Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse

  1. Ø 4.5
   2004
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Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse: Aufwändige Verfilmung eines populären Jugendbuches mit Jim Carrey als Kinderschreck.

Nach dem tragischen Tod ihrer Eltern erben die drei hochbegabten Baudelaire-Kinder Violet (Emily Browning), Klaus (Liam Aiken) und Sunny (Kara und Shelby Hoffman) ein phänomenales Vermögen, welches ihnen jedoch erst bei Erreichen der Volljährigkeit ausgehändigt werden darf. Bis dahin gilt es, einen adäquaten Adoptivhaushalt unter der näheren oder entfernteren Bekanntschaft zu finden. Graf Olaf (Jim Carrey) drängt sich auf, doch der hegt unschöne Hintergedanken.

Jude Law

Nachdem ihre Eltern durch einen Brand starben, werden die drei Baudelaire-Kinder der Obhut ihres entfernten Verwandten Graf Olaf anvertraut. Doch das neue Heim entpuppt sich als Horror, wie auch sein Besitzer, der im Kampf um das Familienerbe über Leichen geht. Mit Klugheit und Cleverness entkommen die Kinder, werden aber von Olaf auf ihrer Odyssee durch die Verwandtschaft verfolgt.

Nach dem mysteriösen Feuertod ihrer Eltern landen die drei Baudelaire-Kinder Violet, Klaus und Sunny bei dem zwielichtigen Grafen Olaf. Schnell stellt sich heraus, dass der fiese Exzentriker lediglich an das Millionen-Erbe seiner Schützlinge herankommen will und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Dank Violets Klugheit überleben die Kinder jedoch den Anschlag und finden bei ihrem abenteuerlustigen Onkel Monty Unterschlupf. Aber Graf Olaf lässt nichts unversucht, das Wohlergehen der drei Waisen ein ums andere Mal zu sabotieren.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Es ist John Cleese vermutlich vertraglich untersagt, in guten Filmen mitzuspielen. Deshalb wird in „Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse“ eine Cleese scheinbar auf den Leib geschriebene Rolle von Billy Connolly übernommen, der den Schlangenforscher Onkel Monty spielt, immer eine Python um den Hals hat und Cleese in Aussehen, Mimik und Gestik zum Verwechseln ähnlich sieht – im Deutschen hat er sogar Cleeses Synchronstimme. Es ist der perfekte Film für eine skurrile Cleese-Figur, die freundlich ist und sich wirklich bemüht, der aber dann doch irgendetwas im eigenen Charakter immer im Weg steht, die Forschungsleidenschaft zum Beispiel, und deshalb nimmt Onkel Monty die Kinder Violet, Klaus und Sunny auch nicht für voll, so wie sie von allen Erwachsenen im Film gering geschätzt werden.

    Außer von Graf Olaf, dem nächsten Verwandten (und das bedeutet: der am wenigsten weit entfernt wohnende), der das Potential der Kinder erkennt: als Schlüssel zu einem großen Vermögen, das ihm, dem Schmierendarsteller, dem schlimmen Bösewicht, seiner eigenen bescheidenen Meinung nach zusteht als Vormund für die Waisenkinder.

    Es ist eine wirklich schreckliche Geschichte, die Lemony Snicket hier erzählt, als Silhouette hinter der Kirchturmuhr. Er hat alles erforscht, was im Umfeld der großen Katastrophe im Leben der Baudelaire-Kinder geschehen ist, und er weiß, dass die Geschichte durch und durch düster ist, dass den Kindern viel Übles zustößt und dass man eigentlich auch als Zuschauer besser dran ist, wenn man im Kino nebenan irgend ein schönes Märchen mit glücklichen Elfen ansieht.

