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Lore: Bewegende Odyssee einer von der Nazi-Ideologie überzeugten 15Jährigen durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland von 1945 und ihr Kampf mit der schrecklichen Wahrheit.

Eine 15Jährige macht sich nach der Verhaftung ihrer Nazi-Eltern mit den Geschwistern 1945 auf von Süd- nach Norddeutschland zur Großmutter. Auf dem beschwerlichen Weg durch die verschiedenen Sektoren und Militärkontrollen wird die Gruppe zeitweise von einem jungen KZ-Überlebenden begleitet, der bei der Heranwachsenden auf Vorurteile und Hass trifft. Obwohl sie die schreckliche Wahrheit ahnt, verdrängt sie diese und klammert sich verzweifelt an das nationalsozialistische Weltbild.

Kritiken und Bewertungen

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    Deutschland im Mai 1945. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Verfolgung der Nazi-Kriegsverbrecher beginnt. Auch der Vater der 15jährigen Lore wird verhaftet. Seine Frau folgt ihm bald, lässt Lore sowie ihre vier kleinen Geschwister zurück. Alleine müssen sich die Kinder auf den Weg durch das zerstörte und besetzte Deutschland schlagen, vom Schwarzwald bis nach Norddeutschland. Für Lore ist es das Ende ihrer unbeschwerten und privilegierten Kindheit. Und auch das Ende einer nationalsozialistischen Ideologie, mit der sie aufgewachsen ist und die sie nur schwer aufgeben kann, selbst als sie dem Juden Thomas begegnet, der ihr und den Geschwistern helfen will. Das fesselnde Drama der australischen Regisseurin Cate Shortland erzählt dieses deutsche Nachkriegsschicksal komplett aus Sicht der Kinder. Dadurch wirkt das Grauen härter und die Folgen des Krieges mit all seinen Entbehrungen noch schonungsloser. Dennoch erlaubt Shortland Bilder und Momente voller sinnlicher Schönheit, voller Farbenpracht und hellem Licht. Saskia Rosendahl in der Hauptrolle als Lore ist eine echte Entdeckung. In ihrer Darstellung gelingt der schmale Grat zwischen anerzogener Disziplin und einer verletzten kindlichen Seele. Doch auch die anderen Schauspieler, allen voran die Kinder, leisten Hervorragendes. Am Ende muss Lore erkennen, dass die Welt, an die sie bisher glaubte, zerbrochen ist. Doch das Leben geht weiter. Ein eindringlich erzählter und wichtiger Film, der von den unschuldigsten Opfern des Krieges erzählt: den Kindern.

    Jurybegründung:

