| Als wäre der Job der Bombenexperten im Irak nicht schon gefährlich genug, müssen Sanborn und Eldridge, die beiden Soldaten der kleinen Elite-Einheit, feststellen, dass ihr neuer Sergeant William James sich inmitten des Chaos der kriegerischen Handlungen als todesverachtender Gefahrensucher entpuppt, der Bomben stets nach eigenem Stil entschärft. Das erhöht den Druck auf die Soldaten. James ringt einstweilen mit sich selbst: Er fühlt sich als Nichts und völlig unnütz, wenn er nicht in Todesgefahr ist - obwohl zuhause eine Frau mit Baby auf ihn wartet. |
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KRITIK
Adrenalin-geladener Blick auf den gefährlichen Job einer US-Elite-Einheit von Bomben-Entschärfern im Irak.
Fast glaubte man den Irak-Krieg durch Dramen wie "In the Valley of Elah", "Redacted" oder "Battle for Haditha" abgehandelt. Actionregisseurin Kathryn Bigelow geht es dagegen weniger um den Irak, kritische Kriegsbetrachtung oder Hurra-Patriotismus als um die Psyche der Soldaten, die süchtig nach Gefahr sind, den Adrenalin-Kick brauchen wie andere den morgendlichen Tee.
Die Männer eines Bombenräumkommandos machen einen harten Job, der Tod ist nur einen Wimpernschlag entfernt, wenn sie in unförmigen Schutzanzügen in Autos, unter Geröll oder Müll versteckte Sprengkörper entschärfen, mit ferngesteuerten Robotern oder auch nur mit einer Zange "bewaffnet". Nach dem Tod des Teamchefs bei einer Detonation übernimmt Sergeant William James dessen Position und irritiert seine Mitkämpfer durch totale Missachtung militärischer Regeln und riskante Aktionen. Ein wenig Menschlichkeit entsteht durch die Freundschaft mit einem kleinen Verkäufer von DVD-Raubkopien. Als der Junge verschwindet, startet James seine eigene Vendetta. Blut, Schweiß und Testosteron liegen in der Luft, die harten Kerle (Jeremy Renner, Anthony Mackle, Guy Pearce) können nicht jede Explosion verhindern und müssen auch mit ansehen, wie ein um Hilfe flehender irakischer Familienvater mit Bombengürtel in die Luft fliegt.
Handwerklich perfekt erkundet Bigelow die Seelenlage von Freiwilligen für den Wahnsinn, die nicht mehr zurechtkommen im normalen amerikanischen Alltag mit Müsliflocken, Frau und Kind und wie William James nach einem Heimaturlaub wieder ins Inferno ziehen, in "a man's world" bevölkert von gebrochenen Existenzen. Basierend auf Drehbuchautor Mark Boals Erfahrungen als "embedded journalist" und Begleiter von Entschärfungskommandos in Bagdad, schockt Bigelow durch Kompromisslosigkeit und eine gefühlsmäßig brisante Mischung aus Angst und Furchtlosigkeit, Omnipotenz und Ohnmacht, Todesgefahr und banaler Routine, dass einem ob der Intensität fast das Herz stehen bleibt, wenn die unruhig-nervöse HD-Kamera von Barry Ackroyd ganz nah rangeht und man sich plötzlich inmitten der Ereignisse wähnt. Die Fragmentierung in Einzelszenen unterbricht manchmal den narrativen Fluss, aber nicht den sezierenden Blick auf die Männer unter extremem Druck, immer wieder ist sie zu spüren, die Faszination von Krieg und Kampf, der sie fast fanatisch erliegen. War is a drug. mk.
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