    Aber wirkliche Märchen sind eben nicht gut, und sie zeigen keine heile Welt. Märchen sind voller Unglücksfälle, sie erzählen vom Verlust der Eltern, von der Suche nach Orientierung, vom bösen Zauberer, der die Helden in seine Gewalt zu bringen versucht, sie erzählen vom existentiellen Kampf um die ganze Welt der Helden. Das Böse ist übermächtig, und nur durch List und Erfindungsreichtum können die kleinen, unterlegenen Helden sich retten. Ihnen wird übel mitgespielt, sie verlieren die Eltern wie auch die Verwandten, die helfen wollen, aber zu zaghaft sind – allein stehen sie gegen den diabolischen Gestaltwandler Graf Olaf. Von ihm werden sie gejagt, und keine Unterkunft scheint sicher, weder bei Onkel Monty noch bei der hysterischen und überängstlichen Tante Josephine, die in einem Haus wohnt, das an die Klippen über dem Seufzersee angehängt ist. Überall dringt Graf Olaf ein, spürt die lukrativen Waisenkinder auf und kann die Polizei wie den Vermögensverwalter Poe narren. Ja, es ist schrecklich, wie das Schicksal mit den Baudelaire-Kindern umspringt – gut, dass alles nicht ganz so echt aussieht, denn es spielt in einer phantastischen Märchenwelt, entrückt von jedem Realismus.

    Altmodisch sieht alles aus, recht monochrom, mit Autos aus den 60ern - die gleichzeitig funkgesteuerte Zentralverriegelung haben –, eine Welt, in der die Gleichzeitigkeit vorherrscht, Altes und Neues zugleich, die deshalb zeitlos ist wie, ja eben wie ein Märchen. Die schwarzromantische, timburtoneske Welt macht das Drama weniger tragisch, und gleichzeitig wird das Geschehen abstrahiert, ein Wort, das hier „gültig für alles und jeden“ bedeutet.

    Denn Lemony Snicket erzählt vor allem vom Verlust und von der Trauer der Kinder um die Eltern, der von den Erwachsenen kein Raum gegeben wird. Doch der Film handelt auch vom Witz und Einfallsreichtum der Kinder und von der turbulenten Flucht vor Graf Olaf und vom Erwachsenwerden und von großen Schauwerten, im Studio erbaut, und davon, dass man nichts essen sollte, bevor man ins Wasser des Seufzersees steigt. Die Geschichte beinhaltet für jeden etwas, und deshalb ist es gut, dass Lemony Snicket jeden eindrücklich vor ihr warnt; denn wer will sich schon ansehen müssen, wie ein Auto mit Kindern drin beinahe von einem Zug zerquetscht wird oder wie ein Haus mit Kindern drin vom Fels weggeweht wird oder wie die Kinder mit vielen grauslichen Schlangen, darunter die „Tödlichste aller Vipern“, zu tun haben?

    Lemony Snicket, der Erzähler, erfindet sich selbst als Phantom, und er kann es sich leisten, mit ironischer Koketterie vor seiner eigenen Geschichte zu warnen. Brad Silberling, der zuletzt mit der Tragikomödie „Moonlight Mile“ seinen meisterlichen einfühlsamen Stil unter Beweis gestellt hat, kann also ohne Sorge leicht und sicher und voller Detailfreude Snickets Stoff verfilmen – die Zuschauer wurden ja gewarnt, und wer jetzt noch im Kino sitzt und zusehen will, wie sich die moderne mit der phantastischen Welt der gothic novels vereinen, oder wie Kinder gezwungen werden, in einer zugemüllten Küche ein leckeres Essen zuzubereiten inklusive Abwasch, der muss ja wissen, was auf ihn zukommt. Ein Film nämlich, der einfach ist, wie Märchen einfach sind, und vielschichtig, wie Märchen vielschichtig sind, und der aber dann doch kein schönes Happy End bieten kann, weil die Flucht der Waisen vor Olaf, weil das Leben der Kinder immer weitergeht – und dieser Satz bedeutet „hoffentlich wird es noch mehr Lemony Snicket-Verfilmungen geben“.

    Fazit: Hervorragender märchenhafter Film, der Kinder für voll nimmt und Erwachsene nicht für dumm verkauft.
  • Zumindest das Kino nimmt Kinder ernst, wenn auch nicht unbedingt aus humanitären Gründen. Welches wirtschaftliche Potenzial in Filmen steckt, die Kinder magnetisch ins Kino ziehen, zeigte weltweit das Potter-Phänomen, das nun einen Erben finden soll. In den schrecklich-schönen Geschichten von Lemony Snicket, der nicht nur als Erzähler, sondern auch als schützende Hand drei Waisenkinder auf ihrem Weg durch das Abenteuer Leben begleitet. Die erste Verfilmung der Bestsellerreihe von Lemony Snicket, alias Daniel Handler, ist ein vielverprechender Start in ein neues Franchise: attraktiv und fantasievoll visualisiert, mit guten Kinderdarstellern und Superstar Jim Carrrey besetzt, kompatibel für Kinder und Erwachsene. Hithoffnungen für diesen Neuling, der in den USA bereits zum 100-Millionen-Dollar-Club gehört, sind somit mehr als berechtigt.

