Dr. Alemán (2008)

Dr. Alemán Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Dr. Alemán: Authentisches und ehrliches Drama über das Leben in den kolumbianischen Favellas.

Der 26-jährige Medizinstudent Marc (August Diehl) absolviert sein praktisches Jahr in der kolumbianischen Großstadt Calis, der Drogenhochburg des Landes. Schon sein erster Tag konfrontiert ihn in der Notaufnahme mit Steckschüssen. Das Projektil, das er entfernt, trägt die Gravur des lokalen Killers “El Juez”. Nachdem ihn seine Gastfamilie der Tür verweist, nimmt ihn die raue Kioskbesitzerin Wanda (Marleyda Soto) auf, die sich um Straßenkinder kümmert.

Ein romantischer Idealist hält sich für unantastbar und weigert sich zu glauben, dass er als “deutscher Doktor” längst verstrickt ist in die alltägliche Gewalt der Straße – mit gefährlichen Folgen in einem authentischen Drama um einen scheiternden Kulturkontakt. Gegenprogramm zu “City of God”.

Schon der erste Tag im Krankenhaus der kolumbianischen Drogenhochburg Calis, wo er sein praktisches Jahr als Arzt absolviert, konfrontiert Medizinstudent Marc mit der hässlichen Seite der Stadt: In der Notaufnahme operiert er Schussverletzungen. Als Marc von seiner Gastfamilie herausgeworfen wird, nimmt ihn Kioskbesitzerin Wanda auf, die sich um die Straßenkinder ihres Viertels kümmert.

Schon der erste Tag seines praktischen Jahres als Arzt im Krankenhaus der kolumbianischen Drogenhochburg Calis konfrontiert den Medizinstudenten Marc mit der hässlichen Seite der Stadt: In der Notaufnahme entfernt er ein Projektil mit der Gravur “J” – dem Zeichen des Killers El Juez, der die Favelas regiert. Als Marc von seiner Gastfamilie hinausgeworfen wird, nimmt ihn die raue Kioskbesitzerin Wanda auf. Bald wird Marc als “der deutsche Doktor” in Siloé bekannt, will aber nicht wahrhaben, dass er und Wanda längst im Visier des Killers sind.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der deutsche Film von Regisseur Tom Schreiber ist eine ungemein spannende und authentisch wirkende Studie über einen Romantiker in der Fremde. Der angehende Mediziner Marc ist aus seinem behüteten und vorgeplanten Leben in einer gutsituierten Frankfurter Arztfamilie ausgebrochen, um den gefährlichen Duft von Freiheit und Abenteuer zu schnuppern. Dafür hat er sich ausgerechnet die kolumbianische Kriminellenhochburg Cali ausgesucht, in einer Mischung aus Helfersyndrom und Erlebnishunger.

    In Kolumbien wird Marc ins kalte Wasser geworfen und muss einem Patienten eine Kugel herausoperieren. Sein Chef ist zufrieden mit Marcs Leistung, und die Arbeit in der Notaufnahme beginnt ihm Spaß zu machen. Aber Marc will seine Abende nicht bei der langweiligen Gastfamilie verbringen, die vor dem Fernseher einschläft, sondern in das wahre Leben in Cali eintauchen: Er geht, gegen alle guten Ratschläge, zu Fuß in das Armenviertel Siloé, wo er am Kiosk von Wanda Kontakte knüpft.

    Der Film bezieht seine enorme Spannung aus dem Wechsel der verschiedenen Milieus: Szenen im Krankenhaus werden gegen Begegnungen in Siloé und die unbeholfenen Gespräche am Frühstückstisch der Gastfamilie geschnitten. Immer bleibt Marc der Fremde, der sich nach Kontakten sehnt und von den teilweise verstörenden Eindrücken fast überwältigt wird. In dieser Einsamkeit beginnt er, Wandas Kiosk mit den vielen Jugendlichen als Ersatzfamilie zu betrachten.

