Miss Bala

  1. Ø 0
   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Miss Bala: Die Geschichte einer jungen mexikanischen Frau, die Schönheitskönigin werden will und in den Drogenkrieg gerät.

Die 23-jährige Laura ist in bescheidenen Verhältnissen in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana aufgewachsen und hofft, durch den Gewinn des lokalen Schönheitswettbewerbs „Miss Baja California“ ihrer Familie ein würdigeres Leben ermöglichen zu können. Als sie bei einem Discobesuch Zeuge eines Massakers des Drogenkartells an der Polizei wird und sie anschließend ihre verschwundene Freundin sucht, gerät sie in die Fänge des Bandenführers Lino, der sie erpresst, für ihn als Drogenkurier zu arbeiten.

Eine junge mexikanische Frau will Schönheitskönigin werden und gerät in die Mühlen des Drogenkriegs. Mexikanischer Oscar-Vorschlag, der mit den Mitteln des Thrillers eines harte, wahre Geschichte erzählt.

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    Laura ist 23 und hat einen großen Traum: Sie will an dem "Miss Baja"-Schönheitswettbewerb teilnehmen und so den ärmlichen Verhältnissen ihrer Heimat Tijuana entfliehen. Doch eines Abends wird sie Zeugin eines Massakers von Drogenkartellmitgliedern in einer Disko, und ihre beste Freundin verschwindet spurlos. Die korrupte Polizei liefert Laura dem brutalen Verbrecher Lino aus, der die junge Frau fortan zwingt, für ihn zu arbeiten. Eine Schönheitskönigin in den Fängen der Drogenkartelle - was so unglaublich klingt, basiert in der Tat auf einer wahren Geschichte. Allerdings nutzt Gerardo Naranjo die Fakten nur als Beispiel, um auf eine Realität hinzuweisen, die in Mexiko bereits unzählige Menschenleben zerstört hat. Die Macht der Drogen und der Sumpf der Kriminalität zeigen sich in farbentsättigten und trostlosen Bildern, die Kamera konzentriert sich auf die Figuren und zeigt schonungslos auf, wie brutal und sinnlos die Gewalt in diesem Drogenkrieg ist. Im Zentrum des Geschehens Laura, ergreifend eindringlich gespielt von Stephanie Sigman, die unschuldig ist und doch zur Mitschuldigen wird, weil sie eine Gefangene des Systems ist. Realistisch, verstörend, aufrüttelnd - ein Film, der die Augen öffnet für das, was schon viel zu lange Alltag ist.

    Jurybegründung:

    Drogenkriege in Mexiko wirken, als wären sie dem Untergangsszenario eines Science-Fiction Films entsprungen, der die Endzeit der Menschen zum Thema hat. Diesen Eindruck vermittelt der Film MISS BALA von Gerado Naranjo, oftmals ist dies jedoch bittere Realität. Die Geschichte, die der Film erzählt, orientiert sich an einer authentischen Begebenheit. Laura, seine Protagonistin, kommt aus Armutsverhältnissen und sie will unbedingt Schönheitskönigin werden. Bei ihrer Bewerbung fällt sie durch. In einer Disco gerät sie mit ihrer Freundin in ein Hinrichtungskommando eines Drogenkartells. Auch Unbeteiligte wie ihre Freundin müssen sterben, aber sie selbst kann entkommen. Mit ihrem Wissen um die Täter gerät sie an einen korrupten Polizisten, der sie an das Kartell verrät. Nun beginnt für Laura ein Leidensweg, der sie zwar zur Schönheitskönigin werden lässt, aber um welch hohen Preis? Sie gerät mitten hinein in den gnadenlosen Krieg der Banden, sowohl untereinander als auch mit dem eher hilflosen Staatsappart.

    Die Bilder zeigen die ungeheure Brutalität und Raserei der Machtkämpfe in gedämpften, dunklen Farben, fast schon wie Schwarz-Weiß wirkend. Liquidationen von Verrätern, Spitzeln und Gegnern mitten in den Vorstädten oder in wüsten Felsnischen an den Stränden erscheinen wie Alltag. Aus Lauras Perspektive fühlen wir, wie konsequent dieser Film ihre und damit auch unsere Ohnmacht schlüssig im Film aufbaut. Es folgt eine Katastrophe nach der anderen: Für den Betrachter ist dies ein Psychogramm der Hilfs- und Ausweglosigkeit.

