Frage, mit welchen Mitteln Gerechtigkeit erlangt werden darf. All dies eingepackt in ein spannendes Thrillerdrama mit hervorragenden Darstellern, die die emotionale Bandbreite von Trauer zu Wut, von Angst zu Rache, von Freund- zu Feindschaft überzeugend ausfüllen. Am Ende steht eine Art traurige Erlösung, und der Fremde, der sich herausgeschält hat, wird immer bleiben.

      Fazit: Spannendes Thrillerdrama, das mehr ist als ein bloßer Selbstjustizfilm. Ein Psychogramm um Verlust und Trauer, um Rache und Gerechtigkeit.
    2. Die Fremde in dir: Eine Frau sieht rot. Neil Jordans Variante zum Subgenre des Rachethriller.

      Kurz nach James Wans Revenge-Thriller „Death Sentence“ kommt von dem Iren Neil Jordan der definitive Höhepunkt zum Thema Selbstjustiz.

      Das Revival der rot sehenden Rächer, die jüngst das Licht der Leinwand erblickten, findet nun ein veritables Meisterwerk in seinen Reihen. Die kleine Welle aus „Man on Fire“ und dem kurz zuvor gestarteten Exploitation-Film „Death Sentence“ bekommt eine feminine Note verpasst, die sich schon mit dem Festivalhit „WAZ“ ankündigte. Hier wie dort steht eine Frau hinter den Taten eines sonst ausgesprochen maskulinen Genres. Wieder zeigt Neil Jordan sein Gespür für provokante und gesellschaftskritische Sujets, aber auch sein unvergleichliches Einfühlungsvermögen für die seelischen Untiefen seiner ambivalenten Protagonistin. Urbane Poesie beherrscht schon die Exposition, in der Erica Bain (herausragend: Jodie Foster mit Kurzhaarschnitt) für ihre Radioshow durch New Yorks Straßen zieht und die Stadt vor ihren Augen verschwinden sieht. Wie sehr sie die Stimme ist, die keiner hört, muss sie erfahren, als Schläger ihre interkulturelle Traumbeziehung mit Arzt David Kirmani („Lost“-Insulaner Naveen Andrews) tödlich beenden, was Jordan mit einer außergewöhnlichen, gefühlvollen Parallelmontage visualisiert. Sie erwacht nach drei Wochen aus dem Koma und begreift, dass ihr Verlobter längst begraben ist. Traumatisiert und von der Polizei enttäuscht, die keine Spur hat, verschanzt sich Erica in ihrem Haus, kann die Angstzustände aber erst mit dem illegalen Erwerb einer Halbautomatik beenden. In einem Laden erschießt sie einen Mörder in Notwehr und verwischt ihre Spuren, so dass Detective Sean Mercer (schwer im Kommen: Terrence Howard) vor einen Rätsel steht. Schon bei der nächsten Gefahr vertraut Erica ganz auf ihre Waffe und streift fortan, verletzlich und stark zugleich wie Ferraras Racheengel „Ms .45“ bei Nacht durch die City, derweil ihr anonymes Handeln zum Stadtgespräch wird.

      Mit feinem Gespür für die psychologische Metamorphose seiner Figur sprengt Neil Jordan die engen Grenzen des Genres. Endlich erfährt der so oft unter Wert gelaufene Vigilante-Topos eine angemessene Würdigung, die bravourös, eindringlich, angenehm klischeefrei ausfällt und niemals sensationslüstern ist. Ambitioniert war Jodie Foster schon immer, aber diese Leistung unterstreicht eindrucksvoll, dass sie immer noch zu Hollywoods besten Schauspielerinnen gehört. Als zähe Rächerin findet sie durch die Waffe zurück ins Leben, begräbt damit zugleich ihr altes und wird eine Fremde. Ihr Ringen mit sich selbst, die Seelenqualen, bis sie sich erfolglos zu stellen versucht, werden nachdenklich reflektiert - es gibt kein zurück. Schuldbewusst sucht sie die Nähe zu dem Detective, um die Grenzen des Gesetzes zu diskutieren, was eine Freundschaft auslöst, die elektrisiert. Ihre Radioshow erweist sich als Kunstgriff, die Problematik der Selbstjustiz von allen Seiten zu beleuchten und alle (moralischen) Paradoxien aufzuzeigen. Mag Fritz Langs „Fury“ das liberale Manifest gegen Lynchjustiz sein, diese im Deutschen treffend betitelte Studie über Amerikas Umgang mit Gewalt ist die ultimative republikanische Fantasie dazu.

      tk.
    3. „Wertvoll”

        Regisseur Neil Jordan und Hauptdarstellerin Jodie Foster garantieren, dass dies kein dumpfer Selbstjustizthriller wird. Es ist das beklemmende Porträt eines Opfers mit Tunnelblick, das sich wehrt und dabei zu verhärten droht. Ein Film mit vielen Ebenen, der Selbstjustiz hinterfragt, ganz ohne ein zynisches Verhältnis zur Gewalt, auch auf der Hör-Ebene bemerkenswert. Der deutsche Titel ist klug gewählt.

        Jurybegründung:

        Wir alle können in Situationen kommen, in denen wir uns selber fremd werden. Wir können zu Opfern werden, und was uns früher vertraut war, erfüllt uns dann nur noch mit Angst. Wir können zu Tätern werden und Eigenschaften in uns entdecken, die wir dort nie vermutet hätten.

        Von dieser Verunsicherung erzählt Neil Jordan in seinem Film, der ein Szenario ernst nimmt, das auf den ersten Blick aus einem reaktionären B-Movie entliehen zu sein scheint, das er aber nicht als nur als einen Actionfilm, sondern auf einer weiteren Ebene auch als ein psychologisches Drama inszeniert.

        Eine intelligente, liberale New Yorkerin wird zusammen mit ihrem Verlobten nachts im Central Park überfallen. Er stirbt, sie überlebt schwer verletzt. Ihre inneren Wunden bleiben offen, nachdem ihr grausam entstelltes Gesicht längst wieder verheilt ist. Die Angst überwindet sie, in dem sie sich bewaffnet und wehrt - zuerst in Notwehrsituationen, die sie dann aber bald auch bewusst sucht. Bald verübt sie, ohne zu zögern, Selbstjustiz, ist sich dabei aber immer der moralischen Implikationen ihrer Handlungen bewusst - und findet zudem die passenden Worte, um ihre Selbstzweifel zu beschreiben.

        Indem sie aus ihr die Autorin und Sprecherin einer Radioshow macht, die über die eigenen Taten im Radio spricht, haben Roderick und Bruce A. Taylor, die Autoren des sehr intelligenten Drehbuchs, es sogar geschafft, ihre Protagonistin einen minutenlangen Monolog halten zu lassen, ohne dass dabei die Spannung nachlässt. Auch ihr ambivalentes Verhältnis zu dem Polizisten Mercer, der ihr langsam auf die Spur und dabei immer näher kommt, gibt dem Film eine unerwartete Tiefe.

        Neil Jordan ist in der Darstellung der Gewalt nie zynisch oder spekulativ - und wenn das Ende eher zum Widerspruch anregt als moralisch auf Nummer sicher zu gehen, ist auch dies eine Qualität des Films.

        Es gibt zur Zeit wohl keine andere Filmschauspielerin, die eine solche Rolle so glaubwürdig, intensiv und komplex spielen könnte wie Jodie Foster.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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