    August Diehl versetzt sich mühelos in den Sozialromantiker Marc, der permanent zu glauben scheint, mit seiner pazifistischen Sehnsucht so etwas wie einen Hauch Moderne in das Armenviertel bringen zu können. Im Krankenhaus konfrontiert er seinen Chef mit der Ansicht, lieber die Armen als die Privilegierten behandeln zu wollen. Vor allem aber lehnt er das Milieu seiner Kollegen, die am Pool entspannen oder Tennis spielen, bis zur Verbohrtheit ab.

    Ein guter Soundtrack verstärkt das Lokalkolorit der an vielfältigen Eindrücken ohnehin reichen Szenen. Viel mehr als Marc selbst gewinnen die Zuschauer in den einzelnen Begegnungen eine Ahnung von der Gefahr, in der der Träumer schwebt. Beim Koksen und Fußballspiel mit den Straßenjungs wirkt er wie eine lebende Zielscheibe. Die letzte halbe Stunde des Films taucht dann etwas zu tief in die romantischen Abgründe des scheiternden Helden ein und driftet in einen dramatisch überhöhten Albtraum ab – schade und völlig unnötig.

    Fazit: Realistisch, spannend, abenteuerlich: Ein deutscher Medizinstudent sucht in Kolumbien das wahre Leben und begreift die Spielregeln nicht.
  • Einen Kontrapunkt zum frenetischen “City of God” bildet Tom Schreibers realitätsnahe Studie eines scheiternden Kulturkontakts, bei dem ein deutscher Medizinstudent das tödliche Gesetz der kolumbianischen Straße kennen lernt.

    Schreibers Blick wendet sich in die Ferne südamerikanischer Citys, wo Gangster wie Götter über die selbst erschaffene Unterwelt herrschen, oder gleich Elitetruppen im Search&Destroy-Modus unerklärte Kriege vom Zaun brechen (“Tropa de Elite”). Deren reißerischen Ansatz unterläuft der 40-jährige Kölner mit einem vollkommen authentischen Drama, das Alltag, Verhalten und Milieu mit dokumentarischer Ehrlichkeit erfasst, die darüber hinaus nicht zur Pose verkommt.

    Schon der erste Tag im Krankenhaus der Drogenhochburg Calis, wo er sein praktisches Jahr als Arzt absolviert, konfrontiert den 26-jährigen Medizinstudenten Marc (August Diehl) mit der hässlichen Seite der Stadt: In der Notaufnahme operiert er Steckschüsse und entfernt ein Projektil mit der Gravur “J” – dem Zeichen von El Juez, einem gefürchteten Killer, der die Favelas regiert. Als Marc von seiner Gastfamilie herausgeworfen wird, nimmt ihn die raue Kioskbesitzerin Wanda (Marleyda Soto) auf, die sich um Straßenkinder ihres Viertels kümmert. Bald wird Marc als “der deutsche Doktor” in Siloé bekannt, will aber nicht wahrhaben, welch gefährliches Pflaster das Elendsviertel ist – er und Wanda sind längst im Visier des Killers.

    Das könnte nun zu einer reichlich klischeehaften Kolportage verkommen, aber Schreiber hat anderes im Sinn: Ihm gelingt das Kunststück, eine dichte Milieu- und Charakterstudie über einen rätselhaften Abenteurer zu formen, der dem Reiz der Fremde erliegt und ohne Berührungsängste Vollkontakt mit der einheimischen Bevölkerung aufnimmt. Er spiel Straßenfußball mit Kriminellen, verliebt sich in Wanda, schnupft Kokain von einer Jugendgang und glaubt bei all dem, über den Verhältnissen zu stehen. Dass er – schon als Drogenkonsument – bereits verstrickt ist (à la “Traffic”), will ihm nicht in den Sinn. Es ist erstaunlich, wie unerschütterlich naiv Marc seine gedankenlosen Abenteuer erlebt, ohne aus ihnen zu lernen: Er rechnet nicht mit den Konsequenzen, die sein Verhalten bedingt. Das gibt dem stark gespielten Drama, neben dem zuverlässigen Diehl treten vier kolumbianische Theaterschauspieler und einige Amateure auf, eine permanent unterschwellige Spannung und die Aura eines tragischen Scheiterns. tk.

Darsteller und Crew

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