St. Pauli Nacht

  1. Ø 0
   1999
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St. Pauli Nacht Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

St. Pauli Nacht: Polaroidartige Kiezimpressionen von Deutschlands Erfolgsregisseur Sönke Wortmann.

Eine Nacht in St. Pauli bis zum frühen Morgen. Ein Reigen von Menschen, die unverhofftes Glück finden, in tiefste Verzweiflung stürzen, enttäuscht oder überrascht werden. Wenn die Sonne aufgeht, werden ein Haus verbrannt, ein Ex-Knacki erschossen, ein aggressiver Pitbull gezähmt sein, wird die Liebe vom Aufbruch künden oder in bitterem Schmerz enden.

St. Pauli bei Nacht: Lebenslust, Erotik und Laster pur. Menschen aller Rassen und Klassen vergnügen sich hier, suchen allabendlich nach dem ultimativen Kick. Und tatsächlich hat die sündigste Meile der Welt stets ein paar Überraschungen parat – Überraschungen, die wie Bomben einschlagen: gnadenlos und unerwartet. Das müssen zum Beispiel der Ex-Knacki Johnny, der Postbote Manfred, das Mittelstands-Ehepaar Ulrike und Peter oder die attraktive Single-Frau Dorit – teilweise überaus schmerzhaft – am eigenen Leibe erfahren…

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Deutschlands Star-Regisseur Sönke Wortmann erzählt mit einem Augenzwinkern Storys vom Kiez, der Welt der gescheiterten Existenzen und denen, die noch nicht wissen, dass sie gescheitert sind. Nur dass seine kleinen netten Episoden im Grunde nichts miteinander zu tun haben und auch nicht wirklich Hamburger Atmosphäre wiederspiegeln. Der Kiez wird auch ungenügend kritisiert, ganz im Gegenteil. Trotz der dargestellten Härten durch den Gangster Brilli, der seinen Mädels auch schon mal die Haare anzündet, wird der Strich eher romantisiert.

    Ganz unterhaltsam kommt Wortmann daher, schafft es aber nicht, zu fesseln. Auch seine Charaktere können nur teilweise überzeugen, was auch an den Darstellern liegt. Zum Beispiel VIVA Moderator Ill-Young Kim in seiner ersten Kinorolle, die er zwar wenigstens nicht mit seiner liebenswerten Nerverei anfüllt, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, bei der er jedoch auch nicht gerade eine Glanzleistung ablegt.

    Klassedarsteller wie Armin Rhode, Axel Milberg und Peter Sattmann hingegen werden größtenteils ignoriert. Besonders die Rolle des sexuell durchgeknallten Käsefabrikanten Wolfgang wäre ausbaufähig gewesen. Peter Sattmann schafft es, die beste Szene im ganzen Film zu liefern, verschwindet dann jedoch so schnell wie er auch gekommen ist wieder im Kiezsumpf. Und die zweitbeste Szene kommt von Heiner Lauterbach, der in einem kurzen Cameo als Taxigast über die Gesellschaft philosophieren darf. Eine kleine Überraschung nebenbei ist Valerie Niehaus, die sich als ehemaliger GZSZ-Star im Kinoformat beweisen darf.

    "St.Pauli nacht" ist zwar der ganz nette Versuch einer deutschen Dramödie, jedoch scheitert Wortmann an seinen eigenen Zielen. Waren seine Erstlingswerke wie "Allein unter Frauen" und "Kleine Haie" nicht gerade deshalb so niveauvoll, weil Wortmann nur unterhalten und nicht anstrengen wollte? Seit dem "Superweib" hat sich das langsam geändert. Weg von der Beziehungskomödie und hin zur anspruchsvollen Comedy-Tragödie.

