Filmhandlung und Hintergrund

In einem Neubaugebiet angesiedelte Science-Fiction-Mär zwischen psychologischem Thriller, Liebesfilm und Gesellschaftskritik.

Neustadt ist eine futuristische, autarke und selbsterhaltende Siedlung am Stadtrand. Hinter diesen Betonfassaden arbeitet Hannah (Brigitte Hobmeier) als Telefonistin und lebt in einer unglücklichen Beziehung mit dem gewalttätigen Branco (Xaver Hutter). Als Yoon, eine junge Frau, sich aus dem elften Stock stürzt, zieht Hannah in die Wohnung der Selbstmörderin. Doch damit beginnt für sie ein Alptraum - sie wird überwacht, von ihrem Freund ausspioniert und hat Visionen.

Gleichnishafter psychologischer Thriller, der mit einer Liebesgeschichte einhergeht und in einer zeit- und ortlosen Zukunft spielt. Der Österreicher Christian Frosch („K.af.ka Fragment„) sorgt für rätselhafte Atmosphäre, bedrohliche Erinnerungslücken sowie subtile Gesellschaftskritik.

Hannah lebt im komplett überwachten Neustadt, für die als „eine neue Stadt für neue Menschen“ geworben wird. Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund Branco und flüchtet ins Apartment einer Selbstmörderin. Da verschwinden Freunde von ihr, später auch ihr Ehemann. Sie wird zur Hauptverdächtigen und droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht ihre geheimnisvolle Anna, die sich gegen das System auflehnt.

Die Angestellte Hannah lebt in der Wiener Wohnhausanlage Neustadt. Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund und zieht schließlich, gedrängt von einer Kollegin, ins Apartment der Selbstmörderin Yoon. Da setzt ein neuer Alptraum ein - sie wird überwacht, Freunde von ihr verschwinden, dann ist auch ihr Ehemann plötzlich weg. Sie wird zur Hauptverdächtigen, droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht ihre geheimnisvolle Freundin Anna, die sich gegen das System und seine allgegenwärtigen Kontrollmechanismen auflehnt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die weißen Lilien sind schön, rein, unschuldig: und sie künden vom Tod; rotes Blut auf weißer Blüte. Eine Metapher ist das, die den ganzen Film umspannt, klar und deutlich und zugleich uneindeutig und unbestimmbar. Wie auch der ganze Film eine faszinierende Atmosphäre von Verstörung erschafft, Rätsel aufbaut, die unlösbar sind, sich mehr und mehr dem Konkreten verweigert, um sich ganz ins Mehrdeutige hineinfallen zu lassen.

      Ein Science-Fiction-Film ist das, eine Dystopie in der Nachfolge von Huxley und Orwell (und wohl auch ein bisschen von Gilliams „Brazil“); ein Paranoia-Thriller, der die Grenzen zwischen Imagination und Realität auflöst; und ein Film, der immer wieder die Versatzstücke des Horrorgenres einflicht, die Wohnung einer Selbstmörderin, deren Wahnsinn sich auf die Hauptfigur zu übertragen scheint, labyrinthische Gänge in einem bösen Haus, Flüstern, Todesvisionen, am Ende gar die Identitätsverwandlung à la Lynch.

      Neustadt, die moderne Wohnanlage mit den funktionellen Hochhäusern, ist sicher. Absolut sicher. So sicher, dass man die Unterdrückung gar nicht mehr merkt, die hier als Service, als Dienstleistung von oben nach unten anerkannt ist. Freiheit gibt es nur noch im Kopf, und auch der scheint mehr und mehr verrückt zu spielen. Oder legt der Wahnsinn vielleicht doch im System? In einem System, das die totale Sicherheit verspricht – doch wenn der authentifizierte und verifizierte Ehemann Hannah vergewaltigt, hört niemand die Schreie.

      Imagination, Halluzination, Erinnerung, Realitätseindrücke verschwimmen, mit Hannah im Mittelpunkt, um die sich alle Kreise ziehen. Ihr Ehemann ist verschwunden, ein Videoband zeigt, wie sie die Leiche verscharrt – reales Geschehen oder eine Fälschung? Hat Hannah Erinnerungslücken, verdrängt sie Unangenehmes, oder arbeitet der Detektiv, der ihr Liebhaber ist, gegen sie? Und stimmt der Eindruck, dass es in Neustadt eine Verschwörung der oberen Etage gegen die höchste Etage gibt? Welche Rolle spielt die mysteriöse Alte, die Sicherheits-Kampfkunstkurse gibt und da auftaucht, wo sie nicht hingehört? Und Anna, die ganz oben im Wohnblock wohnt: ist sie eine Anführerin der unteren sozialen Schichten? Und wird sie deshalb aus dem Weg geschafft? Und im Hintergrund immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen denen, die Kinder haben, und denen, die Hunde besitzen dürfen…

