Detroit

  1. Ø 4.5
   Kinostart: 23.11.2017
Detroit Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Detroit: Thriller von Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow über die Unruhen in Detroit 1967, bei denen drei afroamerikanische Männer von der Polizei erschossen werden.

Detroit im Hochsommer 1967: Die Motor City steht kurz vor dem Kollaps. Die schwarze Bervölkerung der Stadt sieht sich einer andauernden Diskriminierung ausgesetzt. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum, die Kriminalität steigt, rassistische Polizisten spülen Öl ins schwelende Feuer. Als am 23. July eine Razzia in einer illegalen Bar stattfindet, eskaliert die Situation. Flaschen, Steine fliegen auf die Polizisten, Verstärkung wird gerufen, Randale brechen aus – fünf Tage lang steht die Stadt in Flammen. Erst der Einsatz der Nationalgarde erstickt das Feuer.

Auch der afroamerikanische Sicherheitsmann Melvin Dismukes (John Boyega) wird mitten in die Unruhen hineingezogen. Als am 26. July Schüsse im Algier Motel gemeldet werden, stürmen Polizisten und Soldaten der Nationalgarde den Ort. Während der Razzia sterben drei schwarze Männer. Dismukes hat die Razzia als Zeuge selbst erlebt. Er bietet seine Hilfe bei der Aufklärung des Falles an. Doch bald stellt er fest, dass die Morde gar nicht aufgeklärt werden sollen. Stattdessen gerät er selbst ins Visier der Ermittlungen.

“Detroit” – Hintergründe

Bereits mit “The Hurt Locker” und “Zero Dark Thrity” hat die oscarprämierte Regisseurin Kathryn Bigelow bewiesen, dass herausragende politische Filme inszenieren kann. Dabei spielt “Detroit” ebenso wie “Zero Dark Thrity” vor einem historischen Hintergrund, um aktuelle Fragen aufzuwerfen. Dass “Detroit” in einer Zeit kommt, in der die US-Polizei immer wieder wegen Rassismus und überzogener Gewalt in den Nachrichten steht, hat bereits im Vorfeld eine heftige Debatte ausgelöst.

Gleichzeitig kommt “Detroit” auch zum 50. Jubiläum der zweitgrößten sozialen Unruhe der USA in die Kinos. Im Zuge der Krawalle starben 43 Menschen, 1189 wurden verletzt und mehr als 7000 verhaftet. Um ihrer Verantwortung dem Thema gegenüber gerecht zu werden, hat Bigelow wie bereits bei “The Hurt Locker” und “Zero Dark Thirty” mit dem erfahrenen Drehbuchautoren Mark Boal zusammengearbeitet, der sich umfassend in die Geschichte einarbeitete und Zeitzeugen interviewte.

