Der Leuchtturm

   Kinostart: 28.11.2019

The Lighthouse: Von Seefahrer-Mythen geprägtes Drama über zwei Leuchtturmwärter (Willem Dafoe und Robert Pattinson), die isoliert auf einer einsamen Insel dem Wahnsinn verfallen.

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„Der Leuchtturm“ im Kino

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Filmhandlung und Hintergrund

Von Seefahrer-Mythen geprägtes Drama über zwei Leuchtturmwärter (Willem Dafoe und Robert Pattinson), die isoliert auf einer einsamen Insel dem Wahnsinn verfallen.

Als das rettende Dienstende in greifbare Nähe rückt, zieht ein Sturm auf und verhindert die Abreise. Wie lange können die beiden noch auf der kargen Insel ausharren, ohne völlig den Verstand zu verlieren? Ab 28. November 2019 könnt ihr euch selbst ein Bild des düsteren Fantasy-Horrors machen, einen Vorgeschmack bekommt ihr hier:

„Der Leuchtturm“ – Hintergründe

Nach seinem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Debüt „The Witch“ liefert Regisseur Robert Eggers neuen Horror-Nachschub. Angesiedelt ist sein neues Werk Ende des 19. Jahrhunderts auf einer einsamen Insel vor der Küste Neuenglands, wo zwei Leuchtturmwärter ihren vierwöchigen Dienst verrichten. Isoliert von der Außenwelt hat besonders Ephraim mit den Eigenarten seines Vorgesetzten zu kämpfen, während er selbst von mythischen Halluzinationen heimgesucht wird.

Nicht nur inhaltlich sondern auch optisch mutet der Film wie aus einer längst vergangenen Zeit an: Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen und die Verwendung eines nahezu quadratischen Formats, wie es besonders in der Anfangszeit des Tonfilms in den USA verwendet wurde, transportieren von der ersten Sekunde an die bedrückende Enge der Insel, die den beiden Männern im Verlauf des Films zusehends zu schaffen macht.

Premiere feierte der Film im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes im Mai 2019 und machte im Anschluss Station auf vielen weiteren europäischen als auch amerikanischen Filmfestivals. In Deutschland startet Eggers neuer Horror-Streifen am 28. November 2019.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Atmosphärischer Mystery-Thriller rund um zwei Leuchtturmwärter, die gemeinsam auf einer menschenleeren Insel an der Küste Neuenglands einen Leuchtturm am Laufen halten müssen und sich auf engstem Raum ausgeliefert sind.

      Efraim Winslow ist nicht Leuchtturmwärter geworden, weil er es unbedingt wollte. Sein Ziel war es, weit weg von zu Hause Geld zu verdienen, um sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Deswegen ist er nun hier, auf einer menschenleeren Insel, zusammen mit dem erfahrenen Leuchtturmwärter Thomas Wake. Am liebsten würde Efraim mit Thomas kein Wort wechseln, so seltsam findet er den alten Mann, der den ganzen Abend trinkt, die Nacht oben im Leuchtturm verbringt und altes Seemannsgarn verzapft. Doch als Untergebener muss er den Befehlen folgen, die ihm im rauen Ton erteilt werden. Je mehr Wochen vergehen, desto größer wird Efraims Wunsch, die Insel endlich verlassen zu können. Als aber das Versorgungsschiff, welches ihn abholen soll, nicht kommen kann, sind Efraim und Thomas auf der Insel gefangen. Nur sie, das Gekreische der Möwen, peitschender Regen und Sturm. Und das helle wandernde Licht des Leuchtturms. Ein Leinwandformat von 4:3, schwarz-weiße Bilder, lange Einstellungen: DER LEUCHTTURM von Regisseur Robert Eggers ist von Beginn an eine kunst- und stimmungsvolle Hommage an die Filme der Stummfilmzeit. Das kluge Spiel mit Licht und Schatten erzeugt einen ebensolchen geheimnisvollen Gruselschauer wie auch das Sound Design. Die treibende Musik von Mark Korven und die Geräuschkulisse, in denen sich Regen und Sturm mit dem Kreischen der Möwen und dem ständigen Maschinendröhnen des Leuchtturms durchmischen, machen die permanente Bedrohung deutlich, die über der Szenerie liegt. Der Sog der Geschichte, die auf Quellen und Erzählmuster von Hermann Melville und H.P. Lovecraft zurückgreift, zieht den Zuschauer mit Wucht in ihren Bann und wird unterstützt von dem intensiven Spiel von Robert Pattinson und Willem Dafoe, die glaubhaft ihre ambivalenten Figuren verkörpern. Im konstanten Spiel mit Wirklichkeit und Wahn spielt Eggers konstant mit den Erwartungen der Zuschauer und schafft ein herausforderndes Filmkunstwerk, dessen atmosphärische Dichte und erzählerische Kraft lange nach Filmende nachwirken.

