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Filmhandlung und Hintergrund

The Tree: Gefühlvolles Drama um Mutter und Tochter, die um den Mann bzw. Vater trauern. Abschlussfilm des Festival de Cannes 2010.

Nach dem Tod ihres Vaters teilt sich die achtjährige Simone ein Geheimnis mit ihrer Mutter Dawn und später auch mit ihren drei Brüdern: Sie können die Stimme des Vaters durch die Blätter eines prächtigen Baumes im Garten ihres Hauses hören. Simone ist überzeugt, dass es seine Art ist, ihnen zu zeigen, dass er sie weiterhin beschützt. Doch dann beginnt Dawn einen neuen Mann zu sehen. Simone kann Georges nicht ausstehen und zieht in das Baumhaus. Doch Dawn ist nicht bereit, mit anzusehen, wie der Baum nach und nach versucht, sich ihrer Familie zu bemächtigen.

Nach dem Tod des Vaters glauben die achtjährige Simone und ihre Mutter Dawn (Charlotte Gainsbourg), seine Stimme aus einem Baum in ihrem Garten zu hören. Einfühlsames Familiendrama der Australierin Julie Bertucelli.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Charlotte Gainsbourg muss das ganze Spektrum der Gefühle ausleben in diesem Film: Wut und Zorn, Trauer und Depression, Glück und Liebe, Mitgefühl und Fürsorge. Sie spielt Dawn, junge Witwe nach dem Tod ihres Ehemannes, die nun allein mit ihren vier Kindern zurechtkommen muss, in einem neuen, leereren Leben. Gainsbourg ist perfekt in dieser Rolle, sie füllt sie voll aus – und doch steht sie nicht im Mittelpunkt dieses Films. Nicht schauspielerisch – denn in dieser Hinsicht ist Morgana Davies als achtjährige Tochter Simone eine Entdeckung, die ihre Trauer in Glück, das Fehlen des Vaters in den Trost durch ihren Freund, den Baum, verwandeln kann. Und dieser Baum: er ist das handlungsdramaturgische Zentrum, um ihn dreht sich alles, ein riesiger Feigenbaum, der imposant das hölzerne Haus von Dawn und ihrer Familie dominiert. Im Abspann sind die Baum-Scouts aufgelistet, acht, neun, zehn Personen, die auf der Suche waren nach dem perfekten Baum; einer hat ihn gefunden, und im Grunde ist ihm dieser Film zu verdanken.

    Der Baum: in ihn projiziert Simone ihre Trauer, in ihm sieht sie die Seele des verstorbenen Vaters lebendig gehalten. Der Vater, der nicht mehr da ist: er ist die Leerstelle, der Gegenpol zum enormen Feigenbaum. Zu Anfang sieht man ihn im Alltag, liebevoll mit der Familie, bei harter Arbeit als Truckfahrer; und wenn man weiß, worum es im Film geht, ist jeder Moment spannungsgeladen, jederzeit kann ihm etwas geschehen: beim Transport eines riesigen Hauses auf der Ladefläche des LKWs; beim Autofahren; wenn da ein Zug heranbraust, über eine Brücke, darunter versteckt die Tochter Simone… Dann endet dieser Prolog unspektakulär, sein Auto rollt gegen den Baum, darin der Vater tot, Herzinfarkt, und Monate später ist dieser Verlust noch nicht bewältigt.

    Die Mutter in Trauer vernachlässigt die Familie, sich selbst, der älteste Sohn sieht sich als Vaterersatz, gefällt sich in der Rolle, trinkt dessen Whisky, nimmt einen Job an. Der jüngste Sohn hat das Sprechen noch nicht gelernt, der mittlere zieht sich zurück. Simone, die einzige Tochter, hat ihr Geheimnis: im Rauschen der Blätter, im Knarzen des Holzes hört sie ihre Vater, im Baum, und sie beschließt, glücklich zu sein.

