Alexander

  1. Ø 2.9
   2004
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Filmhandlung und Hintergrund

Alexander: Oliver Stones intime Monumentalbiografie mit Colin Farell als legendärer makedonischer Eroberer, Entdecker und Träumer.

Im vierten Jahrhundert vor Christus schwingt sich der junge Alexander (Colin Farrell) nach branchenüblichem Vatermord auf den Thron der Mazedonen. Unter seiner Führung gelingt es, die Griechen gewaltsam zu einen und die ständige Bedrohung aus Persien in die Schranken zu weisen. Damit noch nicht zufrieden, rücken Alexanders Truppen bis weit nach Kleinasien vor und beherrschen schließlich 95 Prozent der damals bekannten Welt.

Oliver Stone

Das Leben des legendären Eroberers, der aus dem Schatten seines wilden Vaters und aus dem Einflussbereich seiner kultivierten, aber von Wahn und Machtgier beherrschten Mutter heraustrat. Um Persien zu erobern, um die asiatische Kultur mit der griechischen zu verbinden, um die Grenzen der bewohnten Welt zu überschreiten, um eine neue Ordnung zu erschaffen, die verschmilzt, anstatt zu trennen.

Aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters und dem kleinen Reich Makedonien zog Alexander einst aus und eroberte daraufhin über 90 Prozent der damals bekannten Welt. Geboren 356 vor Christus, gestorben weniger als 33 Jahre später, führte der junge Feldherr seine Truppen mehr als 35.000 Kilometer über den Globus und unterwarf die Völker zwischen Griechenland und Indien. Gebildet und skrupellos, charmant und gnadenlos, seinen Freunden treu ergeben, ist Alexander bis heute unvergessen und seine Taten unerreicht.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Schlange und der Adler: Es sind symbolische, mythische, mystische Tiere, Oliver-Stone-Tiere, die hier eine Rolle spielen. Olympias, die Mutter von Alexander, ist eine Schlangenfrau, sie spielt mit ihnen am Bett des Kindes; und ihre Gedanken werden zu Alexander schleichen, wenn er auf seinem Feldzug ist im Osten, misstrauische, vergiftete Gedanken – flieht Alexander, den sie den Großen nennen, nicht auch vor der Macht seiner Mutter bis ans Ende der Welt? Der Adler wird mit Alexander assoziiert, er führt ihn auf dem Weg nach Osten, kriegerisch und stark und einsam. Die erste große Schlacht mit den Persern wird der Adler aus seiner Vogelperspektive verfolgen, er wacht über Alexanders Sieg. Alexander ist mächtig – sein wildes Pferd Bucephalus kann allein er reiten. Und er ist allein, die besitzergreifende Mutterliege erdrückt ihn, sein Drang nach Hephaistion, den Kameraden aus Kindertagen, füllt ihn nicht aus; die Hochzeit mit einer Asiatin – ein Affront gegen seine makedonischen Mitstreiter – bringt keinen Nachwuchs. Alexander steht an der Spitze und ist argwöhnisch und paranoid. Er erobert alles, doch das, was er sucht, findet er nicht, kann er nicht finden.

    Der Film wird erzählt von Ptolemaios, einem Begleiter auf Alexanders Feldzügen. 40 Jahre später, nachdem das Reich, das Alexander aufgebaut hat, in zahllosen Diadochenkämpfen zerfallen ist. Ptolemaios, das ist der Beginn der Geschichtsschreibung. Die sich absetzen will von den Göttersagen der Vorzeit. Doch diese Sagen, die Mythen und Legenden von Göttern und Halbgöttern und Helden sind es, die Alexander erfüllen. Ist Ptolemaios der Vater der Geschichtsschreibung, so ist Homer der Vater der Literatur überhaupt. Und die homerschen Geschichten sind es, die Alexander antreiben. In Homer findet Alexander die Ideale, denen er nachstrebt. In Alexander werden die Legenden zu Träumen, die Mythen zu Visionen. Achilles hatte seinen Gefährten Patrokles in Liebe und Treue und Tapferkeit über den Tod hinaus begleitet, Prometheus hatte den Göttern das Feuer gestohlen und auf die Erde gebracht zum Wohle der Menschen – und beide haben unermesslich leiden müssen für ihre Taten und für den Ruhm, den ihnen die Nachwelt entgegenbringt. Achilles starb qualvoll, Prometheus wurde von Zeus bestraft, jeden Tag hackt ihm ein Adler die Leber aus, die über Nacht nachwächst.

