No Country for Old Men

  1. Ø 4.2
   2007

No Country for Old Men: Neo-Western der Coen-Brüder über einen Sheriff, einen Auftragskiller und einen Glücklosen, die sich in Texas eine Hetzjagd um zwei Millionen Dollar liefern.

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Filmhandlung und Hintergrund

No Country for Old Men: Neo-Western der Coen-Brüder über einen Sheriff, einen Auftragskiller und einen Glücklosen, die sich in Texas eine Hetzjagd um zwei Millionen Dollar liefern.

Als der Kriegsveteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) auf die Jagd geht, erwartet er nicht, einen ganzen Berg Leichen mitten in der Prärie vorzufinden — ein gescheiterter Drogenhandel. Offensichtlich haben sich die Gangster zerstritten und gegenseitig erschossen. Am Schauplatz findet Llewelyn eine Wagenladung Heroin und einen Koffer mit zwei Millionen Dollar in bar. Jackpot! Oder doch nicht? Nicht ahnend, dass sich in dem Koffer ein Peilsender befindet, nimmt Llewelyn den vermeintlichen Glücksfund mit nach Hause.

Durch einen brutalen Mord kann der Auftragskiller Anton Chigurh (Javier Bardem) der Haft entkommen. Eigentlich arbeitet er für die Kartelle, doch der psychopathische Chigurh verfolgt auch seine eigene Agenda. Auf seiner Mission, die zwei Millionen wiederzubeschaffen, hinterlässt er eine Spur von Leichen. Derweil ist auch der alternde Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) auf das vermisste Geld aufmerksam geworden. Der melancholische Bell möchte eigentlich bloß in die Rente. Jetzt muss er ein letztes Mal versuchen, ein drohendes Massaker zu verhindern.

„No Country for Old Men“ — Hintergründe

Mit ihrem minimalistischen Neo-Western haben Ethan und Joel Coen neues Terrain erkundet. „No Country for Old Men“ ist weit weniger satirisch oder bissig als Klassiker wie „Fargo“ oder „Blood Simple“. Stattdessen haben die beiden einen melancholischen Thriller über die brutale Natur des Menschen vorgelegt. Trotz seiner getragenen Erzählweise ist „No Country for Old Men“ ein hochspannendes Katz-und-Maus-Spiel, das vor allem von Javier Bardem als psychopathischer Killer Anton Chigurh getragen wird — eine echte Naturgewalt, die mit pneumatischem Bolzenschussgerät mordet.

Inhaltlich basiert „No Country for Old Men“ auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Cormac McCarthy. Dessen Werk wurde in der Vergangenheit mehrfach verfilmt („All die schönen Pferde“, „The Road“). Für die Coen-Brüder markiert der Film die erste explizite Literaturverfilmung, während manche der vorherigen Filme eher lose auf Büchern aufbauen wie etwa „The Big Lebowski“ auf dem Roman „Vineland“ von Thomas Pynchon.

„No Country for Old Men“ — Auszeichnungen

Im Haushalt der Coen-Brüder dürfte eigentlich kein Mangel an namhaften Preisen herrschen. Ausgerechnet in Hinblick auf die Oscars sah es trotz großartiger Filme lange jedoch eher dürftig aus. Immerhin konnte „Fargo“ 1997 einen Goldjungen für das beste Drehbuch abräumen. „No Country for Old Men“ hat der Flaute ein Ende gesetzt. Der geniale Western war bei der Oscarverleihung 2008 in insgesamt acht Kategorien nominiert und konnte den Preis in den folgenden Kategorien gewinnen:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bester Nebendarsteller (Javier Bardem)
  • Bestes adaptiertes Drehbuch