    Die schauspielerische Leistung von Laura (Stephanie Sigmann) ist herausragend, obwohl oder gerade weil sie eine Laiendarstellerin sein soll. Die Ängste der Figur werden unsere Ängste, es ist verstörend mitanzusehen, was ein Mensch alles ertragen muss, wenn er Opfer wird und, in Lauras Fall, auch zur Täterin, weil sie überleben und deshalb mit den Wölfen als Kurierfahrerin heulen muss.
    Wer hier wen bekämpft und warum, wird nicht transparent und soll es wohl auch nicht werden bei der Absurdität des Tötens, bei dem man niemanden vertrauen kann und nie sicher ist, auf welcher Seite jemand gerade steht.

    Neben den schnellen Schnitten bei den Schießereien sind auch lange Plansequenzen kennzeichnend. Wir erahnen die Gedanken des Polizisten in seinem Wagen und wissen, dass er den Verrat an Laura plant, statt sie in das Präsidium zu bringen. Wir sehen später in das Gesicht von Laura, angsterfüllt, und wir wissen, was sie fühlt und was ihr hier passiert.

    Kamera, Schnitt, Ton und Licht sind optimal für den Spannungsaufbau eingesetzt und auf Lauras Perspektive abgestimmt. Ein markantes stilistisches Lehrstück und ein äußerst konsequenter Film, der uns ratlos über die Verhältnisse in dem Land von Laura zurück lässt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Schwer greifbares, aber durchweg faszinierendes Drama, das den Actionfilm einmal ganz anders definiert. Geheimtipp.
  • Eindringlicher Arthouse-Thriller über eine junge Mexikanerin, die – wie ihr ganzes Land – in den Würgegriff des Drogenkriegs gerät.

    Ein beklemmendes Lehrstück über die Ausweg- und Gnadenlosigkeit, mit der die Zivilbevölkerung zu Zehntausenden Opfer des seit 2006 tobenden Drogenkriegs in Nordmexiko wird, hat Gerardo Naranjo („I’m Gonna Explode“) mit seinem stilistisch meisterhaften Arthouse-Thrillerdrama erschaffen, das Mexiko zur Nominierung für einen Oscar einreichte. Die parabelhafte Studie um eine Unschuldige, die zwischen die Fronten von Drogenbanden und Militär gerät, ist eine Mischung aus dem erschreckenden Realismus von „Gomorrha“ und der Leidensgeschichte „Maria voll der Gnade“, versehen mit Anleihen bei „Traffic“ und so atemberaubend stilstark inszeniert wie P.T. Andersons „There Will Be Blood“.

    Die Titelheldin heißt Laura Guerrero (grandios: Stephanie Sigman) und ihr Schicksal basiert auf dem der als „Miss Narco“ bekannt gewordenen Schönheitskönigin Laura Zúñiga. Die hübsche 23-jährige lebt in bescheidenen Verhältnissen in der berüchtigten Gewalthochburg Tijuana. Als sie sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben zur „Miss Baja California“ bewirbt, wird sie Zeugin eines Massakers von Kartellkillern an DEA-Agenten. Verängstigt sucht Laura nach ihrer dabei verschwundenen Freundin und wird von der korrupten Polizei prompt ans Kartell ausgeliefert, deren Anführer Lino (Noe Hernandez) sie zu Handlangerdiensten zwingt.

    Damit ist sie in den Fängen der Krake namens organisiertes Verbrechen – sie ist einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Wie lapidar Naranjo die Unausweichlichkeit ihrer Lage schildert, in engen Kadragen, ohne jede Erklärungen, zeigt bravourös, wie sehr die bestens vernetzten Gangster alles kontrollieren und sich jeder fügen muss. Lauras späterer Sieg bei der Miss Baja-Wahl wird gekauft – ihr Traum verwandelt sich in einen Alptraum, dient sie doch als Lockvogel in einem Attentat, dessen Durchführung sie nicht verhindern kann und überdies dafür büßen muss.

