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„Die Welle“: Die wahre Begebenheit hinter dem Drama

„Die Welle“: Die wahre Begebenheit hinter dem Drama
© Constantin Film

„Die Welle“ beschreibt ein Experiment während einer Projektwoche in einer deutschen Schule. Welche wahre Geschichte dahintersteckt, erfahrt ihr hier.

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Die Welle

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Im Jahr 2008 lief der Film „Die Welle“ in den deutschen Kinos. Jürgen Vogel spielt den nonkonformen Lehrer Rainer Wenger, der während einer Projektwoche seinen Schüler*innen das Konzept der Autokratie erklären will. Bei dem Kinofilm handelt es sich um eine deutsche Neuverfilmung des amerikanischen Films „Die Welle“ aus dem Jahr 1981. Im selben Jahr erschien auch der Roman von Morton Rhue „The Wave“. Inwieweit der Film auf wahren Hintergründen beruht, haben wir für euch recherchiert.

Dass die Realität mit grausamen Vorfällen das Kino nachhaltig beeinflussen kann, beweisen euch diese Horrorfilme in unserem Video:

Wahre Begebenheit inspiriert „Die Welle“

Rainer Wenger ist nicht das, was man unter einem typischen Lehrer versteht. Als Alt-Punk ist er seinem Kleidungsstil und der Musik treu geblieben und unterhält eher ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Schüler*innen. Mit seiner schwangeren Frau Anke (Christiane Paul) wohnt er auf einem Hausboot. Als die Schule, in der er arbeitet, eine Projektwoche zum Thema verschiedener Staatsformen startet, muss er sich mit dem Thema Autokratie begnügen. Zunächst sind sich die Schüler*innen einig, dass ein Erstarken des Nazi-Regimes nicht noch einmal geschehen werde. Diese Überzeugungen veranlassen Wenger dazu, ein sozial-psychologisches Experiment zu starten: Sukzessive stellt er neue Regeln für seine Klasse auf, strukturiert die Sitzordnung, führt Hierarchien und einen Dresscode ein.

Die Schüler*innen erleben ein neues „Wir-Gefühl“. Wenger gibt direktive Anweisungen und proklamiert, dass es ihm nur um das Wohl der Schüler*innen gehe. Außenseiter wie Tim (Frederik Lau) finden ihren Platz und gehen in der neuen Ordnung völlig auf. Zunächst scheint es, als akzeptieren alle die strikten Regeln, doch auch unter den Schüler*innen finden sich kritische Geister. Bald separieren sich die „Insider“ von den „Outsidern“ und ein Spalt trennt die Klasse: Es wird gemobbt und auch vor Gewalt und Vandalismus nicht zurückgeschreckt. Rainer Wenger lässt es zum Eklat kommen. Er lädt alle Welle-Mitglieder in die Aula ein und hält propagandistische Reden. Die Gruppe kocht vor Euphorie und Hass. Anschließend verlangt er, einen „Kritiker der Welle“ auf die Bühne zu bringen, um ein Exempel zu statuieren. Die aufgepeitschten Schüler*innen zögern nicht lange und liefern den Opponenten ans Messer. Doch Wengers Reaktion sieht anders aus: Kritisch fragt er seine Anhänger*innen, ob sie ihm auch gefolgt wären, wenn er den Tod des Schülers angeordnet hätte und verkündet das Ende der „Welle“. Tim, der sich als loyaler Anhänger seines Führers versteht, reißt es den Boden unter den Füßen weg: Er zückt eine Pistole. Wenger gelingt es nicht, Tim zu überzeugen. Aus purer Verzweiflung richtet Tim die Waffe gegen sich und erschießt sich. Wenger wird aufgrund des außer Kontrolle geratenen Experiments von der Polizei festgenommen. 