Ein kleines Kuriosum ist übrigens die Filmmusik von „No Country for Old Men“. Um die unterkühlte Atmosphäre zu unterstreichen, haben die Coen-Brüder fast gänzlich auf Musik verzichtet. Der Score von Carter Burwell hat dementsprechend auch nur eine Laufzeit von 16 Minuten. Insgesamt ist das vielleicht ein bisschen zu wenig, um für einen Oscar in Betracht zu kommen.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Die Faszination am Bizarren des Todes - der schwarze Humor sowie das fatale Verwechseln von Asthma-Spray und Pistole im unmöglichen Härtefall - verschmilzt hier mit der texanischen Landschaft und der Seele seiner Bewohner, transzendiert ins Jenseits von Gut und Böse. Vor und hinter der Kamera stimmt einfach alles. Vorangetrieben wird diese aberwitzige und spannend erzählte Geschichte von einem Schauspieler-Ensemble der allerersten Garde, von denen jeder für sich preiswürdig erscheint. Die Coen-Brüder sind mit dieser Regie-Leistung und ihrem selbst verfassten Drehbuch auf dem Gipfel ihres kinematographischen Könnens angelangt. Ein ganz großer Film: eindrucksvoll und fulminant. Chapeau. Jurybegründung: Ein Jäger auf der Pirsch findet irgendwo im Südwesten von Texas zwischen vielen Leichen, die offensichtlich einer wilden Schießerei zum Opfer gefallen sind, Wagenladungen von Drogen und unweit davon einen zum Rand mit Geldscheinen gefüllten Koffer, mit dem offensichtlich die Drogen millionenschwer bezahlt wurden oder vielmehr bezahlt werden sollten. Er nimmt den Koffer an sich und flieht. Die Drogenbarone registrieren dies unwirsch und setzen den stets in Schwarz gewandeten Killer Anton auf den Flüchtigen an, um zeitnah aus ihrer Sicht einen stimmigen Kassenabschluss vollziehen zu können. Anton verkörpert das Böse schlechthin und macht keinen Unterschied zwischen Beteiligten und Unbeteiligten, zwischen Schuldigen und Unschuldigen. Er wirkt wie ein Racheengel aus einer anderen Welt mit menschlichem Antlitz mit der Entschlossenheit zum Töten mit seiner Bolzen-Pumpgun, die wohl zum Rindertöten aus einem Schlachthof zu stammen scheint. Ein tief pessimistischer, aber durchaus lakonischer Film. Während die einen Zuschauer tief betroffen nach dem Ausweg, der Botschaft oder dem Grund für so konsequent Böses suchen, feixen die anderen Schenkel klopfend über ein herausragendes Stück Kino-Unterhaltung mit Tiefgang, Witz und Ironie und dabei handwerklich meisterhaft umgesetzt. Vor und hinter der Kamera stimmt einfach alles: das Drehbuch, die stimmigen Dialoge, der einfühlsame Soundtrack, die kinogerechten Bilder, wunderbare Sets und liebenswerte Details - alles passt zueinander. Vorangetrieben wird diese aberwitzige und spannend erzählte Geschichte von einem Schauspieler-Ensemble der allerersten Garde, von denen jeder für sich preiswürdig erscheint. Die Coen-Brüder sind mit dieser Regie-Leistung und mit ihrem selbst verfassten Drehbuch auf dem Gipfel ihres cinematographischen Könnens angelangt. Hut ab. Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „No Country for Old Men“ ist ein Roman von Cormac McCarthy, den die Brüder Joel und Ethan Coen verfilmt haben. Herausgekommen ist ein moderner Western, der gleichzeitig auch Komödie ist, eine dieser Improvisationen zu Genrevorbildern, für die die beiden Regisseure, Produzenten und Drehbuchautoren berühmt sind. Der Film ist vor allem cool, witzig und gut gespielt, wie man das von einem Coen-Film erwartet. Und dennoch scheint etwas zu fehlen bei all der Konzentration auf die Form, die Virtuosität, das Spiel: eine emotionale Tiefe.

    Javier Bardem spielt den mysteriösen Killer, der auf die Leute, die ihm begegnen, den Eindruck eines Psychopathen macht. Er benutzt ungewöhnliche Mordinstrumente, er lässt nicht mit sich handeln. Llewelyn, der einheimische junge Mann, gespielt von Josh Brolin, ist im Grunde ein guter, einfacher Kerl. Doch das Geld weckt in ihm eine andere Seite, und er entwickelt praktisch aus dem Stand eine Menge Fähigkeiten, um seine Verfolger auszutricksen.

    Sheriff Bell, gespielt von Tommy Lee Jones, ist der Gesetzeshüter, der langsam zu alt für den Job wird. Er versteht die Welt nicht mehr mit ihrer verheerenden Brutalität. Tommy Lee Jones ist neben dem stillen, derangierten Killer, den Bardem spielt, der Witzegarant des Films. Er hat in fast jeder Szene einen Spruch, aus dem der staubtrockene Humor bröselt.

    Tommy Lee Jones kann seinen Sheriff auch nach Herzenslust jammern lassen: Er tut das auf so mehrdeutige Art und Weise, dass Bell auch in seinem Selbstmitleid nicht schwach wirkt, sondern geschmeidig und präsent bleibt. Die Verfolgungsjagd durch Motels, über die mexikanische Grenze und wieder zurück ist blutdurchtränkt und doch auch voller kleiner Sketche, wie dem mit dem Grenzer und Llewelyn, der in einem Krankenhaus-Nachthemd wieder in die Staaten zurückwill.