    April 1945. Eine Familie in Deutschland in den Stunden der Agonie des NS-Staates. Der Vater, ein SS-Offizier, beteiligt an Massenmorden in Weißrussland, setzt sich ab. Die Mutter stellt sich später der Besatzungsmacht und schickt die älteste Tochter Lore und ihre vier Geschwister auf eine Odyssee durch das zerstörte Land.
    Die australische Regisseurin Cate Shortland, beeindruckt von dem so radikal "anderen" Spiegel deutscher Geschichte in dem Roman "Die dunkle Kammer" von Rachel Seiffert, notiert: "Lores Seelenlandschaft hat mich fasziniert: ein erschreckender Ort. Die Geschichte war mir wichtig, im Hinblick darauf, was es bedeutet, das Kind von Tätern zu sein."
    Die Regisseurin bekennt, mit ihrem Film in Grauzonen vorgestoßen zu sein. Lore glaubt an die NS-Ideologie. Hitler als die eigentliche Vaterfigur. Als sie die Wahrheit, oder zumindest Partikel der schrecklichen Wahrheit, zu erkennen beginnt, setzt eine Katharsis unter extremen Zwängen und in einer Zeit und Umwelt des Faustrechts, der Wolfsgesetze und der schon wieder einsetzenden Verdrängung ein. In Deutschland später als die "Stunde Null" apostrophiert, wie zwiespältig dieser Terminus auch immer sein mochte. Die "neue Zeit" - wie wird sie sein? Lores bisherige Welt liegt in Scherben und Trümmern. Gesten der Menschlichkeit sind noch rarer als die Scheibe Brot.
    LORE ist sicherlich ein unbequemer Film, der keine einfachen Lösungen offerieren will. Er ist eine geschichtliche Beschwörung der besonderen Art, eine Erinnerung, die schmerzt. Nennen wir sie eine bittere Medizin.
    Realisiert ist dieses visionäre und verstörende Geschichtsbild mit einem kompromisslosen Gestaltungswillen, mit einer Passion für suggestive Metaphern, mit einem Faible für ästhetisierende Überhöhungen - und mit einer beeindruckenden Saskia Rosendahl als Lore (vielleicht die Entdeckung dieses Filmherbstes!).
    Cate Shortlands Film kann die gleiche Qualität bescheinigt werden, die einst den Romanen eines Gert Ledig zum Nachruhm verhalf: "Das Fehlen jeder metaphysischen Absicherung, die ungeschönte Bilderfülle der Hölle auf Erden."
    Vergleichbar auch mit dem einstigen Credo des Autors Ledig: "Charaktere in dem luftleeren Raum nach der Katastrophe zu zeigen, in einer gesellschaftslosen Zeit, in der sich der Mensch bis zur Selbstentblößung entblößt zeigt."

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • In Insiderkreisen wird Cate Shortlands "Lore" schon jetzt als heißer Anwärter für den Auslands-Oscar gehandelt. Nicht ganz zu Unrecht, denn es gibt nicht viele Werke, die sich so intensiv mit der deutschen Nachkriegszeit befassen. Und erst recht keine, die deren Auswirkungen auf die nationalsozialistisch geprägten Kinder Deutschlands so ergreifend schildern. Shortland greift nicht nur ein kaum behandeltes Thema auf, sondern vermittelt dieses auch noch mit großer Authentizität und Ausdrucksstärke. Dabei ist der Film alles andere als leichte Kost und offenbart ganz unverherrlicht die Schwierigkeiten, mit denen sich deutsche Kinder nach Kriegsende konfrontiert sahen.

    Saskia Rosendahl meistert ihr Kinodebüt mit Bravur und wird für ihre Darstellung der Titelfigur zu Recht in höchsten Tönen gelobt. Als Zuschauer schwankt man ständig zwischen Mitgefühl zu und Wut auf Lore. Doch dann wird einem schnell wieder bewusst, dass die 15-jährige für ihr teils abscheuliches Handeln nicht selbst verantwortlich ist. Durch ihre nationalsozialistischen Eltern und den langen Krieg ist das Mädchen stark indoktriniert. Im Laufe ihrer Flucht nach Norden wird nach und nach alles in Frage gestellt, was sie je glaubte über das Leben, die Liebe und die Menschheit gewusst zu haben. Dabei macht Lore die besonders schmerzhafte Erkenntnis, dass ihre Eltern vielleicht im Unrecht waren. Und als sie dann auch noch Bekanntschaft mit dem jüdischen Thomas (Kai Malina) macht, weiß sie erst recht nicht mehr, was sie noch glauben soll. Während sich die jüngeren Geschwister gleich an Thomas klammern und ihn gern haben, hat Lore große Probleme damit, ihn als gleichwertig zu akzeptieren.

