Filmhandlung und Hintergrund

Drama über eine zerrüttete Ehe, in der eine Entführung beide Partner zur Neubewertung ihrer Beziehung zwingt.

Wayne Hayes (Robert Redford) hat den American Dream wahr gemacht: Er hat Firma und Familie gegründet, ist mehr oder weniger glücklich verheiratet, hat die Firma mit Gewinn wieder verkauft, die Kinder sind wohl erzogen und aus dem Haus, und ein lauschiger Lebensabend steht ihm bevor. Doch das vordergründige Idyll wird getrübt, als eines Tages ein fremder Herr (Willem Dafoe) Wayne von der Schwelle weg entführt und ihn, aber auch seine Frau Eileen (Helen Mirren), zu einer differenzierteren Betrachtung der Vergangenheit zwingt.

Holländer Pieter Jan Brugge, seines Zeichens Produzent von qualitativer A-Ware wie „Insider“ und „Bulworth„, serviert in seinem Regiedebüt einen Entführungsthriller mit der Würznote einer Beziehungstherapie.

Wayne Hayes hat Erfolg und Geld, aber nach einer Affäre das Vertrauen seiner Frau verloren. Als er eines Tages von einem Fremden, der ihn zu kennen vorgibt, entführt wird, kämpft er mit dem Täter, erst mit Worten, dann mit Taten um sein Leben. Wie auch seine Frau zuhause, deren Wert er wieder zu schätzen lernt, als er seine Situation und die seines Entführers überdenkt.

Der gutaussehende Wayne Hayes ist ein Siegertyp. Lebt trotz einer Affäre mit seiner attraktiven Frau in einer stattlichen Villa, hat die Kinder gut aus dem Haus gebracht und arbeitet noch immer in seinem Mietwagen-Imperium, das er von Grund auf aufgebaut hat. Alles Erreichte wird aber plötzlich bedeutungslos, als ein erzürnter Ex-Angestellter Hayes in die nahen Wälder entführt. Vor eine ungewisse Zukunft gestellt, beginnen Wayne und seine Frau für ihre Beziehung und um eine gemeinsame Zukunft zu kämpfen. Jeder auf seine Art.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Das Regiedebut von Pieter Jan Brugge, den manche vielleicht als Produzenten von Filmen wie "The Insider", "Heat" oder "The Pelican Brief" kennen, hält nicht, was es im Trailer verspricht. Ein Thriller wird angekündigt, aber eine Charakterstudie, "The Clearing" einer ehelichen Beziehung wird gezeigt. Dies bringt vielleicht Actionliebhaber und Thriller-Suspense Süchtige dazu, das Kino zu verlassen, aber wer dies leise, schleichende ungute Gefühl mag, der sollte sitzen bleiben und den Film trotz einiger Längen zu Ende schauen. Auch wenn sich Pieter Jan Brugge nicht entscheiden kann zwischen Charakterstudie und Geiseldrama, bleibt der reine Genuss den drei Protagonisten bei ihrem exzellenten Spiel zuzuschauen.

      Hier schlägt Helen Mirren die beiden Männer um Längen, denn sie hat keinen wirklichen Gegenpart. Robert Redford und Willem Dafoe in den Rollen des Kidnappers und Opfers spielen sich gegenseitig den Ball zu, sie agieren fantastisch miteinander und in ihren Rollen gegeneinander. Helen Mirren ist auf sich allein gestellt, auch wenn sie in der Geliebten ihres Ehemannes fast einen Gegenpart findet. Als Ehefrau, die sich und ihr Leben in dieser Extremsituation unter die Lupe nimmt, agiert sie herausragend. Auch dafür, dass das Ehepaar nur am Anfang des Films in ihrem Alltagsleben zu sehen ist, gelingt ihnen die Konfrontation des Publikums mit der traurigen Entwicklung der beiden in ihrem Leben als Mann und Frau. Sie vermitteln die Gefühle ohne sich überhaupt gegenüber zu stehen. Dieses Spiel der drei und die Entwicklung durch den Regisseur ist wirklich faszinierend.

      Auch vermittelt die Plotspaltung, die Pieter Jan Brugge betreibt, ein beklemmendes Gefühl. Während Wayne und Arnold an einem einzigen Tag durch den Wald laufen, zieht sich die Handlung im Hause der Hayes' über einen viel größeren Zeitraum.

