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Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen

  

Filmhandlung und Hintergrund

Der „Islamische Staat“ erobert mehr und mehr den Sonntagskrimi: Ähnlich wie in „Zorn Gottes“ (März 2016, ebenfalls vom NDR) geht es auch in „Borowski und das verlorene Mädchen“ um den Reiz, den der Heilige Krieg auf junge Deutsche ausübt. Zentrale Figur ist diesmal allerdings eine Schülerin, die es gar nicht erwarten kann, einem islamistischen Landsmann in Syrien die Kampfpausen zu versüßen. Für das Krimi-Element...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der „Islamische Staat“ erobert mehr und mehr den Sonntagskrimi: Ähnlich wie in „Zorn Gottes“ (März 2016, ebenfalls vom NDR) geht es auch in „Borowski und das verlorene Mädchen“ um den Reiz, den der Heilige Krieg auf junge Deutsche ausübt.

    Zentrale Figur ist diesmal allerdings eine Schülerin, die es gar nicht erwarten kann, einem islamistischen Landsmann in Syrien die Kampfpausen zu versüßen. Für das Krimi-Element sorgt zunächst jedoch ein Mord: Julia (Mala Emde) ist überzeugt, dass ihr Bruder eine Mitschülerin umbringen will, und alarmiert die Polizei. Die findet jedoch nur eine leere Wohnung; die junge Mutter ist verschwunden und hat ihr Baby der Obhut einer Nachbarin überlassen. Als später ihre Leiche angeschwemmt wird, gerät auch Julia in Verdacht. Sie ist zum Islam konvertiert und verkehrt in einer Moschee, die vom Staatsschutz observiert wird, und jetzt wandelt sich der Film zu einem Krimi mit politischen Motiven: Julia soll als Lockvogel dienen, um an die Mittelsmänner des „IS“ in der Türkei ranzukommen; dass die Schülerin dabei mutmaßlich auf de Strecke bleiben wird, ist dem Leiter der entsprechenden LKA-Abteilung egal.

    Regisseur Raymond Ley hat für Dokudramen wie „Eichmanns Ende“, „Eine mörderische Entscheidung“ oder zuletzt „Meine Tochter Anne Frank“ viele Auszeichnungen bekommen. „Borowski und das verlorene Mädchen“ ist natürlich ein reiner Spielfilm, aber auch die Hybridproduktionen bestanden überwiegend aus prominent besetzten Spielszenen. In den Dokudramen ist die Dramaturgie vorgegeben; der „Tatort“ dagegen muss aus sich selbst heraus Spannung aufbauen. Das gelingt Ley hier nur bedingt, weil die islamistische Ebene ungleich intensiver ist als die eigentliche Mördersuche. Andererseits spiegelt sich die Erleuchtung der immer glühenderen Islam-Novizin Julia keineswegs auch in ihrem Gesicht wider; Ley lässt die schöne Mala Emde, die schon seine Anna Frank war, schließlich wie einen gehirngewaschenen Zombie wirken. Trotzdem kommen (wie auch schon in „Zorn Gottes“) die Motive zu kurz; der Konvertierungsprozess ist weder überzeugend noch nachvollziehbar.

    Fesselnder im Sinn von klassischer Krimispannung sind die Kompetenzstreitigkeiten zwischen Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und dem Kollegen vom Staatsschutz, den Jürgen Prochnow mit gewohnt kernigem Charme versieht; der Mann macht keinen Hehl daraus, dass ihn Einzelschicksale wenig interessieren. Leider treffen die beiden erfahrenen Schauspieler in diesem Film viel zu selten aufeinander. Die wenigen Szenen haben jedoch deutlich mehr Qualität als beispielsweise ein hitziges Gespräch zwischen Julia und ihrer Mutter, das wie ein Bühnenstreit wirkt; trotzdem beweist Mala Emde auch diesmal wieder ihr enormes Talent. Weitaus wirklichkeitsnäher sind die Szenen im Kommissariat, das sich Borowski und seine Kollegen mit Flüchtlingen teilen müssen. Die entsprechenden Szenen haben einen echten Hintergrund: Als Revier dient eine ehemalige Marineschule, die mittlerweile einige hundert Flüchtlinge beherbergt. Auf diese Weise kommt Borowski zu einem eigenen eifrigen kleinen Parkwächter; eine seltene humorvolle Note in diesem ausgesprochen düsteren „Tatort“, der in ein angemessen dramatisches Finale mündet. tpg.

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