Filmhandlung und Hintergrund

Wim Wenders romantischer Thriller über einen erfolgreichen Fotograf, der sein hektisches Leben hinter sich lässt und in Palermo den Neuanfang wagt.

Promi-Fotograf Finn (Campino) lebt in einer hektischen wie hippen Welt, in der Stars und Sternchen ihm alle Türen öffnen. Als er mit seiner Sportbolide nur knapp einem wohl tödlichen Unfall entgeht, fängt er an, sein Leben zu überdenken. Und steigt aus: Kurzentschlossen reist er ins sizilianische Palermo, um einen Neuanfang zu wagen. Er lernt Restauratorin Flavia (Giovanna Mezzogiorno) kennen, aber auch einen mysteriösen Schützen (Dennis Hopper).

Romantischer Thriller von Wim Wenders („Paris, Texas„), in dem Tote-Hosen-Sänger Campino sein Schauspieldebüt gibt. Entsprechend rockmusikalisch geht es in dem Aussteigerdrama zu, bei dem Dennis Hopper nach „Der amerikanische Freund“ wieder für Wenders auftritt.

Der Düsseldorfer Fotograf Finn lebt sein Leben auf der Überholspur. Seine Prominenz öffnet ihm alle Türen, Hektik ist sein ständiger Wegbegleiter. Ruhe findet er nur, wenn er seine Kopfhörer aufsetzt und das Geschehen um sich herum mit Musik ausblendet. Doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Finn wagt den Absprung, lässt seine Existenz hinter sich, wagt den Neuanfang, im sizilianischen Palermo. Aber er ist nicht allein: Während er zarte Bande mit der Sizilianerin Flavia knüpft, heftet sich ein mysteriöser Schütze an Finns Fersen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Wim Wenders hat zum ersten Mal in seiner Geburtsstadt Düsseldorf gedreht. Dort wohnt und arbeitet Finn, der berühmte Fotograf, bevor ihn die Midlife-Krise nach Palermo führt. Die sizilianische Stadt mit ihren engen Gassen und alten Palästen voller Fresken gilt in diesem Film sozusagen als kulturelle Wiege Europas. Hier wird Finn, der wegen der digitalen Möglichkeiten in seinem Metier fast schon vergessen hat, was echt ist, der Liebe und dem Tod begegnen.

      Wenders versammelte für seinen poetischen, meditativen Film ein buntes Grüppchen sehr unterschiedlicher Schauspieler. Die Hauptrolle des Finn vergab er an den Sänger der Toten Hosen, Campino, der hier durch den Dreh spaziert wie durch die fremde Stadt Palermo: ein gut aussehender, etwas linkischer Tourist. Milla Jovovich spielt sich selbst als hochschwangeres Fotomodell, die Rolle der Flavia hat die italienische Schauspielerin Giovanna Mezzogiorno. Dennis Hopper schließlich hat 30 Jahre nach „Der amerikanische Freund“ erneut eine Rolle in einem Wenders-Film, diesmal keine geringere als den Tod.

      Höhen und Tiefen prägen diesen etwas merkwürdigen Film, der sich einer stringenten Handlung verweigert und stattdessen mit Finn nach Palermo zieht, um das Fürchten zu lernen. Erst nachdem er das Handy ausschaltet und durch die Gassen schlendert, dämmert dem Fotografen, dass er sich vor echten Erfahrungen gescheut hat. Die Studienreise ist voll von Tagträumen und Halluzinationen, scheut weder Naivität noch Holprigkeit, bevor Wenders ein paar sehr interessante Gedanken zum Besten gibt. Der bewegende Monolog des Todes, den der weiß beleuchtete Dennis Hopper spricht, ist eine veritable Überraschung.

      Im Grunde geht es um eine Kritik an der Beliebigkeit der Bilder, die am Computer bearbeitet werden können. Denn wenn alles möglich ist, woran soll sich das Herz halten? Der Trip zu den Wurzeln der europäischen Kultur samt autofreier Ortschaft auf einem sizilianischen Hügel wird von einem reichen Soundtrack geschmückt. Die Musik aus seinen Ohrhörern erleichtert dem Spaziergänger Finn die Verarbeitung der ungewohnten visuellen Eindrücke.

      Fazit: Meditativer Trip von Wim Wenders nach Palermo, wo Campino dem Tod in Gestalt eines grandiosen Dennis Hopper begegnet.
    2. Palermo Shooting: Wim Wenders romantischer Thriller über einen erfolgreichen Fotograf, der sein hektisches Leben hinter sich lässt und in Palermo den Neuanfang wagt.

      Nach zwölf Jahren dreht Wim Wenders erstmals wieder in Deutschland und entführt auf eine magische Reise von Düsseldorf ins sizilianische Palermo.

      Ein Autorenfilm mit typischer Handschrift, das ist dieser Trip ins Zwischenreich des Todes, der Träume und Albträume, an dessen Ende der unbedingte Willen zum Leben steht. Wim Wenders setzt nicht auf den Populärgeschmack, sondern auf die Lust des Connaisseurs an Ungewohntem und Experimentellem. Rund 20 Minuten wurde die Fassung von Cannes gekürzt, eine gelungene Frischzellenkur, die die Hauptfigur in ihrer Verwundbarkeit verständlicher macht.

