Filmhandlung und Hintergrund

Heiter-entspannte Filmbiografie über das abenteuerliche Leben des legendären walisischen Cannabis-Schmugglers Howard Marks.

Nach seinem Oxford-Studium Ende der Sechzigerjahre hat Howard Marks von freier Liebe und Joints genug, heiratet und wird Lehrer. Doch als er Judy begegnet, wird sein Leben abenteuerlicher, als er es sich je hätte vorstellen können. Eher zufällig entwickelt er sich zum vermögenden Marihuana-Schmuggler, der Drogen von Pakistan über Irland nach England und schließlich sogar über den Atlantik bringt. Gewaltfrei und mit verwegenen Lügengeschichten kann sich Marks dem Gesetz entziehen, bis seine Glückssträhne endet - vorerst.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Ja: Rhys Ifans ist großartig als Howard Marks, der zum großen Haschisch-Tycoon im Großbritannien der 70er und 80er aufsteigt. Dennoch fragt man sich, warum der Film eigentlich gedreht wurde. Denn Regisseur Bernard Rose scheint selbst nicht so ganz zu wissen, worauf er sich konzentrieren soll. Und eine ähnliche Geschichte von Auf- und Abstieg eines Drogengroßhändlers hat man ja auch schon öfters gesehen; in „Blow“ zum Beispiel, mit Kokain und den USA.

      Dynamisch fängt der Film an, Marks erzählt von der Theaterbühne herab seine eigene Lebensgeschichte, die Kindheit im Arbeiter-Wales, das Stipendium in Oxford – bis hierhin alles in Schwarzweiß, bis er Drogen kennenlernt, dann wird der Film, sein Leben bunt. Und die Handlung zerfleddert, was zunächst noch als Übernahme von Marks’ zerfahrenem Verstand und seiner überbordenden Erzählkunst zwischen Lüge und Wahrheit sein könnte, sich aber dann als dramaturgisch-handlungstechnische Mängel herausstellt.

      Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, die, die bleiben, bleiben oftmals unscharf gezeichnet, und nur die wenigen, die doch scharf gezeichnet sind, beleuchten den historischen Hintergrund, die Angst der Engländer vor der IRA, mit denen sich Marks für seine Drogendistribution einlässt, die Connections, die er nach Afghanistan aufbaut in einer Zeit ohne Handy und Internet, wenn man sich über Telefone im Pub mit ein paar Codewörtern verständigen muss, das Sicherheitsnetz, das er als Informant für den MI 6 immer wieder für sich in Anspruch nimmt. In diesen Szenen erzählt der Film stringente Handlung – die dann aber wieder in einer Art schnell abfolgenden Nummernrevue aufgelöst wird.

      Ausgerechnet die Hauptfigur Marks verbleibt im Unklaren, und das ist das Problem: Regisseur Rose will sie offensichtlich als zutiefst ambivalenten Charakter präsentieren, lässt ihn immer wieder davon faseln, dass nicht sein Tun, sondern die Gesetze falsch seien – er handle nicht moralisch, nur juristisch illegal. Und verfällt dann in opportunistische Gier nach dem immer Mehr, die die Grundform des Gangsterfilms seit seinen Anfängen immer neu durchdekliniert. Soll auch – der Titel deutet es an – ein freundlicher Mann sein, der Schreckliches tut; bis der Film aber zu diesem Thema kommt, ist schon allzu viel Zeit verflossen: Irgendwann holt sich Marks eine neue Identität, lässt seine Frau (Chloe Sevigny) im Pub als Wahrsagerin auftreten, belauscht einen Kunden, der viel, zu viel von sich preisgibt: fortan nennt sich Marks Mr. Nice, eigentlich ausgesprochen wie der englische Name von Nizza, er spricht sie wie das englische „nett“ aus. Just zu dem Zeitpunkt, als er sein Drogennetzwerk global, über den Atlantik hinaus, ausrichtet.

      Was hier zur ambivalenten Charakterisierung beitragen soll, wird aber im Film nur punktuell abgehakt, und das ist tödlich für den Versuch, eine vielschichtige, vieldimensionale Figur zu schaffen: dass man als Zuschauer nicht genau weiß, ob man Marks jetzt tatsächlich als ambivalent begreifen soll oder nicht – ambivalente Ambivalenz also, wodurch gerade das Zentrum des Films vage bleibt. Immer wieder scheint Marks’ Charisma durch – um dann wieder unterzugehen in einem weiteren Fass, das Rose halb öffnet, um dann doch wieder weiterzuziehen zum Nächsten.

