Breakfast on Pluto

   Kinostart: 25.05.2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Zweite Patrick-McCabe-Adaption von Neil Jordan, in der ein femininer Mann in den 70er Jahren durch die Britischen Inseln streift, um die Mutter zu finden, die er niemals kannte.

Im Irland der späten 50er Jahre wird der neugeborene Patrick „Kitten“ Braden (Cillian Murphy) dem Priester, der ihn zeugte, auf die Treppe gelegt. Knapp zehn Jahre später entdeckt der aufgeweckte Knabe zum Entsetzen des konservativen Umfelds seine Begeisterung für Popkultur und - was noch schwerer wiegt - Frauenfummel. Noch mal ein paar Jahre später bricht er auf zu einer bemerkenswerten Odyssee, um die unbekannte Mutter im fernen London zu finden.

Nach „Butcher Boy“ verfilmt Irlands Haus- und Hof-Regisseur Neil Jordan („The Crying Game„) zum zweiten Mal ein Buch von Patrick McCabe.

Als Baby wird Patrick Braden von seiner Mutter in einer irischen Kleinstadt vor der Haustür des Dorfpfarrers Bernard zurückgelassen. Früh wird dem Jungen klar, dass er anders ist als andere: Schon als Kind trägt er Kleider und Lippenstift. Als Teenager wird Patrick zunehmend androgyner. Er sammelt erste Erfahrungen mit Männern, hat Kontakte zur IRA und geht in London auf den Strich, während er nach der „Phantom Lady“ sucht - der Mutter, die ihn zurückließ und die er niemals kannte.

Ein Neugeborenes wird dem Pfarrer einer irischen Kleinstadt auf die Türschwelle gelegt. Der Findling wächst unter dem Namen Patrick auf und macht seiner Pflegefamilie rechte Sorgen, weil er sich gerne wie ein Mädchen kleidet und Lippenstift trägt. Als Patrick die Wahrheit über seine Herkunft herausfindet, wendet er dem Dorf den Rücken zu und beginnt, seine Neigungen voll auszuleben. Als Transvestit Kitten gerät er dann sogar in Kontakt mit der IRA und geht auf den Strich, immer auf der Suche nach seiner unbekannten Mutter.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Cillian Murphy spielt wunderbar mit weichem Gesicht und sanfter Stimme Patrick, den Transvestiten, der sich Kitten nennt. Als Findelkind auf der Kirchentreppe aufgetaucht beginnt er schon früh, sich als Frau anzuziehen, und er verlässt dann auch irgendwann die rabiate Pflegemutter. Er fährt nach London, wo er seine richtige Mutter sucht, von der er nur eine vage Beschreibung hat: sie sehe aus wie Mitzi Gaynor.

      Phantom Lady nennt er diese Frau, die aufzuspüren er versucht: als wäre alles nicht echt, nur Fiktion, eine spannende und schöne Geschichte, bei der er mitmacht, ohne wirklich teilzunehmen. Dabei ist nichts schön von dem, was er erlebt: Eine unglückliche Liebe, die Umtriebe des irischen Unabhängigkeitskampfes, Prostitution, Armut, beinahe die Ermordung durch einen Triebtäter, tagelange Verhöre bei der Polizei. Doch Kitten nimmt nichts ernst, das ist sein Dogma. Keine Ernsthaftigkeit, um die Freudlosigkeit des Lebens zu überdecken, um die Traurigkeit zu verdrängen, um die Realität zu verlieren.

      Von Anfang an nimmt Neil Jordan diesen Unernst auf in seiner traurigen Geschichte, er gibt ihr Leichtigkeit, Fröhlichkeit: Er erzählt sie als Komödie. Kitten erzählt seine eigene Geschichte in Kapitel eingeteilt, mit distanziert ironischem Ton. Situationen werden zugespitzt und ins Komische gezogen, die Geschichte seiner verbotenen Zeugung schildert Kitten in einem Schulaufsatz als Farce, aus einem ersten Auftritt in den Kleidern der Pflegemutter wird eine Hatz durchs Haus.

      Eine witzige Grundstimmung beherrscht den Film. Umso harscher sind die harten Episoden, wenn Kitten in de Hände von Terroristen, eines Triebtäters, der Polizei gerät – um sich dann wieder die geschönte Wirklichkeit der Hauptfigur zu eigen zu machen. Der Zuschauer erlebt das Geschehen dadurch doppelt: Als Spaß an der Oberfläche, als ernste Geschichte dahinter.