    Auch mit den Westernklischees wird ein bisschen gespielt. Ausgerechnet der Killer fragt den Mann mit dem Cowboyhut, welchen Sinn denn das Gesetz macht, für das er ins Verderben gezogen ist. Der Mann mit dem Cowboyhut, gespielt von Woody Harrelson, hat eine erfrischend komödiantische, leider viel zu kleine Nebenrolle. Es ist aber insgesamt ein bisschen wie beim Feuerwerk: Verzieht sich der ganze Rauch, sieht alles wieder aus wie vorher. Die hervorragende Kamera verzichtet auf eine atmosphärische Sonderbeleuchtung. Mal ist es dunkel, mal ist das Wetter über der texanischen Weite so schön, dass auch in Sheriff Bells Wohnzimmer eine für düstere Handlungen ungewöhnliche Helligkeit dringt.

    Fazit: Ein Killer, ein Sheriff und ein Mann, der sein Glück versucht: Cooler, von Kugeln durchsiebter Westernspaß von Joel und Ethan Coen.
  • Elektrisierend schwarzhumoriges Meisterwerk der Coen-Brüder mit Javier Bardem als todsicherer Killer im Crime-and-Western-Country von Sergio Leone, Sam Peckinpah und John Woo.

    Nach den launigen „Ladykillers“ und dem verzeihlichen „Härtefall“ für George Clooney und Catherine Zeta-Jones, sind die Coen-Brüder wieder auf der Höhe ihrer inszenatorischen Meisterschaft mit dieser so aufregenden wie lakonischen, von schockblutigen Explosionen wie knochentrocken schwarzhumorigem Witz getränkten Expedition ins Crime-and-Western-Country von Sergio Leone, Sam Peckinpah und John Woo, deren Arten, Türen zu öffnen, auf originelle Weise variiert wird. Geerdet mit der Roman-Vorlage von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy, dessen Neo-Western „All die schönen Pferde“ Billy Bob Thornton nicht restlos überzeugend anging, adaptieren die Coens das West-Texas von 1980 als absurde philosophische Landschaft, filmisches Gold wie ihr „Fargo“. Spielten dort Loser auf dem Grat zwischen Grauen und blutiger Posse, Gewalt und idyllischen Schneewüsten, so geht in „No Country For Old Men“ ein begnadeter Profikiller mit grotesker Mireille-Mathieu-Frisur und Stoneface seinem Handwerk nach und spielt auf cooler Menschenjagd Graf Zaroffs „The Most Dangerous Game“.

    Wegen seines Muts, einen blutvollen, vollkommen humorlosen und gerade dadurch zu Lachen, das im Hals stecken bleibt, reizenden Killer zu spielen, hätte Bardem den Darstellerpreis in Cannes verdient, aber das ist so fern, als würde Chow Yun-Fat für seine epochalen Woo-Killer den Ehren-Oscar gewinnen. Als Anton Chigurh, der mit Münzwurf über Leben und Tod entscheidet, verfolgt Bardem Vietnam-Veteran Llewelyn Moss. Josh Brolin verkörpert ihn in der Tradition von Nick Nolte aus Karel Reisz‘ unterschätztem Drogen-Chase-Thriller „Dreckige Hunde“ (1978). Moss, in einer überragenden Sequenz eingeführt, die das Jagdmotiv des Films etabliert, stößt mitten in der Wüste auf eine mit Leichen gepflasterte Wagenburg, Drogen und einen Koffer mit zwei Millionen Dollar. Den versuchen ihm erst ein furchterregend verbissener Hund bei einer atemberaubenden Flucht durch einen Fluss und dann der Anton aus Texas, mit Peilsender und einem Bolzenschießer, mit dem er seine Opfer wie Vieh tötet, abzujagen. Die Jagd variiert in der den Coens eigenen Slow-Burn-Dramaturgie berühmte Vorgänger, die Hotelszene mit Clint Eastwood in Leones „Zwei glorreiche Halunken“, den Hotel-Showdown von Steve McQueen in Peckinpahs „The Getaway“ und den Treppen-Shootout von Chow Yun-Fat in Woos „A Better Tomorrow II“ und ist in ihrer originellen Unvorhersehbarkeit purer audiovisueller Genuss.

    Dritter im Bund der Coen-Charakterköpfe ist Tommy Lee Jones, der als desillusionierter Sheriff seinen Mitbürger Moss vor Chigurh beschützen will und stets zu spät kommt. Jones wird dem Titel gerecht, wenn er mit Erzählungen à la Ambrose Bierce (der unglaubliche Todeskampf einer Kuh) und moralischen Reflexionen, von denen nichts als Träume bleiben, verlorene Integrität und Würde beklagt und den Film so lakonisch beschließt, wie Brolin und Bardem ihn verlassen. Roger Deakins‘ makellose Scope-Kameraarbeit, der Schnitt (die Coens unter ihrem Pseudonym Roderick Jaynes), Tonschnitt und die bis auf die Knochen reduzierte Storyline erhöhen die nachwirkende Intensität des fabelhaften Neo-Noir-Crime-Western. Yep! ger.

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