      Fast experimentell hat Regisseur Christian Frosch seinen Film vollgepackt mit Mosaikelementen, die der Zuschauer zusammensetzen muss; bis sich das Zerrbild einer gesättigten, dekadenten, kalten Gesellschaft ergibt mit ein paar wenigen Bedürfnissen, wie sie sich ein heutiger auf Sicherheit bedachter Innenpolitiker nur wünschen kann. Visuell, vor allem architektonisch eindrucksvoll ist dies einer der seltenen Filme, in denen die Originalität der Bilder mit der Originalität des Inhalts zusammenpasst – eine Verbindung, die vielleicht nur funktioniert, wenn man den Film so überlädt, wie Frosch es tut, mit Paranoia, Verschwörung, Angst, Wahnsinn, Traum, Krimi, Zukunftsvision, sozialem Kampf etc. pp. Weil vielleicht nur, wenn es genügen Puzzlestücke gibt, sich ein Gesamtbild zusammenfügen lässt.

      Fazit: Visuell eindrucksvoll beschreibt der Film die absolute sichere Stadt der Zukunft, in der nur eines sicher ist: dass nichts als gesichert angenommen werden kann. Wahnsinn und Wahrheit geben sich die Hand.
    2. Weiße Lilien: In einem Neubaugebiet angesiedelte Science-Fiction-Mär zwischen psychologischem Thriller, Liebesfilm und Gesellschaftskritik.

      Science-Fiction-Mär, psychologischer Thriller und Liebesfilm - Christian Frosch zollt Martin Gropius und David Lynch Tribut und übt gleichzeitig subtile Gesellschaftskritik.

      „Beruhigen Sie sich“ sagt ein Arzt zu Beginn von „Weiße Lilien“, „sie werden jetzt schlafen, Hannah.“ Womit die Möglichkeit eröffnet ist, diesen Film als Traum zu deuten. Und dass Titel und Namen der Schauspieler im Vorspann zunächst spiegelverkehrt erscheinen, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass hier vielleicht nichts ist wie es scheint, dass es um reverse Personen gehen wird. Ein weiteres Indiz: der Name Hannah, ein Palindrom. Später wird auch noch eine Anna auftauchen. Auf der Leinwand öffnet sich eine Philip-K.-Dick-Welt: Eine Frau mit weißen Lilien wandelt somnambul durch eine Partygesellschaft auf einem Dach hoch über der Stadt. Blut tropft auf die makellosen Blüten. Eine schwarze Jazzerin (Carole Alston Bukowsky) singt von „twisted patterns“, ein Mann im Rollstuhl gleitet durch den Raum, eine alte Frau versucht vergeblich, ihre (?) Haustür zu öffnen, eine junge Japanerin blickt über „Neustadt“.

      „Neustadt“ lautete auch der Arbeitstitel von Christian Froschs („K.af.ka fragment“) zwischen Science-Fiction-Mär und Verschwörungsthriller angelegte Arbeit, die stark von ihrem uniformen Schauplatz lebt. Gedreht wurde im Wiener Wohnpark Alt-Erlaa, der größten nicht-kommunalen Wohnhausanlage Österreichs. 50.000 Menschen, so erläutert ein smarter Verkäufer, wohnen hier in 25.000 Wohneinheiten: „Eine neue Stadt für neue Menschen, die sichere Stadt in einer immer unsichereren Welt.“ Dass es aber Wasserrationalisierungen gibt, Banden, die ihr Unwesen treiben, und die wenigen Grünflächen heftig umkämpft sind - Hundebesitzer gegen spielende Kinder heißt es hier -, wird von „Wagner-TV“, verlängerter Arm des allwissenden „Sicherheitssystems“ der Enklave, verschwiegen. Denn: „Wir bemühen uns für Sie…“

      Ein Rad in diesem futuristischen Getriebe ist die kleine Angestellte Hannah (Brigitte Hobmeier). Sie leidet unter ihrem gewalttätigen Freund Branco (Xaver Hutter) und zieht schließlich, gedrängt von einer Kollegin, ins Apartment der Selbstmörderin Yoon. Da setzt ein neuer Alptraum für sie ein - sie wird überwacht, Freunde von ihr verschwinden, und dann ist auch ihr Ehemann plötzlich weg. Sie mutiert zur Hauptverdächtigen, droht den Verstand zu verlieren, wäre da nicht Anna (Johanna Wokalek), ihre geheimnisvolle Freundin, die sich gegen das System und seine allgegenwärtigen Kontrollmechanismen auflehnt.

      Gleichnishaft, formal überaus streng, legt der österreichische Regisseur sein psychologisches Vexierspiel an, das in den Kunstwelten eines Martin Gropius spielt und den cineastischen Alpträumen eines David Lynch verpflichtet ist. Kalt, monochrom und klar sind Busso von Müllers Bilder, jede Szene, jede Einstellung präsentiert sich bis ins letzte Detail durchkomponiert. Nirgends ein Hauch von Freiheit. Hängt die Welt am Draht, sind ihre Bewohner Marionetten? Wer weiß. Nur eins ist sicher: Big Brother is watching. Hier erdet sich Froschs vieldeutige, eisige Parabel - und alle Hoffnung schwindet. geh .

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