      Als oberflächliches Porträt über einen englischen Drogengroßboss, über sein privates Leben, über die Details seines Werdegangs ist „Mr. Nice“ nicht schlecht; als Einblick in seine Persönlichkeit, als vielleicht gar übergreifende Geschichte von der Diskrepanz zwischen den eigenen Idealen und dem dazugehörenden Handeln, von Gier, von Karriere und Abstieg, vom Gefühl und Zeitgeist einer bestimmten Epoche funktioniert der Film dafür leider nicht, wenn er auch immer wieder witzig ist und mit schön konstruierten Einzelszenen aufwarten kann.

      Bezeichnend, dass die Rahmenhandlung - Marks erzählt im Theater seine Biographie – gar nichts mit dem Film zu tun hat und eigentlich völlig sinnlos ist – Beispiel für die allzu weit schweifende und zuwenig gebündelte Erzählhaltung des Regisseurs.

      Fazit: Karriere eines Drogentycoons, das sich in zu vielen Details verzettelt, ohne sich einen großen Rahmen erschaffen zu können.
    2. Mr. Nice: Heiter-entspannte Filmbiografie über das abenteuerliche Leben des legendären walisischen Cannabis-Schmugglers Howard Marks.

      Bernard Roses heiter-entspannte Nacherzählung des abenteuerlichen Lebens eines britischen Drogenschmugglers ist so märchenhaft wie wahr.

      Niemand hat eindrucksvoller nachgewiesen, wie man Kiffen zur Karriere machen kann, als Howard Marks. In den 1970er und 1980er Jahren sollen zehn Prozent des Marihuana-Welthandels auf das Konto des Paradiesvogels gegangen sein, der nach eigener Aussage eigentlich alles selbst rauchen wollte, letztlich aber am eigenen Anspruch scheiterte und den Rest eben weitergab. Sein Leben genoss Marks in vollen Zügen, und selbst wenn diese Verfilmung vereinfachen und verkürzen muss, bleibt für den Zuschauer von dieser abenteuerlichen Folie eine relaxte Tour durch ein unglaubliches Marihuana-Märchen übrig.

      Rhys Ifans, im Kino abonniert auf schräge Typen, ist eine Idealbesetzung für Mr. Marks, der es - sensationell für einen walisischen Provinzimport - bis ins akademische Heiligtum Oxford schafft, wo ihm die Augen geöffnet werden. Bereits die erste Frau, der er dort über den Weg läuft, ist ein unwiderstehlicher Magnet, bringt Marks die freie Liebe und das befreiende Kiffen bei. Mit dem ersten Joint kommt Farbe in den bis dahin monochromen Film und ins Leben seines Protagonisten, der nach einem Experiment mit LSD kurzfristig den Drogen entsagt, ehrbarer Ehemann und Lehrer wird, bis ihn die zweite zentrale weibliche Bezugsperson wieder auf Kurs bringt. Judy (Chloë Sevigny), die weiche Drogen genauso gern legalisiert sähe wie er, ist die Liebe seines Lebens, wird die Mutter von drei Kindern und hält zu ihm, selbst als Marks in den USA für sieben Jahre inhaftiert wird.

      Seine Erfahrungen hinter Gittern werden auf wenige Momente beschränkt und sind die einzig negativen im Film, der stets den Optimismus und die gute Laune behält, mit denen sich Marks auch im wahren Leben erfolgreich verkauft. „Mr. Nice“, das Pseudonym, das sich der Waliser auf der Flucht zulegte, beschreibt auch den ganzen Film, der sympathisch, aber auch etwas konflikt- und spannungsarm wirkt, obwohl seine Hauptfigur mit einem unberechenbaren Drogenschleuser und angeblich aktiven IRA-Mitglied handelte und von Regierungsbehörden und Ermittlern weltweit verfolgt wurde. Diese entspannende, aber nicht bewusstseinserweiternde Ergänzung zu Ted Demmes Kokain-Bio „Blow“ präsentiert sich als gewaltfreie Hommage an einen schrulligen Lebenssurfer, der diverse Bücher veröffentlichte, Vorträge hält und mit seinem lakonischen Witz auch in dieser von Bernard Rose („Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte„) geschriebenen und inszenierten Biografie präsent bleibt. kob.

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