      Der deutsche Titel "Anatomie einer Entführung" ist meiner Meinung nach nicht adäquat für die Handlung des Filmes, der Originaltitel "The Clearing" vermittelt viel stärker, worum es in diesem Film eigentlich geht: Das Klären der ehelichen Beziehung. Leider konnte sich Pieter Jan Brugge nicht konsequent für diesen Weg entscheiden. Er steigt in ein sozialkritisches Thema ein, der arbeitslose Arnold entführt den reichen Selfmade Millionär, bei dem er sogar früher mal angestellt war. Ein von der Gesellschaft Enttäuschter trifft auf einen, der fest davon überzeugt ist, das man immer nur das erreicht, was man sich selbst erarbeitet. Dies allein ist schon ein interessanter Plot, genau wie die Entschlüsselung des Beziehungsdramas von Ehepaar Hayes. Eine Richtung einzuschlagen hätte dem Film gut getan.

      Fazit: Sehr sehenswertes Schauspielertrio in einer gut gelungenen Charakterstudie und einem gelungenen sozialkritischen Geiseldrama... nicht wirklich ein Thriller!
    2. Anatomie einer Entführung: Drama über eine zerrüttete Ehe, in der eine Entführung beide Partner zur Neubewertung ihrer Beziehung zwingt.

      Das Regiedebüt des Holländers Pieter Jan Brugge, Produzent intelligenter und unterhaltsamer Qualitätsfilme wie „Insider“ und „Bulworth“, ist eine Lichtung unter Hollywoods mächtigen, aber uniform zum Boxoffice-Gipfel strebenden Unterhaltungsriesen. Ein Beziehungsfilm, der sich als Entführungsdrama tarnt, der von Verlierern und Siegern erzählt, von seinen Darstellern lebt und sich trotz Schwächen einem Publikum empfiehlt, das im Kino einmal nicht atemlos sein, sondern durchatmen will.

      „The Clearing“ feierte seine Premiere beim diesjährigen Sundance Film Festival und war damit der erste Film, der mit Festival-Gründer Redford vor der Kamera dort uraufgeführt wurde. Trotzdem blieb die Reaktion darauf relativ verhalten - eine direkte Entsprechung zum Ton des Films, der ruhig, frei von Melodramatik, aber auch Überraschungen die Chronik eines angekündigten Todes erzählt. Wayne Hayes (Redford) hat sich mit eigener Kraft nach oben gearbeitet, mit Wohlstand und Karriere den amerikanischen Traum gelebt und dafür Kinder und Ehefrau Eileen (Helen Mirren) vernachlässigt. Nach einer Affäre Waynes hat die Ehe ihr Gleichgewicht nicht wieder gefunden, lebt man eine Beziehung distanzierter Unverbindlichkeit, bis Wayne eines Abends von der Arbeit nicht zurückkommt. Damit realisiert sich Eileens größte Angst, wenn auch aus einem anderen Grund. Denn Wayne ist das Opfer eines Entführers geworden, der ihn tief in den Wald zum Versteck seiner angeblichen Auftraggeber treibt.

      Der lange Weg durch die Natur ist ein dramatisches Konstrukt von Drehbuchautor Justin Hayte, um die beiden grundverschiedenen Männer in einen Dialog miteinander zu bringen, in dem es um Selbstaufgabe und Widerstand, Glück und Pech, um unterschiedliche Persönlichkeiten und Lebensbilanzen geht. Den anfangs eingeschlagenen Weg eines mentalen Duells, in dem sich die Machtverhältnisse verändern, verfolgt der Film nicht konsequent und gibt an seinem dramatisch entscheidenden Punkt ein Rätsel auf, das sich zwar interpretieren, aber nicht glaubwürdig nachvollziehen lässt. Beide Männer, Willem Dafoes Entführer und Redfords Geisel, repräsentieren die unterschiedlichen Pole des materiellen Erfolgstraums, sind aber am Ende verbunden durch das Fazit, dass Glück für beide nicht dadurch definiert ist. Redford und Dafoe überzeugen mit soliden Leistungen in einem darstellerisch gut besetzten Film, der aber von der Britin Helen Mirren („Kalender Girls“) getragen wird. In ihrem Gesicht, in ihrer Mimik, ist der Zustand ihrer Ehe und ihre eigene emotionale Vereinsamung eingegraben, aber auch die Loyalität zu ihrem Mann, die sie in der einzigen echten Thrillerszene, einer unheimlichen Lösegeldübergabe am Rande des nachtschwarzen Waldes, eindrucksvoll unter Beweis stellt. „Er ist ein großer Mann“, resümiert Mirrens Rivalin schließlich die Qualitäten Redfords, dessen Tragödie darin besteht, ein Pendant zwar gefunden, aber die Wertschätzung dafür über die Jahre verloren zu haben. kob.

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