    Elf Bücher hat das gewitzte PR-Schlitzohr Snicket mittlerweile produziert. Die ersten drei, „Der schreckliche Anfang“, „Das Haus der Schlangen“ und „Der Seufzersee“, bilden die Basis für Snickets Kinodebüt, das in „Casper“-Regisseur Brad Silberling einen adäquaten Nachfolger für den ursprünglich vorgesehenen Barry Sonnenfeld gefunden hat. Bereits zur Ouvertüre wird die heile Kinderwelt rotzfrech als Illusion enttarnt, bricht Erzähler Snicket, im englischen Original wunderbar von Jude Law gesprochen, ein kitschiges Animationsmärchen abrupt ab, um zu einer neuen Geschichte anzusetzen, die kindgerecht magisch, aber in ihren Themen auch in der Realität verwurzelt ist. Das Leben ist hier bedrohlich, doch nie ohne Ausweg und Hoffnung. Die Erwachsenen variieren zwischen gutherzig und dämonisch, zeigen aber einen gemeinsamen Zug, weil sie Kindern nie zuhören. Die Kids brauchen Geborgenheit, erweisen sich aber im Handeln reifer als die älteren Generationen und als gewitzte Problemlöser. Hauptfiguren sind die drei Baudelaire-Geschwister: die 14-jährige Violet, eine vernunftbegabte Erfinderin, der zwölfjährige Klaus, ein allwissender Bücherwurm und Schnullerfloh Sunny, deren altkluges Kleinkindgebrabbel nur von ihren Geschwistern verstanden wird. Der Zuschauer bekommt Verständnishilfen durch Untertitel, die zu den komischen Highlights des Films gehören. Der freche Witz zeigt sich im Dialog, im Ton des Erzählers, aber auch in visuellen Randnotizen, wie etwa zu Beginn in einem Scrabblespiel, in dem sich beinhart erwachsene Obsessionen verstecken.

    Wie in vielen berühmten Märchen sind die Baudelaires Waisen, nachdem ein Brand ihre Eltern getötet hat. Von einem sympathischen, aber naiven Vormund werden sie auf eine Odyssee durch ihre Verwandtschaft geschickt, die sie in Pflege nimmt. Den Anfang macht der selbstverliebte, durchtriebene und skrupellose Graf Olaf, der es nur auf das Erbe abgesehen hat und die Kinder schnell und sprichwörtlich aufs (tödliche) Abstellgleis schiebt. Dank der Koalition ihrer kreativen Kräfte bleiben sie am Leben. Weniger Glück ist ihren nächsten Pflegeeltern beschieden, einem liebenswerten Onkel (Billy Connolly) und einer überängstlichen Tante (Meryl Streep), die beide Opfer des in verschiedenen Verkleidungen auftauchenden, nur von den Kindern durchschauten Grafen werden. Mit Hakennase, Schütterhaar und der gebotenen Theatralik eines Mannes, der sich (eine hübsche Ironie) für einen verkannten großen Schauspieler hält, zieht Jim Carrey hier ungebremst vom Leder, kann sogar seine auf Preisverleihungen bereits präsentierte „Raptoren“-Nummer zum Besten geben. Wer nicht ausgesprochen Carrey-phob in diesen Film geht, amüsiert sich über seinen penetranten Grafen, der wie das Gesamtambiente kontrolliert bedrohlich wirkt. Obwohl der komplett im Studio gedrehte Film, der in Kamera, Design, Musik und Kostümen Spitzenkräfte beschäftigt, in Bildern und Handlung von einem düsteren Ton geprägt ist, ist dieser nie übermächtig, finden die Kinder selbst Antworten auf die Probleme, die das Leben ihnen in den Weg stellt. Damit ist dieser Silberling, der im Transfer zu einem visuellen Medium erwartungsgemäß Charaktervertiefungen zugunsten von Schauwerten opfert, zwar pädagogisch, vor allem aber auch unterhaltsam. Für Kinder und Erwachsene. kob.

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