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„Collateral Beauty – verborgene Schönheit“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Verborgene Schönheit Poster

Will Smith trauert um seine verstorbene Tochter – und findet dank namhafter Unterstützung zum konstruktiven Umgang mit dem Schicksal. Tränendrüse statt Tiefe.

Trauer und Verarbeitung sind aktuell gefragte Themen in Hollywood. In „Jackie“ verarbeitet Natalie Portman als „JackieKennedy den Tod ihres Mannes, in „Manchester by the Sea“ ist es der Verlust des Bruders, der Casey Affleck aus der Bahn wirft – ja sogar das grandiose Science-Fiction-Drama „Arrival“ integriert dieses Motiv virtuos in sein Geschehen.

Jetzt bringt Regisseur David Frankel seinen filmischen Beitrag zu dem höchst komplexen Thema in die Kinos. Und der ist betrüblich klein – trotz der geballten Star-Power, die sich dafür vor der Kamera versammeln. Und das routinierte Wirken von Kate Winslet, Keira Knightley, Helen Mirren oder Edward Norton ist es schließlich auch, das die Geschichte, wie Will Smith um seine verstorbene Tochter trauert, doch noch vor dem Komplett-Absturz bewahrt.

Tiefer Fall und harter Auschlag

Denn dieser wird zunächst eingeführt als charismatischer Besitzer einer PR-Agentur. Einer, der seine pseudo-profunden Wahrheiten über Liebe, Tod und Zeit höchst freigebig über seine Mitarbeiter ausstreut. Doch einen Schicksalsschlag und wenige Jahre später findet das mitgefühlige Publikum Howard als gebrochenen Mann, der in seinem Büro komplexe Domino-Gebilde erreichtet – und wieder zerstört. Dieser grobmotorische Symbolismus mündet noch dazu darin, dass er seelenentblößende Briefe an seine drei Lieblings- Allegorien schreibt: Liebe, Tod, Zeit.

Griff zur Reißleine

Alles nichts, was eine Agentur wirklich weiterbringt, finden seine Freunde. Daher entwickeln sie einen gerissenen Plan, ihn letztlich um dieselbe zu bringen. Alles natürlich nur zu seinem Besten und so… (sind wohl doch eher Mitarbeiter als Freunde). Dazu hetzten sie ihm drei Schauspieler als Verkörperung von Liebe, Tod und Zeit auf den Hals. Keira Knightley, Jacob Latimore und Helen Mirren sollen ihn dazu bringen, seine eigene Zurechnungsfähigkeit in Frage zu stellen. Doch kurz bevor die Intrige seines besorgten Arbeitsumfelds ihre unfeinen Früchte trägt, trifft Howard Madeleine (Naomie Harris). Die hat selbst ihre Tochter an Krebs verloren. Und von da an…

…wird alles irgendwie viel besser. Schließlich soll das Publikum zwar tränenüberströmt, aber doch mit einem warmen Gefühl im Herzen nach Hause kommen. Was perfekt funktioniert. Wenn die Zuschauer bereit sind, darüber hinwegzusehen, wie schamlos plump sie hier mit so simplen wie bewährten dramaturgischen Mitteln manipuliert werden.

Bar jeder Eleganz

Mit Absicht wuchtig auf die Tränendrüse – immer voll draufgehalten auf den armen, gebrochenen, ach so tapferen Mann – und irgendwann dann die heilende Schicksalswende einleiten. Trauer-Pornografie vom Feinsten. Dazwischen dann aber doch immer mal ein paar Lacher. Soll ja nicht zu trist werden im Saal. Emotional schon – und zwar mit der ganz groben Kelle. Aber richtig trist… – das dann eher doch nicht.

Collateral Beauty – verborgene Schönheit“ hat in etwa die Substanz eines Youtube-Tutorials zur Trauerhilfe – nur eben gestreckt auf 97 Minuten. „SO geht Trauer heute, kapiert? Alles andere ist doch Vollquatsch und Zeitverschwendung…“ Was dieser undifferenzierte Ansatz mit Menschen macht, die tatsächlich jemanden verloren haben und sich in den Kinosaal verirren, kann man bestenfalls ahnen.

Spiel mit Emotionen

Handwerklich ist das alles überaus solide gemacht. Dazu liefert ein Starensemble wie dieses fast schon automatisch mimische Schauwerte und gelungene Szenen. Kitsch hin oder her: Wer Freude daran hat, seine nackten Emotionen kritik- und reflexionslos in die Hände eines erfahrenen Gefühls-Manipulators zu legen, ist daher genau im richtigen Film. Reichlicher Tränenfluss garantiert. Wer sich Impulse erhofft jenseits von „wird schon wieder… – mit der richtigen Einstellung“, sollte sie besser woanders suchen.

Der Trailer zu „Collateral Beauty“

 

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