    Und tatsächlich suggeriert der Film die Verbindung zwischen Vater und Baum, die Wurzeln greifen aus, zerstören Wasserleitungen, Treppe und Hauswand, so wie der Verlust des Vaters die Familie überwältigt hat, der Baum wird zerstörerisch, so wie die andauernde Trauer, die Isolation und der Verantwortungsverlust Dawn und ihre Familie zu zerstören droht. Einmal bricht ein riesiger Ast ab, durchbricht die Schlafzimmerdecke, liegt in Dawns Bett; und sie schläft bei diesem Ast, unter den Blättern geborgen. Da hat sie schon jemanden kennengelernt, George, sie hat sich leise verliebt, und eine Rivalitätsgeschichte baut sich auf zwischen George und dem Baum, gespiegelt in der Perspektive von Simone. Wenn der Baum fällt, ist der Vater noch einmal gestorben.

    „The Tree“ behandelt die Themen von Verlust und Trauer, Trost und Erlösung, Wiederfinden von Glück auf spannende Weise über diese Viererkonstellation: Baum, Simone, Dawn, George, über die dynamischen Konflikte und Allianzen, Emotionen und Handlungen zwischen ihnen. Und nur die Zerstörung, das kraftvolle Aufbrechen dieser Konstellation kann eine Zukunft bringen.
    Es wurden laut Abspann für diesen Film keine Bäume misshandelt.

    Fazit: Ein großes Trauerdrama, ganz klein gespielt; mit tollen schauspielerischen Leistungen und einem enormen Baum.
  • Feinsinnige Parabel mit einer schauspielerisch herausragenden Charlotte Gainsbourg über den Umgang mit Tod und Trauer vor magischer australischer Weite.

    Eigentlich wollte Julie Bertuccelli “Der Baron auf den Bäumen” von Italo Calvino verfilmen, die Geschichte über einen Baum. Als das nicht klappte, fiel ihr Judy Pascoes Bestseller “Our Father who art in the Tree” in die Hände, der ideale Stoff für ihren zweiten Film angesiedelt zwischen Mystery und Wirklichkeit.

    Im australischen Outback leben Dawn, ihr Mann Peter und die vier Kinder beschaulich inmitten einer grandiosen Natur. Als der Ernährer am Steuer seines Pick-Ups einen Herzinfarkt erleidet und stirbt, ändert sich von einem Tag auf den anderen die Existenz der Familie. Jeder versucht auf seine Weise mit dem Verlust fertig zu werden. Die achtjährige Tochter Simone glaubt ihren Vater in dem riesigen Feigenbaum neben dem Haus und verbringt immer mehr Zeit in den Ästen, hört ihn wispern und raunen, kann nicht loslassen, beobachtet eifersüchtig, wie ihre Mutter nach einer gewissen Zeit zarte Bande zu einem anderen knüpft. Der Baum entwickelt ein unkontrolliertes Eigenleben, die Wurzeln kriechen erst in die Abflussrohre, dann knallt ein Ast ins Schlafzimmer, das knorrige Monstrum bringt das Haus immer mehr in Gefahr. Vor dem Befreiungsschlag und Aufbruch in eine neue, wenn auch ungewisse Zukunft, kündigt sich ein verheerender Sturm an, kommt es zur Kraftprobe zwischen Mensch und Natur, Tochter und Mutter.

    Wenn Seelen aus dem Jenseits ins Diesseits wechseln, drohen leicht Sentiment und Kitsch, eine Hürde, die Bertuccelli sicher überwindet. Ihr geht es um den Prozess des Trauerns und dessen Überwindung. Neben den durchweg guten Schauspielern mit Charlotte Gainsbourg an der Spitze, die sich erst dem Schmerz hingibt, um dann die Gegenwart bewusst anzunehmen, ohne die Vergangenheit zu vergessen, spielt nicht nur der schöne und Angst einflößende Baum eine große Rolle, sondern auch die Weite der australischen Landschaft, eingefangen in magischen Sehnsuchtsbildern von Kameramann Nigel Bluck und immer schon mehr als nur Kulisse, ein Anziehungspunkt für Filmemacher von Peter Weirs “Picknick am Valentinstag” über Ray Lawrences “Lantana” und “Jindabyne” bis hin zu Baz Luhrmans “Australia”. mk.

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