    Traurig, stumm und mit gesenktem Kopf trottet Sigman als Laura durch den in blasse Farben gehaltenen, bewusst unterbelichteten Film und erträgt Gewalt, Erniedrigung, Missbrauch, duckt sich im Dauerfeuer der automatischen Waffen im Kriegsgebiet ihrer Heimatstadt. Dass sich ihr permanenter Angstzustand in ein vor Anspannung vibrierendes Indie-Drama fern aller Mexiko-Klischees überträgt, ist auch der Verdienst der faszinierenden Kameraarbeit, die dokumentarisch nüchtern über die Sterbenden blickt – aber das so stilstreng wie europäisches Kunstkino. Im Kontrast zwischen naiver Scheinwelt des Schönheitswettbewerbs und grauenvoller Wirklichkeit entfaltet sich die ganze Tragödie Mexikos. tk.
  • Der mexikanische Film von Regisseur Gerardo Naranjo zeichnet ein schockierendes Bild von den Zuständen in seiner Heimat. Der seit 2006 tobende Drogenkrieg hat nicht nur unzählige Opfer gefordert, er bestimmt in einigen Regionen auch den Alltag unbeteiligter Einwohner. Rivalisierende Drogenkartelle verlangen Schutzgelder, die Polizei ist korrupt, die Menschen sind in einem Strudel von Armut und Gewalt gefangen. 2011 wurde „Miss Bala“ in Cannes und zahlreichen anderen Festivals gezeigt und war Mexikos Kandidat für den fremdsprachigen Oscar.

    Naranjo und sein Co-Autor Mauricio Katz ließen sich zu Lauras Geschichte von einem Zeitungsartikel aus dem Dezember 2008 inspirieren. Dort wurde von einer jungen Frau berichtet, die der Mitgliedschaft in einem Drogenkartell angeklagt wurde. Sie sah auf dem Foto nicht nur schön aus, erinnert sich Produzent Pablo Cruz, sondern auch unschuldig, traurig und verzweifelt. Im Film wird Laura Guerrero irgendwann diese Person, eine 23-jährige Frau, die der Armut ihrer Familie entkommen will, indem sie an einem Schönheitswettbewerb teilnimmt. Die mexikanische Schauspielerin Stephanie Sigman, die ihre Karriere als Model begann, übernimmt als Laura ihre erste größere Filmrolle.

    Laura will eines Abends ihre Freundin aus einer Diskothek abholen, als dort bewaffnete Gangster das Gebäude stürmen und zahlreiche Menschen erschießen. Laura entkommt, weiß aber nicht, ob ihre Freundin noch am Leben ist. Ein Polizist liefert sie den Gangstern aus. In den drei Tagen, die die Geschichte umfasst, werden Laura und die Zuschauer des öfteren ungläubig registrieren müssen, wie weit die Macht der Drogenkartelle reicht. Obergangster Lino Valdez (Noe Hernández) hat Beziehungen bis in höchste Polizeikreise und zieht auch beim Schönheitswettbewerb die Fäden.

    Der äußerlich unscheinbare Valdez findet Gefallen an der schönen Laura. Sie befindet sich in seiner Gewalt, aber er versucht, sie auch mit Versprechungen zu ködern. Und er bemächtigt sich ihres Körpers in einer Mischung aus Lust und Machtanspruch. Der Film zeigt ausführlich, wie Valdez Bündel von Geldscheinen mit Klebeband um Lauras nackte Taille befestigt, die sie als Kurier transportieren soll. Die Kamera forscht in Lauras Gesicht, die alle körperlichen Annäherungen mit tieftrauriger, regloser Miene hinnimmt. Im Laufe ihrer Odyssee wird sie beinahe verstummen, ihre Erkenntnisse mit der vertrauten Sprache nicht mehr ausdrücken können.

    Der mexikanische Machismo und die pervertiert romantische Beziehung zwischen Valdez und Laura spielen in diesem Film eine dominante Rolle. Manchmal wirkt das dann nicht mehr nur einer um Realismus bemühten Absicht geschuldet, sondern wie eine Übernahme des ausbeuterischen Blicks. In den vielen Actionszenen mit wilden Schießereien duckt sich Laura in eine Ecke und hofft, dass die Kugeln sie nicht zufällig treffen. Mit ihr verliert auch der Zuschauer die Orientierung, sieht ihr langes Haar und hört die schrecklichen Geräusche rundum, und dann wird Laura in ein neues Auto gezerrt, zur Weiterfahrt ins Verderben.

    Fazit: Aus der Perspektive einer unschuldigen jungen Frau zeigt der mexikanische Film "Miss Bala" schonungslos, wie der Drogenkrieg das Land knechtet und knebelt.
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