Filmhandlung und Hintergrund

Vom Titel darf man sich nicht abschrecken lassen: Der Film ist eine muntere Komödie mit einer ungewöhnlichen Altersrolle für Dieter Hallervorden. „Mein Freund, das Ekel“: Das klingt nach freitags im „Ersten“, wo Komödien wie „Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel“ oder „Der Kotzbrocken“ meist weitaus besser sind, als ihre unnötig plumpen Titel erwarten lassen. Für diesen Film von Marco Petry gilt das ebenfalls...

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

0,0
0 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Vom Titel darf man sich nicht abschrecken lassen: Der Film ist eine muntere Komödie mit einer ungewöhnlichen Altersrolle für Dieter Hallervorden.

    „Mein Freund, das Ekel“: Das klingt nach freitags im „Ersten“, wo Komödien wie „Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel“ oder „Der Kotzbrocken“ meist weitaus besser sind, als ihre unnötig plumpen Titel erwarten lassen. Für diesen Film von Marco Petry gilt das ebenfalls. Die Tragikomödie ist ein weiterer Beleg dafür, was für ein ausgezeichneter Schauspieler Dieter Hallervorden sein kann, wenn man ihn lässt. Außerdem zeigt sich wieder mal, dass Komödianten besonders gute Schurkendarsteller sein können: Der pensionierte Lehrer Hintz ist seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen, aber auch ein derart ungenießbarer Zeitgenosse, dass es niemand länger mit ihm aushält. Also arrangiert seine Schwester Elfie (Ursela Monn) eine Win/Win-Situation: Wohnen gegen Pflege. Natürlich erfüllt keiner der Kandidaten Olafs strenge Erwartungen, und so bleibt eher durch Zufall Trixie Kuntze (Alwara Höfels) übrig, was zu einer Paarung denkbar größer Gegensätze führt: hier der hochgebildete Eigenbrötler, dort die leutselig-laute alleinerziehende Mutter dreier Kinder von offenkundig drei verschiedenen Vätern, die mehrere Minijobs hat, aber nicht lesen kann.

    Der Kontrast ist eine dankbare Basis für ein Lustspiel, aber Petry hat einen Film der eher leisen Töne gemacht. Natürlich betont die Handlung die Unterschiede zwischen den beiden Hauptfiguren, doch ein gewisser realistischer Rahmen bleibt stets gewahrt. Eine besondere Rolle spielen die Kinder, wobei sich die Geschichte alsbald auf den halbstarken Murat (Julius Gabriel Göze) konzentriert; der Junge hat sich mit ein paar üblen Gestalten eingelassen. Als sich Trixie, die außerdem noch alte Mietschulden hat, zu einem verzweifelten Schritt entschließt, geht die Zweckgemeinschaft in die Brüche.

    Mit Alwara Höfels ist die Rolle der Kontrahentin ähnlich perfekt besetzt, zumal die Schauspielerin bei ihrer Verkörperung der Frohnatur nicht übertreibt; im Grunde hätte sie sich selbst den etwas aufgesetzt klingenden Berliner Dialekt sparen können. Star des Films aber ist unzweifelhaft Hallervorden, der den Studienrat mit viel Süffisanz versieht und auf den nachlässigen Sprachgebrauch seiner neuen Mitbewohner selbstredend entsprechend empfindlich reagiert. Die Beleidigungen des verbitterten Zynikers sind umso wirkungsvoller, weil er dabei keine Mine verzieht; allerdings bleiben viele seiner Diffamierungen wirkungslos, weil Trixie die Fremdwörter nicht versteht.

    Petry hat jedoch nicht nur knackige Dialoge geschrieben, sondern auch für diverse konfrontative Momente gesorgt, wobei die Zusammenstöße keineswegs nur zwischen Hintz und Familie Kuntze erfolgen. Gleich zu Beginn hat der alte Mann eine Auseinandersetzung mit einem rücksichtslosen Autofahrer (Axel Stein in einer Gastrolle), der ihm später gar die Polizei auf den Hals hetzt. Die neue Mitbewohnerin, die er eigentlich vor die Tür setzen wollte, nimmt dem Schnösel das Segel aus dem Wind und sorgt dafür, dass nun ausgerechnet der Misanthrop Hintz als bedauernswertes Opfer eines Verkehrsrowdys erscheint. Zu den munteren Wortwechseln passt nicht nur die flotte Musik (Paul Eisenach), sondern auch die Bildgestaltung. Obwohl sich große Teile der Handlung in der Wohnung abspielen, ist die Kamera erstaunlich agil, zumal Petry und der erfahrene Kameramann Gerhard Schirlo erkennbar nach besonderen Perspektiven gesucht haben. tpg.

Kommentare