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Ottilie von Faber-Castell. Eine mutige Frau

  

Filmhandlung und Hintergrund

Die Degeto knüpft mit diesem Epos über die Erbin der fränkischen Bleistift-Dynastie Faber an andere große Filme im „Ersten“ über starke Frauen an, darunter ein Zweiteiler über die Verlegerin Aenne Burda („Die Wirtschaftswunderfrau“, 2018) oder, schon älter, „Margarete Steiff“ (2005) über die Erfinderin der Steiff-Tiere. Die Geschichten handeln von Kämpfernaturen, die mit den Herausforderungen wachsen; das gilt...

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Kritikerrezensionen

  • Die Degeto knüpft mit diesem Epos über die Erbin der fränkischen Bleistift-Dynastie Faber an andere große Filme im „Ersten“ über starke Frauen an, darunter ein Zweiteiler über die Verlegerin Aenne Burda („Die Wirtschaftswunderfrau“, 2018) oder, schon älter, „Margarete Steiff“ (2005) über die Erfinderin der Steiff-Tiere.

    Die Geschichten handeln von Kämpfernaturen, die mit den Herausforderungen wachsen; das gilt auch für Ottilie von Faber-Castell. Dass die Titelheldin letztlich scheitert, liegt nicht an ihr, sondern an den Umständen: Weil Bleistiftfabrikant Lothar von Faber (Martin Wuttke) Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Tod seines Sohnes keine männlichen Nachkommen hat, will er seine minderjährige Enkelin zur Nachfolgerin aufbauen. Ottilie offenbart nach dem Tod des Patriarchen in der Tat den nötigen Unternehmergeist, aber ihre Großmutter (Eleonore Weisgerber) ist überzeugt, dass die Zeit für eine Frau an der Spitze einer derart großen Fabrik noch nicht reif ist.

    Damit ist Regisseurin Claudia Garde beim eigentlichen Thema ihres Films. Fortan spielt das Unternehmen nur noch eine Nebenrolle: Die Großmutter sorgt dafür, dass Ottilie den Offizier Alexander zu Castell-Rüdenhausen (Johannes Zirner) heiratet und macht ihn hinter dem Rücken der Enkelin zum Geschäftsführer. Ottilie verspürt zwar eine gewisse Zuneigung für den Gatten, aber er war bloß zweite Wahl; ihr Herz schlägt auch nach zwanzig Ehejahren noch für seinen besten Freund Philipp (Hannes Wegener).

    Einerseits ist es ein bisschen schade, dass die unternehmerische Seite der Geschichte aus dem Blick gerät, andererseits wollte sich Garde natürlich an die Tatsachen halten; deshalb konnte ihr Film kein Porträt einer großen Firmenlenkerin werden. Allerdings ist „Ottilie von Faber-Castell“ auch kein Drama über das sattsam bekannte Handlungsmuster „Eine Frau zwischen zwei Männern“ geworden. Garde hat vielmehr einen universellen Ansatz gewählt: Ottilie müht sich nach Kräften, ein richtiges Leben im falschen zu führen, aber es gelingt ihr eher schlecht als recht. Deshalb war auch die Besetzung ihres Mannes mit Johannes Zirner eine gute Wahl, denn Alexander ist eine ziemlich schillernde Figur: Einerseits ist er bereit, den Nebenbuhler im Duell zu töten, andererseits bemüht er sich aufrichtig um Ottilies Sympathie.

    Sehenswert ist das erlesen fotografierte Drama (Bildgestaltung: Felix Cramer) nicht zuletzt wegen des Aufwands. Allein die Rekonstruktion der Stiftfabrikation ist imposant, von den vielen Kostümwechseln ganz zu schweigen. Die wichtigsten Charaktere sind fast ausnahmslos angemessen besetzt. Der gleichermaßen strenge wie gerechte Patriarch zum Beispiel ist eine Rolle, die Martin Wuttke regelrecht auskostet. Bei der Hauptfigur sind die Verantwortlichen allerdings ein gewisses Risiko eingegangen, denn Kristin Suckow dürfte den meisten Zuschauern unbekannt sein. Die Schauspielerin stand vor der Herausforderung, ein breites Alterspektrum zu verkörpern: Zu Beginn der Handlung ist Ottilie 17; am Ende, als sie ihrem Unglück endlich den Rücken kehrt, ist sie über 40. Suckow war während der Dreharbeiten Ende 20, und wie sie mit ihrer Rolle nicht nur altert, sondern auch wächst, ist ziemlich eindrucksvoll. Davon abgesehen sind die gut 180 Minuten ausnahmsweise nicht zu lang. Zweiteilige Filme leiden oft darunter, dass sich die zweiten neunzig Minuten nach dem dramaturgischen Höhepunkt am Schluss von Teil eins etwas ziehen, aber dank eines klugen Konzepts gibt es keinen Spannungsabfall. tpg.
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