      Jurybegründung:

      Robert Eggers wurde bekannt durch seinen ebenso beklemmenden wie stilsicheren Debütfilm THE WITCH, in dem er historisches Ambiente mit Sexualpsychologie und Volksmärchen zu einer spannenden Genrevariante verband. DER LEUCHTTURM setzt diesen Weg auf eindrucksvolle Weise fort. Das Skript wurde bereits parallel zum Erstling entwickelt, geht aber audiovisuell noch einen Schritt radikaler vor. In der eng kadrierten Academy Ratio im Seitenverhältnis 4:3 und dem körnigen Schwarzweiß bedient sich der Film einer Stummfilmästhetik, die er zugleich mit einer intensiven, dronebasierten Tongestaltung aufwertet.

      Nahe Maine in den 1890er Jahren treffen der erfahrene Leuchtturmwärter Thomas Wake (Willem Dafoe) und sein gerade erst vom Holzfäller rekrutierter Gehilfe Efraim Winslow (Robert Pattinson) auf einer kleinen Insel ein. Entgegen der im Handbuch vorgesehenen Wechselschichten lässt Wake seinen jungen Kollegen nie das Licht des Turmes warten. Stattdessen lässt er ihn vor allem niedere Arbeiten verrichten. Die emotionalen Spannungen zwischen den isolierten Männern wachsen - aber zugleich wird ihr Verhältnis näher und intimer. In abendlichen Sitzungen gestehen sie sich ihre Geheimnisse und Visionen. Als die Ablösung naht, verhindert ein Sturm das Verlassen der Insel. Winslows Visionen werden beängstigender, was zu einer gewalttätigen Eskalation führt. Am Ende erklimmt er endlich das ersehnte Licht.

      Robert Pattinson und Willem Dafoe tragen den Film in einer schauspielerischen Tour de Force. Über lange Strecken sind sie in intimen Nahaufnahmen zu sehen, was dieses klaustrophobische Geschehen dem Publikum intensiv nahebringt. Visuell arbeitet der Film mit harten Kontrasten und einem engen Schärfebereich, wodurch er die beklemmende Dichte der maskulinen Zwangsgemeinschaft betont. Die expressive Tongestaltung fügt diesen Bildern eine beklemmende Dimension bei, die auf „Field Recordings“ und tiefen Hörnern basiert.

      In der Tradition von Ingmar Bergmans finsteren 1960er Jahren-Filmen verbindet DER LEUCHTTURM harschen Realismus mit visionären Momenten, die den Gothic Horror der 1930er Jahre und den deutschen Expressionismus beschwören. Die verstörende Imagination wird dabei aus der kosmischen Mythologie Howard Philipp Lovecrafts bezogen. Und es dürfte auch kein Zufall sein, dass der Film in Maine spielt, jenem Bundesstaat, der Stephen Kings Grauen beheimatet. Dabei bleibt stets offen, wann der Film eine physische Realitätsebene hinter sich lässt und die Welt des subjektiven Wahns betritt. Dieses unzuverlässige Erzählen durchzieht den Film bis zum Ende.

      DER LEUCHTTURM spielt in den Gründungsjahren der USA und zeigt, wie sich Ideale der Aufklärung und Fragmente der Irrationalität zu einer tödlichen Mischung vereinen. Die Einsamkeit und Isolation schafft das Bedürfnis nach einer diffusen Transzendenz, die sich in einem heidnisch anmutenden Meereskult äußert.

      Obwohl in der Jury eine Diskussion über die mögliche Selbstverliebtheit und Redundanz der Inszenierung entbrannte, die auch Robert Pattinsons Schauspielkunst kritisch beleuchtete, wurde der Film letztlich als eine herausragende Variation des Horrorfilms mit den Mitteln der Stummfilmästethik und der avantgardistischen Tongestaltung gewürdigt.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Der Leuchtturm: Von Seefahrer-Mythen geprägtes Drama über zwei Leuchtturmwärter (Willem Dafoe und Robert Pattinson), die isoliert auf einer einsamen Insel dem Wahnsinn verfallen.

