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Lotte Jäger und die Tote im Dorf

Filmhandlung und Hintergrund

Ihr zweiter Fall führt Lotte Jäger (Silke Bodenbender), Sonderermittlerin für ungelöste Altfälle beim Potsdamer Landeskriminalamt, in ein brandenburgisches Dorf: Hier ist vor 16 Jahren nach der Aufstiegsfeier des Fußballvereins eine junge Frau erstochen worden. Der leitende Ermittler, Konrad Dahlke (Hansjürgen Hürrig), hat damals nahezu alle Dorfbewohner verdächtigt. Nun ist ein Video aufgetaucht, das den feuchtfröhlichen...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ihr zweiter Fall führt Lotte Jäger (Silke Bodenbender), Sonderermittlerin für ungelöste Altfälle beim Potsdamer Landeskriminalamt, in ein brandenburgisches Dorf: Hier ist vor 16 Jahren nach der Aufstiegsfeier des Fußballvereins eine junge Frau erstochen worden.

    Der leitende Ermittler, Konrad Dahlke (Hansjürgen Hürrig), hat damals nahezu alle Dorfbewohner verdächtigt. Nun ist ein Video aufgetaucht, das den feuchtfröhlichen Abend dokumentiert. Dahlke ist überzeugt, dass der Mörder auf dem Film zu sehen ist, aber Jäger braucht nicht lange, um rauszufinden: Im Hintergrund schlummert ein Verbrechen, das vermutlich noch weitere Dorfbewohner das Leben gekostet hat.

    „Lotte Jäger und die Tote im Dorf“ ist nach „Lotte Jäger und das tote Mädchen“ (2016) der zweite Film mit der Sonderermittlerin. Das Drehbuch stammt erneut vom mehrfachen Grimme-Preisträger Rolf Basedow („Im Angesicht des Verbrechens„), Regie führte Franziska Meletzky. Sehenswert ist der Film vor allem wegen der Hauptfigur: Die Titelheldin ist eine Frau mit offenem, fast sonnigen Wesen, die sich zu Soul-Musik im offenen Cabrio des Lebens freut, aber zu oft in die Abgründe der menschlichen Natur geblickt hat. Deshalb ist Silke Bodenbender die perfekte Besetzung für diese Rolle: Gerade noch hat sie Lotte Jäger mit einer fröhlichen Herzlichkeit versehen, im nächsten Moment verdüstert sich ihr Gesicht, weil sie von einer Panikattacke heimgesucht wird; in dieser Verletzlichkeit liegt ein enormer Reiz der Figur. Auf der anderen Seite bringt Jägers Sensibilität ein feines Gespür für Zwischentöne mit sich: Sie ist zwar mitunter neben der Spur, aber gerade deshalb auf der richtigen Fährte.

    Zu den besten Filmen der erfahrenen Regisseurin, die sich mittlerweile Francis Meletzky nennt, gehört neben dem Drama „Nur eine Handvoll Leben“ (2016) nach wie vor ein Doppel-„Tatort“ aus Hannover („Wegwerfmädchen“/“Das goldene Band“, 2012). Im zweiten „Lotte Jäger“-Film ist vor allem die Einbettung der Rückblenden überaus kunstvoll. Als die Ermittlerin ins Dorf kommt, kennt sie die Einwohner bereits aus dem Video, weshalb der Film die verschiedenen Begegnungen umgehend um die entsprechenden Bilder ergänzt; das gilt auch für Jägers Spaziergänge. Sehr wirkungsstark ist zudem die akustische Ebene; kleine Toneffekte lassen einige der Einheimischen (unter anderem Alexander Hörbe, Christoph Letkowski, David Bredin) beim ersten Aufeinandertreffen wie potenzielle Unholde wirken. Und während die Gegenwartsbilder nur spärlich bevölkert sind, ist in den Rückblenden umso mehr los. Dass Jäger auch selbst als Beobachterin in den Rückblenden auftaucht, gab’s zwar schon in den „Spreewaldkrimis“, aber dafür verleihen mysteriöse kurze Einschübe dem Film einen Hauch von „Twin Peaks„.

    Gut getroffen ist nicht zuletzt Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens, die sich nach dem Mord über das Dorf gelegt hat, zumal Meletzky diese Stimmung eher unterschwellig vermittelt. Sie erzählt die Geschichte ohnehin auf angenehm unspekulative Weise; ein Wassertropfen, der sich scheinbar in Blut verwandelt, mutet fast schon plakativ an. Ansonsten entspricht das Tempo des Films dem Dialogsatz „Die Zeit hat hier keine Eile“. Davon profitiert vor allem die Hauptfigur, zumal alle drei - Basedow, Meletzky und Bodenbender - eine Ermittlerin kreiert haben, die unter den vielen Kommissarinnen tatsächlich eine Sonderrolle einnimmt. Dafür sorgt auch die bemerkenswerte Bildgestaltung durch Bella Halben, deren Kamera der Heldin immer wieder buchstäblich distanzlos nah auf die Pelle rückt, als wolle sie in ihren Kopf schauen. Dem Film ist anzusehen, dass alle Beteiligten einen ganz besonderen Krimi vor Augen hatten. tpg.

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