Filmhandlung und Hintergrund

Adaption des erotischen Alberto-Moravia-Romans "Die Nackte".

Der gelangweilte Autor Martin verfolgt einen alten Mann, der von seiner blutjungen Freundin stehen gelassen wird. Sie war seine Geliebte und Muse für viele Aktzeichnungen. Auch Martin verfällt der pummeligen 17jährigen Cécilia und gibt sich seinen Obsessionen für sein Wunschbild von ihr hin - und findet so ein Gegenmittel für seine Langeweile.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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3 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Meine Heldin: Adaption des erotischen Alberto-Moravia-Romans "Die Nackte".

    Wer sich an Alberto Moravias Verfilmung wagt, pokert hoch. Cédric Kahn transferiert unbekümmert den Roman „La Noia“ von 1960 in das Paris der 90er Jahre, erzählt die Geschichte einer bizarren „amour fou“ und zieht dabei in einen faszinierenden Sog sexueller Obsessionen.

    Der dritte Spielfilm des 32jährigen (nach „Bar des Rails“ und „Trop de Bonheur“) überrascht durch unkonventionelle Herangehensweise. Neben dem Zeitrahmen wechselt auch der Mittelpunkt: Aus einer Männergeschichte wird eine Frauengeschichte. Die Story an sich ist nicht neu: Intelligenter Mann verliebt sich in ein um viele Jahre jüngeres Nymphchen. In der Literatur und im Film enden solche Verbindungen immer im Desaster („Der blaue Engel“, „Lolita“). Auch bei Kahn ist das Ende bald vorauszusehen, dennoch verliert sich sein zynisches Spiel um eine unlebbare Liebe, Besitzanspruch und sexuelle Hörigkeit nicht an Spannung. Der von seiner Ehefrau getrennt lebende Philosoph Martin, der gerne über Lust und Kant referiert und von Sublimierung schwafelt, beginnt eine Affäre mit der jungen Cécilia. Erst erniedrigt der Mann des Geistes das unbedarfte Mädchen, um sein schwaches Ego (und nicht nur das) aufzurichten, dann verfällt er dem schamlosen Charme der fleischgewordenen Sünde, die sich auf den ersten Blick nur als pummeliges Etwas ohne jegliche Ausstrahlung offenbart. Als sie sich ganz selbstverständlich einen zweiten, jüngeren Liebhaber zulegt, liegen bei ihm die Nerven blank, er verliert jegliche Souveränität und den Rest von Selbstachtung. Was bleibt, ist ein Häufchen Elend, das am Ende dennoch die Kraft zum Weiterleben findet.

    Geschickt nutzt der Franzose den Zusammenprall verschiedener Lebenswelten als Metapher für die Kluft zwischen den Geschlechtern. Sex hat hier nichts mit Liebe zu tun, gerade im Akt der Vereinigung sind die Protagonisten erbärmlich einsam, zwischen Geist und Gefühl besteht keine Beziehung. „Meine Heldin“ ist ein kalter, ernüchternder Film über die Unmöglichkeit der Liebe mit viel nackter Haut und provozierenden Sex-Szenen, die aber seltsam unerotisch wirken.

    Einziges Hilfs- und Ausdrucksmittel für einen in seiner Seele beschädigten Mann bleibt die Sprache. Und die wird als quälender Dauerbeschuß eingesetzt. Für den Mainstream gewöhnten Zuschauer sicherlich keine leichte Kost. Aber dieser kleine, sperrige Film sollte in Arthouse-Kinos seine Chance bekommen. mk.

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