Polizeiruf 110: Schuld

  

Filmhandlung und Hintergrund

Dieser Krimi ist ein halbes Heimatdrama und zunächst vor allem juristisch spannend.

Seit einem Mordfall vor zwölf Jahren ist eine Dorfgemeinde aus den Fugen. Lange galt Xaver, ein Freund des Opfers, als Täter, doch beim Prozess wurde er freigesprochen. Als Xaver ihre Schwester heiraten will, lässt die junge Polizistin Anna Burnhauser ohne Wissen ihres Chefs die damalige Tatwaffe erneut auf DNS-Spuren untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig, Anna verhaftet den Mann, muss ihn jedoch wieder laufen lassen: weil man nicht zweimal in derselben Sache angeklagt werden kann. Den Dorfbewohnern ist das egal, sie wollen Blut sehen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Polizeiruf 110: Schuld: Dieser Krimi ist ein halbes Heimatdrama und zunächst vor allem juristisch spannend.

    Im Herbst 2011 hatte sich der Bayerische Rundfunk zu einer Aufsehen erregenden Entscheidung durchgerungen: Der „Polizeiruf“-Krimi „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ wurde aus Gründen des Jugendschutzes erst nach 22 Uhr ausgestrahlt; junge Zuschauer, hieß es damals, biete der Thriller über die hektische Suche nach einer Bombe zu wenig Momente der Entspannung. Boshaft könnte man nun schlussfolgern: Damit so was nicht noch mal passiert, sollte der nächste „Polizeiruf“ vom BR, „Schuld“, Entspannung pur bieten. Tatsächlich sinkt der Spannungspegel im letzten Drittel spürbar, und das ausgerechnet in jener Phase, da die Geschichte eigentlich auf ihren Höhepunkt zusteuern sollte.

    Basis der Handlung (Buch: Stefan Kolditz) ist ein gesetzlicher Grundsatz, der seltsamerweise nur selten Gegenstand von Spielfilmen ist: Wenn ein Urteil juristisch nicht anfechtbar ist, darf einem Beklagten kein zweites Mal der Prozess gemacht werden (lateinisch „Ne bis in idem“, nicht zweimal in derselben Sache). Es sei denn, ein Zeuge kann eines Meineides überführt werden; oder der Verdächtige legt ein Geständnis ab. „Schuld“ ist trotzdem kein Justizthriller, sondern in erster Linie ein Heimatdrama mit Anklängen an „Romeo und Julia“: Eine Dorfgemeinde ist aus den Fugen, seit vor zwölf Jahren ein junger Mann erschlagen worden ist. Lange galt Xaver (Daniel Christensen), ein Freund des Opfers, als Mörder, doch die Tat konnte ihm nie nachgewiesen werden. Nun will er heiraten: Freundin Kati (Barbara Bauer) ist schwanger. Doch Kati hat eine Schwester bei der Polizei: Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm), Polizistin in Ausbildung und junge Kollegin von Hanns von Meuffels (Matthias Brandt), will keinen Mörder zum Schwager. Also lässt sie kurzerhand und ohne Wissen ihres Chefs die Tatwaffe, eine Bierflasche, erneut auf DNS-Spuren untersuchen. Das Ergebnis weist eindeutig auf Xaver, die Verlobungsfeier platzt, und ein Dorf will Blut sehen. Anna verhaftet den Mann, muss ihn aber frustriert wieder laufen lassen: nicht zweimal in derselben Sache.

    Regie führt (wie auch bei „Denn sie wissen nicht, was sie tun“) Hans Steinbichler, der den Heimatfilm mit seinem Kinodrama „Hierankl“ in gewisser Weise neu erfunden hat. Auch hier gelingt ihm eine reizvolle Mischung aus krachlederner Gemütlichkeit mit kriminalistischen Momenten. Außerhalb Oberbayerns wird man zwar nicht alles verstehen, aber auf diese Weise kann man um so besser nachvollziehen, wie es dem „Preußen“ von Meuffels ergeht. Der Hauptkommissar hilft seiner Assistentin aus der Patsche und übernimmt den Schutz von Xaver; natürlich in der Hoffnung auf ein Geständnis. Eine Stunde lang spitzen sich die Dinge zu, der Mob rottet sich zusammen, aber dann bricht die Nacht herein und die Spannung ab. Fortan ist nur noch das Licht kunstvoll (Bildgestaltung: Christian Rein).

    Ursache ist womöglich der Verzicht auf ein Element, das bis dahin für viel Kurzweil sorgt: unvermutete Heiterkeit. Gerade die lebensweisen Einzeiler des von Sigi Zimmerschied mit viel lakonischem Humor verkörperten unterbeschäftigten Beamten („Obacht geben, länger leben“) sorgen immer wieder für amüsante Abwechslung. Gleiches gilt für Frau Klein, die vierbeinige Begleitung des Ermittlers und so etwas wie der Hund gewordene „running gag“ der Geschichte. Zunächst bemerkt er ihr Verschwinden gar nicht; mit dem späteren Tod des Hundes bleibt auch die Dramaturgie des Films auf der Strecke. Und dass Xaver in den letzten zwölf Jahren keinen Tag gealtert ist, irritiert auch etwas. Außerdem müssen die handelnden Personen mehrfach rumbrüllen, das kennt man gar nicht von Steinbichler; und von Matthias Brandt, der doch der mit einem Blick mehr ausdrücken kann als andere mit hundert Worten, erst recht nicht. tpg.

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