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Filmhandlung und Hintergrund

Historischer Zweiteiler vom Untergang der Belle Epoque.

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Das Sacher. In bester Gesellschaft

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Sacher. In bester Gesellschaft: Historischer Zweiteiler vom Untergang der Belle Epoque.

    „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ - Der verschwenderisch besetzte ZDF-Zweiteiler erzählt vom Ende der K.u.k.-Monarchie

    Das Rezept hat vor vier Jahren schon einmal perfekt funktioniert: ein Hotel als Dreh- und Angelpunkt für einen historischen Mehrteiler über mehrere Menschen und die Zeit, in der sie leben. Einen „Jahrhundertroman“ hat das ZDF damals die mit Stars gespickte Familiensaga „Das Adlon“ genannt. „Das Sacher“ muss sich nun zwar mit dem Prädikat „Ein Fernsehroman“ begnügen, aber das hat keinerlei qualitative Gründe: Die Handlung erstreckt sich nur über knapp drei Jahrzehnte. Das Drehbuch stammt erneut von Rodica Döhnert, die sich diesmal an Goethes „Wahlverwandtschaften“ orientiert hat. Zentrale Figuren ihrer Geschichte über den Untergang der kaiserlich-königlichen Monarchie Österreich-Ungarn sind zwei Paare, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im weltberühmten Wiener Hotel Sacher über den Weg laufen: Die junge Ungarin Konstanze (Josefine Preuß) ist kürzlich mit dem Habsburger Hans Georg von Traunstein (Laurence Rupp) verheiratet worden, träumt im Stillen aber von einem völlig anderen Dasein und fühlt sich daher zur Berlinerin Martha Adelheid (Julia Koschitz) hingezogen, die an der Seite ihres Mannes Maximilian (Florian Stetter) das Leben einer selbstständigen Frau führt. Die beiden haben gemeinsam einen Verlag gegründet. Es zeigt sich, dass die heimlich schreibende Konstanze eine begabte Autorin ist; ihre Romane unter einem Pseudonym veröffentlichten Romane werden zu Bestsellern. Zusätzlich zur Freundschaft der beiden ungleichen Frauen entwickelt sich über Kreuz eine Faszination zwischen den Paaren, der aber nur Max und Konstanze nachgeben.

    Dieses Beziehungsgeflecht ist jedoch nur die emotionale Basis des Films. Das Drehbuch besteht aus einer Vielzahl von Handlungssträngen, die Döhnert dank des Hotels, in das die Handlung immer wieder zurückkehrt, nicht etwa miteinander verknotet, sondern kunstvoll miteinander verwebt werden. Anna Sacher, die nach dem Tod ihres Mannes gegen verschiedene Widerstände die Leitung des Hotels übernimmt, ist daher die dritte starke weibliche Hauptfigur, und ähnlich wie Preuß und Koschitz ist auch Ursula Strauss eine ausgezeichnete Besetzung. Wie eine Spinne in ihrem Netz knüpft Anna Sacher, Zigarren paffend, Verbindungen zwischen ihren Gästen. Auf diese Weise weitet Döhnert geschickt den Blick, denn da sich im Sacher sämtliche Honoratioren die Klinke in die Hand geben, wird hier auch die Politik gemacht, die die Zeitläufte bestimmt: Zu Beginn des neuen Jahrhunderts wird die Kluft zwischen Tradition und Moderne immer größer; der Untergang der Belle Epoque beginnt.

    Natürlich ist die Idee, Historie herunterzubrechen auf die Menschen, die sie erleben, nicht neu, aber Döhnert ist das ausgezeichnet gelungen: weil sich die Erzählebenen mit den beiden Paaren und die Geschichte der Zeit immer wieder gegenseitig durchdringen. Dafür sorgt nicht zuletzt die fast schon verschwenderisch namhafte Besetzung der Nebenfiguren, die natürlich auch beweist, wie prestigeträchtig diese Koproduktion von ZDF und ORF ist; die Liste der etablierten Schauspieler umfasst eineinhalb Dutzend Namen, zu den denen auch Peter Simonischek, Dietmar Bär und Joachim Król gehören. Robert Palfrader führt als Portier und Erzähler durch den Zweiteiler. Regie führte Robert Dornhelm. Der Österreicher hat sich in den letzten 15 Jahren in Amerika einen Namen als Spezialist für historische TV-Produktionen gemacht. Die letzten Jahre der K.u.k-Monarchie kennt er bereits aus seinen beiden „Kronprinz Rudolf„-Dramen. Auch „Das Sacher“ schwelgt in großer Ausstattung. Schon der verstörende Auftakt verdeutlicht jedoch, dass Döhnert und Dornhelm mehr als bloß ein Kostümfilm vorschwebte. Ganz herausragend ist ein von Kameramann Marcus Kanter im expressionistischen deutschen Stummfilmstil gestalteter Handlungsstrang, in dem sich das historische Drama zeitweise zum Horrorthriller wandelt: Ein Mädchen, das von Zeit zu Zeit im Sacher putzt und sich später als uneheliche Tochter Hans Georgs entpuppt, wird nachts entführt, doch es landet nicht wie geplant in einem Bordell, weil es vom Notenwart (Simon Schwarz) der nahen Oper gerettet wird. Der Mann hält sie fortan viele Jahre lang wie eine Mischung aus Gefangener und Tochter bei sich im Keller; die Parallelen zum Schicksal von Natascha Kampusch werden kein Zufall sein. Die kunstvoll düsteren Unterweltbilder sind überwiegend in Schwarzweiß gehalten und bilden einen kräftigen Kontrast zum Luxus der reich kostümierten Oberwelt, auf deren Mitglieder Marie (Jasna Fritzi Bauer) nur bei Opernaufführungen einen Blick erhascht. Als sie ihr Gefängnis Jahre später verlässt und die Familie von Traunstein in große Turbulenzen stürzt, ist dies der Anfang vom Ende der herrschenden Klasse, die Europa in einen ersten vernichtenden Weltkrieg führt. tpg.

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