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Schwarzbrot in Thailand

  

Filmhandlung und Hintergrund

Die Zahl der Fernsehfilme über deutsche Rentner in Südostasien steigt signifikant. Auch „Schwarzbrot in Thailand“ erzählt so eine Geschichte: Ottmar (Veit Stübner) und Tanja (Marie Gruber) übergeben ihre Bäckerei in der Nähe von Hamburg an die Tochter und wandern nach Thailand aus; in Pattaya wollen sie den Lebensabend genießen. Anders als in Tragikomödien wie etwa „Die Diva, Thailand und wir!„, in denen böse...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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5 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Die Zahl der Fernsehfilme über deutsche Rentner in Südostasien steigt signifikant. Auch „Schwarzbrot in Thailand“ erzählt so eine Geschichte:

    Ottmar (Veit Stübner) und Tanja (Marie Gruber) übergeben ihre Bäckerei in der Nähe von Hamburg an die Tochter und wandern nach Thailand aus; in Pattaya wollen sie den Lebensabend genießen. Anders als in Tragikomödien wie etwa „Die Diva, Thailand und wir!„, in denen böse Kinder ihre pflegebedürftigen Eltern ans andere Ende der Welt abschieben, haben sich die Bergers also aus freien Stücken selbst entwurzelt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn nun kommt ein zweites Subgenre des Rentnerfilms in Spiel, das ARD und ZDF in ihren Freitags- und Sonntagstragikomödien schon seit einigen Jahren pflegen: Die Frau möchte endlich jene traute Zweisamkeit nachholen, die dem Paar jahrzehntelang verwehrt war, weil sich das Leben des Mannes nur um die Arbeit drehte; aber sie muss frustriert erkennen, dass er gar keine Lust auf einen gemeinsamen Lebensabend hat.

    „Schwarzbrot in Thailand“ (Buch: Thorsten Näter und Susanna Salonen) füllt diesen bekannten Handlungsrahmen mit einer interessanten Geschichte: Ottmar, Bäcker aus Leidenschaft und viel zu vital, um für den Rest seines Daseins Urlaub zu machen, lernt einen Landsmann kennen, der eine deutsche Bäckerei aufmachen will. Ottmar ist Feuer und Flamme, denkt sich für Tanja eine Ausrede aus und stürzt sich in die Herausforderung, die ihn allerdings geradewegs ins Fiasko führt. Plötzlich steht vor dem Scherbenhaufen seines Lebensabends: Die Ersparnisse sind ebenso weg wie Tanja; und die vermeintlich heitere Rentnerkomödie wandelt sich zum Ehedrama.

    Dieser abrupte Stimmungswechsel etwa in der Mitte des Films ist durchaus mutig. Bis dahin unterscheidet sich die Inszenierung Florian Gärtners („Mongolettes“) kaum von früheren Produktionen der ARD-Tochter Degeto, in denen die unterschiedlichen Erwartungen in die Jahre gekommener Ehepaare aufeinander prallten. Allerdings bietet „Schwarzbrot in Thailand“ angesichts des Schauplatzes erstaunlich wenige Tourismusbilder, obwohl Tanjas Ausflüge dafür reichlich Anlass geboten hätten. Die Kamera bleibt bei Ottmar; Exotik gibt es nur in Form einiger Strandaufnahmen. Gärtner erzählt die Geschichte auch im zumindest tendenziell komödiantischen ersten Teil mit überschaubarem Tempo. Die Scherze sind nicht überschäumend, aber sympathisch: Ottmar sucht in einem Kramladen nach einem Videorecorder, „VHS!“, und der Verkäufer bietet ihm freudestrahlend ein HSV-Trikot an. Die Anzahl der inszenierten Gags ist ebenfalls überschaubar, aber ähnlich amüsant: Die Kamera schwenkt die aufgekratzten Rentner bei der Wassergymnastik ab und endet schließlich beim griesgrämigen Ottmar. Wichtiger als eine aufgesetzte Dynamik war dem Regisseur offenkundig die Arbeit mit den Schauspielern. Sein Film ist beinahe eine Hommage an Marie Gruber und Veit Stübner; beide werden zumeist als „Supporting Actors“ besetzt, die mehr als bloß Stichwortgeber für die Hauptdarsteller sind.

    Der Anspruch des Films wird auch beim Umgang mit der Sprache deutlich: Während in den Auslandsfilmen der Degeto sonst sämtliche Beteiligten derart gut deutsch können, als hätten sie mindestens das Gymnasium besucht, dürfen die Einheimischen hier thailändisch reden. Davon abgesehen muss man den Verantwortlichen ja schon dankbar sein, dass Gärtner den Film nicht mit Ottmars Absturz beginnt und die Geschichte dann als Rückblende erzählt. tpg.

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