    Shortland porträtiert hier nicht nur die körperlichen und logistischen Probleme, mit denen die Kinder auf ihrer Reise konfrontiert werden, sondern vor allem auch die ideellen und psychischen. Lore und ihre Geschwister müssen nicht nur den Verlust ihrer Eltern, sondern auch deren unrechtes Handeln verarbeiten. Auch müssen sie lernen, ihr eigenes, rassistisch geprägtes Weltbild der Nachkriegszeit anzupassen. Dabei stehen zum Teil fast märchenhaft anmutende Sequenzen von den Kindern im Wald in starkem Kontrast zu Szenen, in denen die Verzweiflung und der Hunger der Bevölkerung hervorstechen. "Lore" ist kein Kinderfilm, aber doch einer, der auch von jungen Zuschauern geschätzt werden dürfte. Es ist durchaus vorstellbar, den Film zum Erweitern des geschichtlichen Bewusstseins auch schulisch einzusetzen. Am Ende ist "Lore" ein Werk, das wohl Zuschauer jeden Alters beeindruckt, erschüttert und bewegt.

    Fazit: "Lore" stellt die deutsche Nachkriegszeit durch Kinderaugen dar und lässt sie dadurch in ganz neuem und erschütterndem Licht erscheinen. Regisseurin Cate Shortland hat so einen bewegenden Film geschaffen, der niemanden kalt lassen dürfte.
  • Bewegende Odyssee einer von der Nazi-Ideologie überzeugten 15Jährigen durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland von 1945 und ihr Kampf mit der schrecklichen Wahrheit.

    Eine Bilderbuchfamilie scheint da in der luxuriösen Villa zu wohnen: Adrette Kinder, eine schöne Mama und ein zackiger Papa. Mit den Privilegien ist es bald aus, der Hausherr war als hochrangiger SS-Offizier am Massenmord in Weißrussland beteiligt, während der bezopfte Nachwuchs sich an Hüpfspielen erfreute. Nach der Verhaftung der Eltern durch die Alliierten macht sich die Titelfigur mit ihrer Schwester, den Zwilling-Jungs und dem wenige Monate alten Baby auf den beschwerlichen Weg von Süd- nach Norddeutschland zur Großmutter. Es wird eine von Tod begleitete Odyssee durch ein zerstörtes Land und zerstörte Seelenlandschaften.

    Dass ausgerechnet die australische Regisseurin Cate Shortland (“Somersault“) sich des diffizilen Themas annahm, hat Gründe, die deutsch-jüdische Familie ihres Mannes floh 1936 aus Berlin. So stammen auch die Fotos in der Brieftasche eines jungen Juden und KZ-Überlebenden, der sich zeitweise Lore anschließt, aus dem Familienalbum. Diese rätselhafte Figur hilft aus unerklärlichen Gründen der kleinen Gruppe bei der Flucht durch die Sektoren und beim Ausweichen der Militärkontrollen, freundet sich mit den Kindern an, während ihm Lore fast feindlich gegenüber steht, nicht nur wegen des staatlich verordneten Judenhasses, sondern auch weil sie fürchtet, ihr einziger Halt, das nationalsozialistische Weltbild könne ins Wanken geraten. Genau darum kreist die emotionale Geschichte aus der Sicht einer in sich zerrissenen Heranwachsenden, die wie so viele in der besiegten Nation noch nach der Kapitulation ihren “Führer” als Vaterfigur liebt und die Augen vor dem Horror des Holocausts verschließt. Shortland wagt es, in der subtilen Verfilmung von Rachel Seifferts Roman “Die dunkle Kammer”, auch die deutsche Zivilbevölkerung als Opfer des Faschismus zu zeigen, die nach dem Zusammenbruch versucht, zu verstehen, was mit ihr passiert ist, auf welchen Wahnsinn sie sich eingelassen hat und oft sehr schmerzvoll und widerwillig die Wahrheit erkennt. Oder wie am Ende die Großmutter einfach alles verdrängt und zur Tagesordnung übergeht. Das nachhaltige Nachkriegsdrama und überzeugt mit großartigen Bildern und Newcomerin Saskia Rosendahl in der Titelrolle als Mädchen zwischen Sicherheit und Zweifel, jugendlichen Gefühlen und Überlebenswillen. mk.

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