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Erneut befasst sich ein aufwändiger und fast verschwenderisch gut besetzter Dreiteiler mit dem Untergang der DDR. Vermutlich ist es gar nicht so einfach, rund um die friedliche DDR-Revolution im Jahr 1989 noch Themen zu finden, die nicht bereits in Filmen und Serien aufgearbeitet worden sind. Die ARD hat mit den vier Staffeln der Grimme-preisgekrönten Serie „Weissensee“ über das letzte Jahrzehnt der DDR ohnehin fast...

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Kritikerrezensionen

  • Erneut befasst sich ein aufwändiger und fast verschwenderisch gut besetzter Dreiteiler mit dem Untergang der DDR.

    Vermutlich ist es gar nicht so einfach, rund um die friedliche DDR-Revolution im Jahr 1989 noch Themen zu finden, die nicht bereits in Filmen und Serien aufgearbeitet worden sind. Die ARD hat mit den vier Staffeln der Grimme-preisgekrönten Serie „Weissensee“ über das letzte Jahrzehnt der DDR ohnehin fast alle nur denkbaren Facetten berücksichtigt. Der dreiteilige Fernsehfilm „Preis der Freiheit“ ist gewissermaßen das „Weissensee“-Pendant des ZDF, denn auch hier steht eine Familie im Zentrum. Barbara Auer, Nadja Uhl und Nicolette Krebitz spielen drei Schwestern, die verschiedene Schicksale repräsentieren: die eine systemtreu, die zweite kritisch, die dritte ist in den Westen geflohen. Allerdings füllt das Drehbuch, an dem mit Michael Klette, Charlotte Wetzel, Produzentin Gabriele Sperl und Regisseur Michael Krummenacher gleich vier Autorinnen und Autoren beteiligt waren, diese Prototypen auf interessante Weise mit Leben.

    Margot (Auer), die älteste, gehört zum „Roten Adel“: Sie ist im Ministerium für Außenhandel einer der wichtigsten Köpfe der für die Beschaffung von Devisen zuständigen Kommerziellen Koordinierung. Leiter dieser Einrichtung war Alexander Schalck-Golodkowski (im Film von Thomas Thieme verkörpert). Margot weiß ebenso wie der „KoKo“-Chef, dass die DDR vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Gemeinsam versuchen sie zu retten, was im Grunde nicht mehr zu retten ist. Derweil wird Buchhändlerin Lotte (Nadja Uhl) Mitglied einer Umweltbewegung. Ausgerechnet ihr Sohn schließt sich dagegen einer Gruppe von Neo-Nazis an. Silvia (Nicolette Krebitz), die jüngste, ist angeblich als junge Frau bei einem Unfall gestorben, in Wirklichkeit jedoch mit Margots Hilfe geflüchtet; ihre beiden Kinder sind bei der Schwester aufgewachsen. Silvia heißt heute Ina, ist beim Ministerium für innerdeutsche Beziehungen für den Freikauf ostdeutscher Häftlinge zuständig und eine erbitterte Feindin der DDR. Tragische Figur der Geschichte ist Margots Mann (Joachim Król), der aus Loyalität zur Gattin viel zu lange beide Augen zudrückt.

    Rund um die drei zentralen Figuren entwickelt das Drehbuch eine Vielzahl von Geschichten. Rückgrat der Handlung ist jedoch die Arbeit der Kommerziellen Koordinierung, zumal der neue Mitarbeiter Markus (Jonathan Berlin) als Erzähler fungiert. Da die Mauer für die Koko-Leute kein Hindernis ist, tummelt er sich regelmäßig mit Margots Vertrautem Ilja im Westen. Oliver Masucci verkörpert diesen Mann, der ohne Skrupel BRD-Giftmüll im- und Waffen in Krisengebiete exportiert, als Abenteurer und Grenzgänger. Der junge Jonathan Berlin wiederum ist nicht nur ein ausgezeichneter Erzähler; er war schon in der Lutz-Seiler-Verfilmung „Kruso“ ganz vorzüglich und beweist hier erneut sein besonderes Talent.

    Angesichts der Komplexität der Handlung ist selbst die Gesamtlänge von knapp 300 Minuten im Grunde zu kurz. Dank einer geradezu verschwenderisch namhaften Besetzung verliert man allerdings nie den Überblick. Eine ungewohnt ernste Rolle hat zum Beispiel Milan Peschel als Vorsitzender der Staatlichen Planungskommission, der als „Saboteur“ abgestempelt wurde, als er im Politbüro auf die Zahlungsunfähigkeit der DDR hinwies. Die wichtigste Personalie des Projekts ist jedoch die Frau im Hintergrund. Gabriela Sperl wollte „die tiefen emotionalen, wirtschaftlichen und ideologischen Gräben zeigen, die einer wirklichen Annäherung zwischen Ost und West immer noch entgegenstehen.“ Im Vergleich zur imposanten Filmografie der Produzentin ist der Regisseur fast ein unbeschriebenes Blatt; immerhin hat der Schweizer Michael Krummenacher mit „8 Tage“ (Sky) für eine der spannendsten Serien dieses Jahres gesorgt. tpg.

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