      Campino von den Toten Hosen ist der ausgebrannte Modefotograf Finn, der das Leben ungestüm an zwei Enden abbrennt, auf der Überholspur in die innere Leere rast. Ein ruheloses Dasein in permanenter Hast und Action, das Handy klingelt ständig, die Musik im Kopfhörer schirmt ihn ab. Ethik, das war einmal. Seinen Studenten erklärt er sarkastisch, „die Dinge sind nur Oberfläche“. Er ist überall auf der Welt, nur nicht bei sich. Die Zeichen, dass etwas nicht stimmt, mehren sich: ein Fastzusammenstoß mit einem Geisterfahrer auf der Autobahn, Schlafstörungen, diffuse Ängste. Und dann Fingerzeig oder Fügung - auf dem Rhein tuckert ein Schiff vorbei, an seinem Rumpf der Schriftzug „Palermo“. Finn macht sich auf nach Sizilien, nicht ohne vorher einen Schäfer zu treffen, der ihm allerlei tiefgründige Ratschläge mit auf den Weg gibt, alles zu tun, als sei es das letzte Mal. In der Inselstadt angekommen lässt sich Finn von deren trägen Rhythmus tragen und trifft Flavia, eine sanftmütige Restauratorin. Bevor sich eine romantische Lovestory entwickeln kann, muss Finn allerdings den mysteriösen Mann im grauen Kapuzenmantel finden, der ihn scheinbar verfolgt und sogar mit Pfeilen beschießt, die am Körper keine Spuren zu hinterlassen. Die Jagd nach dem Phantom endet in einer Konfrontation mit dem Tod. Ex-„Easy Rider“ Dennis Hopper spielt ihn abgeklärt und zärtlich, mit kahl rasiertem Schädel und Augenbrauen. Zwischen den beiden entspinnt sich ein philosophischer Dialog, über die Panik vor dem unwiederbringlichen Ende, dem unausweichlichen Unbekannten. Gevatter Tod sieht sich als Dienstleister und einzigen Ausweg, wirft Finn vor, das Leben nicht gewürdigt und wie die digitale Fotografie manipuliert zu haben: „Die Angst vor dem Leben ist die Angst vor dem Tod!“ Wenn der Starfotograf diese Angst verliert, ist Leben und Liebe möglich.

      Mit „Palermo Shooting“ begibt man sich auf eine Reise durch innere Welten mit Bildern von äußerer Schönheit. Palermo mit seinem geheimnisvollen Charme übernimmt neben Campino die zweite Hauptrolle. Und die Musik von Lou Reed über Nick Cave bis hin zu Thom Yorke machen das existenzielle Drama so richtig rund. mk.
    3. „Wertvoll”

        „Warum werde ich nicht satt?“ Frei nach einem Song der Toten Hosen fragt sich Finn (Campino), ein erfolgreicher Fotograf mit einem Leben auf der Überholspur, wieso er sich so leer fühlt. Ein knapp verhinderter Fron-talzusammenstoß auf einer Schnellstraße öffnet ihm die Augen: Etwas muss sich ändern. Die Suche nach Lebenssinn und Lebensfreude führt ihn ins süd-italienische Palermo, und eine mystische Geschichte beginnt. Campino verkörpert glaubhaft den ausgebrannten Vollprofi zwischen Arbeit, zahlreichen Partys und der Flucht vor Stille. Wim Wenders neues Drama ist ein philosophischer Film mit aus-druckstarken Bildern, großer Symbolik und vielen Botschaften.

        Jurybegründung:

        Finn ist Fotograf und gibt sich nicht mit Kleinigkeiten zufrieden. Sein Element ist das 360-Grad-Foto, das manipuliert und auf Großleinwänden wiedergegeben wird. Finn führt ein schnelles, von äußeren Einflüssen geprägtes Leben. Eines Nachts erlebt er beim Fotoshooting im nächtlichen Düsseldorf in seinem englischen Sportscar einen beinahe-Crash und weiß, das war knapp, nur noch ein kleiner Schritt vom Leben in den Tod.

        Palermo heißt „der große Hafen“, erfährt Finn, der sich in einer Lebens- und Schaffenskrise fühlt, und so fährt er nach Palermo, ein Aufbruch mit unbekanntem Ziel. Er durchlebt eine Sinnkrise, erinnert sich an seine Mutter und fühlt sich verfolgt. Als ein Pfeil knapp an ihm vorbei eine Mauer durchbohrt, spürt er, dass er keine Zeit mehr verschwenden sollte. Die Begegnung mit einer schönen, melancholischen Restauratorin führt ihn weiter hinein in seine Lebensthemen.

        Der Film greift mehrere Themen auf, die er immer wieder variiert. Licht und Schatten, Zeit und Tod sind die Parallelen, die in Symbolik münden. Die Bilder in Braun- und Gelbtönen spiegeln die morbide Schönheit Palermos, und kontrastieren die anfänglich satten Farben des schnellen Fotografenlebens.

        Wenn der Tod in Gestalt Dennis Hoppers zum ersten Mal im grauen Mantel auftritt, ist der Mut des Regisseurs zu bewundern, wie er mit schlicht gehaltenen Dialogen großes Pathos erzeugt. Die Figur der Restauratorin Flavia, die Finn fortan als Schutzengel begleitet, mutet ebenso melancholisch an wie die Gassen Palermos. Vor Finn scheinen sich alle zurückzuziehen: Selbst die Ziege verschwindet, als er sie fotografieren will. Hat der Tod seine Hand im Spiel, wenn Finns Identität als Fotograf auf dem Spiel steht?

        Die Präsenz des Sängers Campino verblasst zeitweise zwar ein wenig neben der schauspielerischen Könnerschaft Dennis Hoppers. Dies wird allerdings durch großartige Bilder des Kameramanns Franz Lustig wieder wett gemacht.

        Insgesamt wird die mystische Atmosphäre Palermos eindrucksvoll wiedergegeben und die sehr persönliche wirkende Geschichte, die Wenders hier erzählt, trägt neben melancholischen Zügen manchmal auch komische, wenn etwa der Tod seine Abneigung gegen digitale Manipulation beschreibt.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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