    Alexander weiß um das Leid, und er weiß um den Ruhm, der dem Leid vorausgeht. Er will ans Ende der Welt und von dort über das äußere Meer und den Nil hinauf zurückkehren – es ist, wie wir heute wissen, eine falsche Vorstellung von der Topographie, auf der er seinen Sturm und Drang aufbaut. Er ist ein Eroberer, doch nicht um der Eroberung willen, sondern um seinem Traum hinterher zu rennen, hin zum Horizont, ans Ende des Regenbogens. Sein Feldzug machte Alexander selbst zum Helden, zur Figur des Mythos, dem er nachjagt, in der Geschichtsschreibung des Ptolemaios und im Film von Oliver Stone.

    Es gelingt Stone nicht, die getriebene und triebhafte Seele Alexanders ganz auszuleuchten. Zu viel wird ur angedeutet, oder es wird im Dialog erstickt: ein wirkliches Gefühl für Alexander verliert sich im gesprochenen Wort. Dabei zeigt Stone, wie er in Bildern erzählen kann: großartige Schlachtengemälde hat er entworfen, am Anfang des Feldzugs gegen die Perser, in der Wüste eine geordnete, taktisch ausgerichtete griechisch-makedonische Armee gegen einen Haufen bärtiger Krieger. Und am Ende des Feldzugs, im Urwald von Indien, erdrückt von den riesigen Kampfelefanten, gegen die die Speere und Schilde des Alexanderheeres wenig ausrichten kann. Dazwischen liegen große Siege und eine wachsende Entfremdung des Heerführers von seinen Soldaten, die jahrelang dem Phantom von Alexanders Idee nachjagen. Gegen Ende steigert sich der Film zum delirierenden Alptraum, halluzinatorische Bilder vermischen sich mit der Wirklichkeit von Schlacht, Verrat und Tod – doch diese Bilder zeigen nur, was Stone imstande gewesen wäre zu schaffen, hätte er eine ähnlich fiebrige Atmosphäre den ganzen Film über durchgehalten.

    Am Ende stirbt Alexander, vom Misstrauen der Macht zerfressen, und durch das Fenster sieht seine Mutter, wie ein Adler im Flug mit einer Schlange kämpft und wie beide abstürzen.

    Fazit: Große Bilder um Alexander den Großen, die aber vom Dialog und der streckenweise fehlenden Atmosphäre erdrückt werden.
  • „Sein Fehlschlag steht weit über den größten Erfolgen vieler anderer!“ Pharaoh Ptolemaios‘ Alexander-Fazit mag vielleicht auch für Oliver Stone gelten, der das Unmögliche wagte und dieses komplexe, abenteuerliche, Ereignis-satte Leben auf 180 Minuten zu komprimieren versuchte. Weil der gewaltige Stoff selbst Stones beachtlichem Budget schnell Grenzen aufzeigen würde, konzentriert sich der Regisseur auf das Intime vor dem Hintergrund des Monumentalen, bietet Exotik, Schauwerte, Spektakel, vor allem aber das ambitionierte Porträt eines Mannes, der gebildet und grausam, Kulturmensch und Barbar war und viele Widersprüchlichkeiten mehr faszinierend in sich vereinte. Damit ist „Alexander“ ein erwachsener Eventfilm, der im Weihnachtsmarkt den Kinozirkus durchaus bedient, ihm aber gleichzeitig die Stirn bietet.