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Kritiken und Bewertungen

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    Sommer 1967 in Detroit. Immer stärker leidet die afroamerikanische Bevölkerung unter den rassistisch geprägten Anfeindungen, die ihr auch durch die Polizei entgegengebracht wird. Als bei einer Razzia eines Nachts eine Gruppe Afroamerikaner festgenommen wird, eskaliert die Situation, Steine fliegen. Noch versuchen Polizei und Gouverneur, die Situation zu beruhigen. Doch nach wenigen Stunden regiert das Chaos. Der Musiker Larry und sein bester Freund Fred merken, wie heikel die Lage ist und begeben sich in ein nahegelegenes Motel. Dann betritt die Polizei auf der Suche nach einem vermeintlichen Heckenschützen das Motel. Und wie für viele in der Stadt geht es nun auch für Larry und Fred nur noch darum, diese Nacht irgendwie zu überleben. Die Rassenunruhen im Jahr 1967 gehören mit über 40 Toten und fast 1200 Verletzten zu den brutalsten Unruhen in der US-Geschichte. Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal erzählen in DETROIT auf ergreifende Weise die Geschichte dieser Unruhen anhand der Vorkommnisse im Algier Motel am 25. Juli 1967, als drei afroamerikanische Männer von der Polizei erschossen und viele andere brutal misshandelt wurden. Von den Anfängen der Unruhen, die der Film mit einer wackeligen Handkamera und schnellen Schnitten denkbar körperlich nah abbildet, bewegen sich Bigelow und Boal in die eingeschlossene und kammerspielartig inszenierte Bedrohungssituation im Hotel selbst. Die Figuren auf allen Seiten - Larry und Fred als unschuldige Opfer, ein Wachmann, der versucht, deeskalierend einzugreifen oder auch die von Herrenbewusstsein durchzogenen Polizisten - stehen stellvertretend für die einzelnen Positionen und erzeugen doch auch als Einzelschicksale ihre Wirkung. Das liegt auch an dem überzeugenden Cast, allen voran Algee Smith als Larry, John Boyega als Wachmann Dismukes, der an seiner Stellung zwischen den Stühlen verzweifelt, oder Will Poulter als Polizist, in dessen Gesicht sich all der unterdrückte weiße Rassenwahn spiegelt, der sich dank seiner ihm Macht verleihende Uniform offenbart. DETROIT erzählt seine Geschichte mit atemloser Spannung, die dank der dokumentarisch anmutenden Inszenierung auch für den Zuschauer keine Distanz zum Geschehen erlaubt. Bigelow gelingt es, einen ungeschminkten Blick auf ein Ereignis in der Vergangenheit zu werfen und gleichzeitig auf eine unbequeme Wahrheit im Hier und Jetzt aufmerksam zu machen. Denn das Ereignis selbst ist Geschichte. Die unterprivilegierte Situation der afroamerikanischen Bevölkerung jedoch ist noch heute Teil der US-Gegenwart. Das macht Kathryn Bigelows DETROIT nicht nur zu einem filmisch beeindruckenden, sondern auch zu einem politisch wichtigen Film.

    Jurybegründung:

    Dieser Film fesselt und macht zornig. In ihm wird zwar vom Amerika des Jahres 1967 erzählt, aber er ist politisch so aktuell wie nur wenige andere. Im Sommer 1967 kam es in amerikanischen Großstädten, vor allem in Detroit, zu Aufständen der afroamerikanischen Bewohner der Innenstädte, die sich im Laufe der Jahre immer mehr in Ghettos verwandelt haben. Zum Anfang des Films gibt Bigelow die Informationen, die nötig sind, um die Situation einzuschätzen, im Stil eines kleinen Animationsfilms. Dann zeigt sie, wie die Rebellionen in Detroit begannen, wie sich die Gewalt immer mehr ausweitet, wie die Polizisten unvorbereitet auf diese Krise sind und durch ihr Verhalten die Wut der Aufständischen anstacheln. Dass dieser Panoramablick auch eine Exposition der Hauptakteure auf beiden Seiten liefert, wird erst später im Film deutlich. Denn langsam fokussiert Bigelow auf einzelne Figuren. Darunter zwei Afroamerikaner, die darauf hoffen, dass ihre Soulband bei einem Konzert entdeckt wird und drei weiße Polizisten, die von ihren Vorurteilen geleitet bei ihrem Einsatz immer unberechenbarer werden. Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal gehen hier von einer wahren Geschichte aus, bei der die Gäste eines Hotels, von dem die Polizei glaubte, dass Schüsse auf sie daraus abgefeuert wurden, gefangen gehalten und brutal verhört wurden. Dabei gab es auch Tote. Wie es in der klaustrophobischen Enge des Hotels zu diesen Exzessen kommt, wie die Polizisten es offensichtlich genießen, dass all diese Menschen ihnen schutzlos ausgeliefert sind, wie die Angst ihrer Gefangenen immer mehr zunimmt und wie unterschiedlich sie dann auf diesen Druck reagieren (was zu einer Frage von Leben oder Tod wird) das zeigt der Film mit einer kompromisslosen Wucht, die oft schwer zu ertragen ist. Bigelow erzählt diese Geschichte zugleich spannend und hoch komplex. Es gelingt ihr, durch ihre realistische, sehr authentisch wirkende Inszenierung die Geschichte intensiv lebendig werden zu lassen. Dazu nutzt sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel (Kamera, das Casting der Darsteller, Ausstattung, Musik, Schnitt) mit einer Meisterschaft, die ihre Virtuosität nicht ausstellen muss. Alles dient dazu, die Geschichte so gut und wahrhaftig wie möglich zu erzählen, und dies gelingt grandios.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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