„Die Welle“: Diese wahre Begebenheit passierte wirklich

Grundlage des Films und des Buches ist ein sozial-psychologisches Experiment, das 1967 an einer kalifornischen Highschool stattfand. Ron Jones unterrichtete Geschichte und behandelte das Thema „Drittes Reich“. Als ein Schüler fragte, wie die Deutschen damals sich derart blind und ahnungslos verhalten konnten, wuchs in ihm die Idee für ein Experiment: Die Schüler*innen sollten am eigenen Leib erfahren, wie blinder Gehorsam durch Angst und Manipulation entstehen kann. Philipp Neel, ein ehemaliger Schüler von Jones, berichtet im „Spiegel“ von seinen damaligen Erfahrungen. Es begann zunächst harmlos. Jones führte neue Regeln zur Sitzordnung ein und zum Verhalten im Unterricht. Die Schüler*innen begannen sich häufiger zu beteiligen, niemand stellte die neue Ordnung infrage. Es etablierte sich ein neues Gemeinschaftsgefühl und Jones führte einen Gruß ein, der eine Welle bedeutete. Die Gruppierung nannte er „The Third Wave“. Die Parallelen zum Dritten Reich fielen niemandem auf. 

Spezial-Karten wurden an drei ausgewählte Schüler*innen verteilt, die daraufhin die Aufgabe hatten, alle Regelbrecher*innen zu melden. Das Experiment verließ bald das Klassenzimmer, breitete sich in der Highschool aus. Aber auch in diesem Experiment gab es kritische Gemüter, die sich der Bewegung nicht anschlossen. Auch Jones selbst erkannte, dass sein Projekt langsam außer Kontrolle geriet. Er entschied, das Experiment zu beenden, in dem er ankündigte, dass am Freitag – am Montag hatte das Experiment erst begonnen – sich eine neue, nationale Jugendbewegung gründen werde, die sich für Veränderungen in Amerika einsetzen werde. Eingeladen wurden nur Mitglieder und treue Anhänger*innen von „The Third Wave“. Kritiker*innen wurden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Ebenso wie im Film versammelte Jones die Schüler*innen in der Aula. Alle begrüßten sich mit dem „Welle-Gruß“. Doch Jones hielt keine flammende Rede. Er begann einen Film über Nazi-Deutschland zu zeigen, der von Drill, Gehorsam und Gemeinschaftsgefühl erzählt und ebenfalls auf die Errichtung von Gaskammern einging. Die Schüler*innen waren fassungslos und beschämt. Jones habe mit den Worten geendet: „Wie den Deutschen, wird es euch schwerfallen zuzugeben, dass ihr zu weit gegangen seid. Ihr werdet nicht zugeben wollen, manipuliert worden zu sein. Ihr werdet nicht zugeben, bei diesem Irrsinn mitgemacht zu haben.“ 

Tim (Frederick Lau) als begeisterter Anhänger von „Die Welle“. (© Constantin Film)

„Die Welle“: Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Realität und Fiktion

Im Unterschied zum Film „Die Welle“ – auch in der 1981er-Version – endete das Experiment von Ron Jones weniger dramatisch. Gewalt, Angst und gegenseitiger Verrat waren dennoch an der Tagesordnung. Ron Jones war, wie sein fiktives Pendant Rainer Wenger, ein nonkonformer Alt-Punk. Beide unterhalten eher ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Schüler*innen. Während Wenger auf einem Hausboot lebt, wohnte Jones in einem Baumhaus. Auch Jones' sonstige Lehr-Methoden waren wenig konformistisch, wie der „Spiegel“ berichtet. Neben den vermutlich filmischen Ausschmückungen zur Handlung über das Privatleben der Schüler*innen und dem veränderten Handlungsort, hält sich der Film sehr nah an die wahre Geschichte. Uniform, Gruß und strenge Regeln haben sowohl das echte Experiment als auch der Film von Dennis Gansel gemeinsam. Weitere Fakten und Hintergründe zeigen, wie sehr sich das wahre Leben und die filmische Interpretation überschneiden.

Den Film „Die Welle“ von Dennis Gansel könnt ihr derzeit bei Netflix sehen. Noch weitere Einblicke gibt es in der passenden Serie „Wir sind die Welle“, die es ebenfalls beim Streaminganbieter zu sehen gibt

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