      Intensives (Horror-)Drama um zwei Männer, die auf einem Leuchtturm dem Wahnsinn verfallen.

      Aus unerfindlichen Gründen wurde der zweite abendfüllende Film von Robert Eggers die Teilnahme am Wettbewerb des Festival de Cannes verweigert. Er lief stattdessen in der Quinzaine des Réalisateurs - ein Coup für deren neuen Leiter Paolo Moretti, denn es ist der beste Film des Festivals zur Halbzeit, und das will Einiges heißen, weil das Niveau insgesamt erstaunlich hoch ist. In seinem eindringlichen Erstling „The Witch„, der seine Premiere beim Sundance Film Festival 2015 gefeiert hatte und sich in der Kinoauswertung in den USA zu einem veritablen Arthousehit entwickelte, breitet er seine Werkzeuge bereits aus, formuliert er bereits sein Anliegen. Die Geschichte einer von der Gemeinschaft verstoßenen Puritanerfamilie, die in Isolation dem kollektiven Wahnsinn verfällt, ist so etwas wie eine Blaupause für „The Lighthouse“, ein Probelauf für größere Dinge. Wieder geht es Eggers, der das Drehbuch mit seinem Bruder geschrieben hat, um Isolation und Wahnsinn, um ein Fiebern zwischen Realität und der Macht der Mythen und ihre langsame Fusion, wieder verwendet er dafür sorgfältigst ausgewählte filmische Mittel und eine Sprache, die direkt den Büchern von Melville entrissen scheint, fremd und faszinierend. Der Filmemacher hat „The Lighthouse“ in Schwarzweiß auf Film gedreht, in dem selten gesehenen Stummfilmformat 1,19 zu 1 - das Bild ist also fast quadratisch und engt die beiden Protagonisten vom ersten Bild an ein.

      An „Vampyr“ von Dreyer muss man denken, an den intensiven Okkultschocker „Häxan“, an das Kino des Expressionismus, vielleicht sogar an Bela Tarr, wenn zu Beginn zwei Männer auf einer einsamen Insel vor der Ostküste der USA ankommen, wo sie vier Wochen lang auf den Leuchtturm aufpassen sollen. Einer ist ein so sehr mit allen Wassern gewaschener Seebär, Thomas Wake, dass er wie ein wandelndes Klischee erscheint mit seinem Rauschebart, der umgedrehten Pfeife und seinen in dickem Akzent aus dem Mund perlenden Lebensweisheit, die sich anhören wie ein Kompendium aus Seemannsgarn und Matrosenshantys. Der andere ist ein in sich gekehrter junger Mann mit brodelnder Aggression in den hübschen Augen, Ephraim Winslow, der einem vergangenen Trauma entfliehen will und in der Einsamkeit auf einen Neuanfang hofft. Die Rollen sind klar verteilt: Thomas übernimmt nachts das Licht, Ephraim macht tagsüber die Drecksarbeit, abends teilen sie Tisch und bald schon Alkohol. Und beide werden wahnsinnig, als befänden sie sich in einem Wettbewerb miteinander, wer mehr und schneller durchdreht. Böse Vorzeichen, Aberglaube, Vorurteile, Albträume, obsessive Masturbation und Halluzinationen verbinden sich mit der brillanten düsteren Fotografie von Kameramann Jarin Blaschke und dem unablässigen Rauschen des Meeres und Poltern des Windes und Kreischen nicht weiter benannter Meereswesen und dröhnenden Posaunen wie aus dem Inneren einer Maschine tief im Innern der Insel zu einem apokalyptischen Szenario, das den beiden Hauptdarstellern eine Bühne bietet, als würden sie in einem Stück von Sam Shepard spielen, während um sie die Welt aus den Angeln gehoben wird. Robert Pattinson, der seit einigen Jahren den ungeliebten Ruhm der „Twilight“-Filme abzuschütteln versucht, um in unabhängigen Projekten zu beweisen, dass sich hinter dem hübschen Gesicht ein echter Schauspieler befindet, war noch nie so gut wie hier, findet in diesem Ephraim Winslow einen Seelenverwandten, durch den er alle aufgestaute Aggression kanalisieren kann, während Willem Dafoe das Unglaubliche gelingt, seine Darstellung aus „Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit“ noch einmal zu toppen. „The Lighthouse“ ist ein Mahlstrom, eine Naturgewalt, inventiv, innovativ, intensiv, ein herausragendes Kinoerlebnis: Er ist um eine Goldene Palme betrogen worden. ts.

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