      Die verschiedene Ebenen der Unterhaltung verstärkt Jordan durch die Songauswahl auf dem Soundtrack: Gleich am Anfang ertönen die Rubettes mit „Sugar Baby Love“, eine Männerband, die sich wie Frauen anhört. Dann sieht man computeranimierte Rotkehlchen, die sich unterhalten – natürlich wird es später im Film auch „Fly Robin Fly“ von Silver Convention zu hören geben. Passend eingesetzt sind diese billigen Schlager, denen Kitten Tiefe abgewinnen kann: Seine große Liebe ist Sänger einer Kombo, die als Indianer auftritt, in Glitzerkostümen auf den Bühnen kleiner Kneipen und Clubs – Kitten, der Mann, der als Squaw verkleidet ist, fällt hier nicht als exzentrisch auf. Denn eigentlich sind alle leicht verrückt auf ihre Art, jeder hat ein schräges Ding laufen. Und so kommt es auch am Ende zu einer freundschaftlichen Allianz zwischen Kitten, einem Priester und einer einsamen Schwangeren.

      Kitten weiß, dass seine Show weitergehen muss, was immer passiert, und dass ein fröhliches Herz in einer falschen Welt ihm weiterhilft. „Inside my heart is breaking, my make-up may be flaking but my smile still stays on”.

      Fazit: Eine traurige Geschichte in der Form einer witzigen Komödie erzählt.
    2. Breakfast on Pluto: Zweite Patrick-McCabe-Adaption von Neil Jordan, in der ein femininer Mann in den 70er Jahren durch die Britischen Inseln streift, um die Mutter zu finden, die er niemals kannte.

      Nach „The Crying Game“ greift Neil Jordan erneut die Suche nach sexueller Identität auf und entwickelt vor dem Hintergrund des Irland-Konflikts in den 70er Jahren ein lustbetontes Drama und Popmärchen.

      Mit „Breakfast on Pluto“ verfilmt Neil Jordan nach „Butcher Boy“ ein weiteres Buch von Patrick McCabe. Im Ton ganz anders - auf den ersten Blick weniger tiefgründig, aber auf den zweiten mit allen politischen Wassern gewaschen. Die Erzählung beginnt noch vor der Geburt mit der Zeugung durch einen Priester (vor dessen Türschwelle das Neugeborene in einem kleinen Kaff gefunden wird), schlägt dann den Bogen zur Kindheit von Patrick Braden, der schon früh in Schminke und Mädchenkleidern herumstolziert und damit Pflegemutter und die gesamte gestrenge Umgebung verzweifeln lässt. In der katholischen Schule macht er sich in den 60er Jahren mit Fragen nach Geschlechtsumwandlung auch keine Freunde, schon mal gar nicht, als er Pater Bernhard im Beichtstuhl auf seine mögliche Vaterschaft anspricht und in einem Aufsatz sich auch noch als dessen und einer naiven Haushaltshilfe illegitimen Spross beschreibt. Früh beginnt er von einem Treffen mit der unbekannten Mutter zu träumen. „Saint Kitten“, wie er sich als Heranwachsender nennt, verführt mit Jugend, Charme und Androgynität. Seine erste Liebe, ein Leadsänger, engagiert ihn als Squaw auf der Bühne und wie auf einer Bühne läuft bald Kittens Leben ab. Er laviert sich durch alle Höhen und Tiefen, lacht seinen Feinden ins Gesicht, macht Bekanntschaft mit einem Gewalttäter, mit der IRA und landet sogar als Terrorist im Knast. Wie ein Wunder entkommt der Transvestit gefährlichsten Situationen.

      In 36 Kapiteln ist die Suche nach Liebe und Verständnis nachgezeichnet, an dessen Ende eine anonyme Begegnung mit der Mutter in London steht, dem ultimativen Objekt seiner Sehnsucht. Shooting-Star Cillian Murphy spielt die schillernde Persönlichkeit (mit gewöhnungsbedürftiger Hochstimme), rast durch die einzelnen Stationen ohne eine wirkliche Entwicklung durchzumachen oder die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, zelebriert seinen glamourösen Auftritt als opulente One-Man-Show, wickelt Menschen mit einem Augenaufschlag um den Finger, wie den wehmütigen Stephen Rea als ihm verfallenen Zauberer. Gleichzeitig ist „Breakfast on Pluto“ auch eine Geschichte über die Freundschaft von vier Außenseitern, die wie Pech und Schwefel seit Kindesbeinen zusammenhalten. Der bunte Mix aus Popkultur, Politik und Provokation nimmt mit auf einen spannenden Trip durch Zeit- und Musikgeschichte, umwerfender Soundtrack inklusive. Ein Wechselbad exzessiver Gefühle zum Genießen. mk.

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