Timm Thaler oder das verkaufte Lachen Poster

„Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Unterstützt von einer Riege toller deutscher Stars macht sich Andreas Dresen höchst erfolgreich an eine Runderneuerung des TV-Klassikers von 1979.

Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ machte den damals 14-jährigen Thomas „Tommi“ Ohrner 1979 zum Star. Als erste Weihnachtsserie des ZDF wurde die 13-teilige TV-Reihe zum Pflichttemin für Millionen Zuschauer. Ein höchst lohnender noch dazu: Denn die Verfilmung des Romans von James Krüss war für damalige Zeiten äußerst aufwendig produziert, toll besetzt – kein Wunder, dass das TV-Event zu Zeiten, als der Begriff noch nicht erfunden war, eine riesige Schar von Fans für sich gewinnen konnte, die es teils heute noch warm im Herzen tragen.

Die Geschichte über den Jungen mit dem unwiderstehlichen Lachen, der seine Gabe an den sinistren Baron de Lefouet verkauft, war damals magisch. Und ist es – Gott sei’s gedankt – in der neuen Kino-Version von Andreas Dresen nicht minder. Dem eigentlich für Dramen wie „Als wir träumten“ und „Halt auf freier Strecke“ bekannten Regisseur gelingt es, in seiner Fassung zwar dramaturgisch ordentlich zu entrümpeln, Charme und Faszination des Originals aber weitgehend beizubehalten – und dem Stoff dennoch seinen ganz eigenen, frischen Stempel aufzudrücken.

Tolle Stars aus Deutschland

Dabei hilft natürlich das exzellente Ensemble deutscher Stars, die der Filmemacher für sein gewagtes Projekt einer Klassiker-Renovierung gewinnen konnte: Allen voran Jungdarsteller Arved Friese, der einen wunderbaren Timm Thaler abgibt – mit und ohne Lachen. Auch Justus von Dohnanyi ist ein wirklich finsterer Gegenspieler. Selbst, wenn er sich mit der eiskalten Aura eines Horst Frank von ehedem nicht messen kann oder will – was in Anbetracht einer Altersfreigabe von 0 Jahren vielleicht auch kein Schaden ist.

Hinzu kommen etliche hiesige Hochkaräter wie Charly Hübner, Bjarne Mädel, Axel Prahl, Fritzi Haberlandt, Nadja Uhl, bis hin zu Harald Schmidt – alles erprobte Mimen, die ihren guten Ruf als rollentechnisch „sichere Bank“ wieder einmal problemlos bestätigen können. Ja sogar Thomas Ohrner ist in einer kleinen Rolle zu sehen. Eine Geste, die wohl als kleine Verbeugung vor dem Original zu verstehen ist – und der man ihren Charme nicht absprechen kann.

Zeitlos aber doch rasant

Insgesamt ist die runderneuerte Variante deutlich frischer, rasanter – und dazu weit witziger ausgefallen, als das Original. Das hilft sicher, auch jüngere Zielgruppen für die Erzählung zu begeistern, bei der Timm sein Lachen in einer Lebenskrise erst als wertlos erachtet – um später zu versuchen, es mit Unterstützung seine Freunde unbedingt zurückzuerobern. Denn seine dafür eingetauschte Fähigkeit, jede Wette zu gewinnen, entpuppt sich zwar als höchst lukrativ. Das Seelenheil eines Kindes verlangt jedoch letzten Endes eher nach Freude als nach einem gewaltigen Vermögen. Also muss das Ganze wieder in Ordnung gebracht werde.

Gut, wenn man dann Freunde sein eigen nennt, die immer noch zu einem halten – selbst, wenn man sie in der Vergangenheit nicht gerade mit ausufernder Freundlichkeit überschüttet hat. Letztlich also ein zeitloses Thema, das James Krüss – und in der Verlängerung Andreas Dresen hier verarbeiten. Vielleicht einer der Gründe, wieso Letzterer seine Verfilmung in einer leicht surrealen Zeit- und Realitäts-Ebene angesiedelt hat, die am ehesten dem Berlin der 20er Jahre entspricht – trotz etlicher Anachronismen, die für zusätzlichen Reiz und Gelächter sorgen.

Perfektes Kinoerlebnis für die Familie

Spaß, Spannung, Charme, Faszination – und für Ältere sogar noch ein emotionales Echo aus der Vergangenheit:  „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ hat auch in der neuen Kinofassung sehr viel zu bieten. Sogar einen Schuss Gesellschaftskritik, wenn man genau hinhört. Vor allem aber 102 Minuten, die mit der ganzen Familie im Kino nicht viel unterhaltsamer verbracht werden könnten. Auch, weil man diesmal eben nicht hinterher griesgrämig murmeln kann, dass „früher alles besser“ gewesen sei. Ganz im Gegenteil.