    Was beim "Campus" noch wunderbar funktionierte, nämlich Witz durch bösesten Sarkasmus zu erzeugen, wird bei "St.Pauli nacht" zum Rohrkrepierer. Wortmanns Situationskomik zündet nicht. In manchen Szenen, etwa wenn Postbote Manfred wild ballernd durch die Straßen zieht, soll die dargestellte Situation so grotesk und bitter sein, dass sie schon wieder zum Lachen anregt. Durch die unzureichende Charakterisierung fühlt man jedoch mit Wortmanns Figuren nicht mit. Dadurch verliert der Film den Wortmann-typischen Charme, den die meisten seiner Filme hatten und wird schnell uninteressant.

    Fazit: Eine zwar relativ unterhaltsamer doch keinesfalls fesselnde Dramödie, die man schnell wieder vergessen haben wird.
  • Ein attraktiv besetzter, inszenatorischer und atmosphärischer Kontrast zum oft von ihm beschrittenen Komödienterritorium gelingt Erfolgsregisseur Sönke Wortmann mit diesem Porträt einer „St.Pauli Nacht“, das angenehm zurückhaltend und platte Theatralik aussparend, im Polaroidstil in die Biografie einer Reihe von Menschen eintaucht, deren individuelle Tragödien und Glücksmomente ein allgemeines Bild vom Kiezleben liefern. Ungeachtet seiner großen kommerziellen Erfolge ist „St. Pauli Nacht“ Sönke Wortmanns lang vermißte Antwort auf „Kleine Haie“, dürfte sich aber ohne die in „Der bewegte Mann“, „Das Superweib“ oder „Der Campus“ gezeigte Annäherung an den breiten Geschmack an der Kasse schwerer tun als diese Hit-Trilogie.

    Wortmanns zweiter Hamburg-Film in Folge, eine vom Autor selbst vorgenommene Adaption von Frank Göhres Roman „St. Pauli Nacht“, beginnt vital und sexy mit Ex-Zuhälter Johnny (Kinotyp: Benno Fürmann), der – aus dem Knast entlassen – mit Freundin Steffi (Doreen Jacobi) ein bürgerliches Leben beginnen will. Gäbe es da nicht eine telefonische Morddrohung und den Kiezpaten Brilli (Christian Redl), der sich von Johnny verpfiffen glaubt. Johnnys Henker aber wird der Zufall sein, der ihn am falschen Ort und zur falschen Zeit auf die Straße schickt, als der mehrfach gedemütigte Postbote Manfred (die stärkste Figur des Films: Armin Rohde) Amok läuft und nicht nur einen Pitbull von den Pfoten holt. Von diesem kleinen Blutbad ausgehend, blendet der Film zurück, liefert Manfreds Motive nach und springt zu anderen Personen über, um auch hier mit einer elliptischen Erzählweise, Entscheidendes zunächst aussparend und später vervollständigend, nach der Liebe in ihren unterschiedlichen Stadien zu fahnden: die zart-romantische Anbahnung (Oliver Stokowski, Valerie Niehaus), die folgende Verbitterung (Axel Milberg, Maruschka Detmers), der traumatische Gefühlsverrat. Als eine Art Reiseführer durch den Lebensreigen und Verbindungsknoten der einzelnen, nicht gleichwertig überzeugenden, aber durchgehend ansehnlichen Episoden funktioniert ein junger Taxifahrer (Viva2-Moderator Ill-Young-Kim fällt von der übrigen, gut disponierten professionellen Besetzung ab), der vom Drehbuch mit dem schwächsten Nebenplot bedacht wird, wenn die attraktive Maruschka Detmers in einem emotional-sexuellen Notstand ihm unbegründet große Aufmerksamkeit schenkt. Mit attraktiven Breitwandbildern und Gespür für Timing und lakonische Zurückhaltung führt Wortmann seine Impressionen zu einem etwas abruptem Ende. Daß diesen, im Unterschied etwa zu Robert Altmans „Short Cuts“, die große dramatische Wucht mit emotionalen Nachwirkungen fehlt, ist nicht in seiner Inszenierung, sondern der Vorlage und den vielen nicht immer gleichwertig interessanten, der kürzeren Laufzeit wegen auch oberflächlicher vorgestellten Figuren und Schicksalen begründet. Ein kleines Manko, das den Zuschauer allerdings kaum beeindrucken dürfte. kob.

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