    Oliver Stone hat nicht David Leans Subtilität oder den Luxus von „Lawrence“, an dem ein Jahr gedreht wurde, dafür aber Leidenschaft und Mut zur Kontroverse. In „Platoon“ zeigt er die Notwendigkeit von Killer und Gewissen fürs Überleben, in „Alexander“ mehr den Menschen als den Feldherrn und das Ideal einer reinen Liebe, die an eine Person, nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Alexanders Verhältnis zum Jugendfreund Hephaistion (Jared Leto) spiegelt das von Achilles/Patroclus, doch Stone thematisiert, was „Troja“ nicht wagte – eine Beziehung von Urvertrauen, die eben auch sexuell war. Die Gewichtung ist von elementarer Bedeutung für das Verständnis von Alexander, der in einem vergifteten Klima des Misstrauens groß wurde. 40 Jahre nach seinem Tod setzt der Film ein.

    Vor der traumhaften Kulisse Alexandrias diktiert Ptolemaios seine Erinnerungen, bleibt als Erzähler präsent im Film, schließt Informations- und Zeitlücken, gibt Einblicke in die Titelfigur und in die historische Entwicklung vor und nach ihm. Ein Rückblick führt in Alexanders Jugend, in der er aufgerieben wird zwischen seiner kultivierten, aber paranoiden Mutter (Angelina Jolie), die in ihm einen neuen Achilles, einen Gott sieht, und seinem wilden, übermächtigen Vater (Val Kilmer), um dessen Anerkennung er kämpfen muss. Das Motiv der Verschmelzung, von Barbar und Kulturmensch, sichtbar bei Alexander, seinen Eltern, aber auch im Verhältnis Griechen und Makedonen, zieht sich durch den ganzen Film, besonders in Alexanders Traum, die Kulturen des eroberten Ostens mit dem Westen zu vereinen. Der Rassismus, den hier mit Ausnahme Alexanders Figuren aus jedem Kulturkreis zeigen, wird in einer Brücke zur Moderne deutlich herausgefiltert. Auch Alexanders Entdeckerlust, seine Sehnsucht, die Grenzen der bewohnten Welt zu erreichen, spricht der Film in Bildern an, während seine Grausamkeit, die Vernichtung etwa von Theben und Persepolis, im Dialog versteckt wird. Stone weiß, was er Zuschauern zumuten darf, ohne die Sympathien zu verlieren. Natürlich muss der Film vieles verkürzen, gibt es keine Bilder vom Zug in die ägyptische Oase Siwah oder der Massenhochzeit von Susa, ist Beschränkung auch in den unzähligen Gefechten Alexanders unumgänglich.

    Nach etwa 45 Minuten orchestriert Stone mit der Schlacht von Gaugamela, in der Alexander die persische Übermacht besiegt, den ersten von zwei Actionevents – ein digitales Spektakel, das Chaos und Konfusion stiftet und damit spiegelt, wie der persische Großkönig und die meisten Krieger auf beiden Seiten wohl die Schlacht erlebt haben müssen. Zwar wird so die mitreißende Dynamik der Ringschlachten nicht erreicht, aber mit ungewöhnlichen Perspektiven, Strategieeinblicken und Kampfgetümmel doch der Fanblock zufriedengestellt. Noch packender als diese Sequenz ist die Waldschlacht in Indien, in der sich die Makedonen mit Kriegselefanten schlagen müssen und Alexanders Charisma als Feldherr sichtbar wird.

    Visuell ist Stones Film im Unterschied zu Vangelis‘ Soundtrack oft ein Genuss, ganz besonders in Babylon, das so traumhaft und verführerisch wirkt, wie es auch Alexander empfunden haben muss. Schauspielerisch überzeugt im Grunde das ganze Ensemble, haben Angelina Jolie, ganz besonders aber Colin Farrell in der Titelrolle große Momente. Am Ende, nach knapp drei Stunden, hat man vieles, wenn auch längst nicht alles aus diesem großen Leben gesehen, aber die Triebfedern dieser Persönlichkeit verstanden. Und das ist für „Alexander“, der nie eine Schlacht verlor, ein Sieg. kob.

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