Filmhandlung und Hintergrund

Es ist ein Alptraum für die Berliner Klinikärztin Nora Schwarz: der geliebte Mann erschossen, die kleine Jella entführt, sie selbst hat zwei Schüsse in den Bauch nur um Haaresbreite überlebt, dann geht auch noch die Lösegeldübergabe schief - und die Polizei hat nichts Besseres zu tun, als zu vermuten, sie habe das alles selbst angezettelt. Das ist eine spannende Geschichte, keine Frage, zumal das Drehbuch von...

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Kritikerrezensionen

  • Es ist ein Alptraum für die Berliner Klinikärztin Nora Schwarz: der geliebte Mann erschossen, die kleine Jella entführt, sie selbst hat zwei Schüsse in den Bauch nur um Haaresbreite überlebt, dann geht auch noch die Lösegeldübergabe schief - und die Polizei hat nichts Besseres zu tun, als zu vermuten, sie habe das alles selbst angezettelt.

    Das ist eine spannende Geschichte, keine Frage, zumal das Drehbuch von Grimme-Preisträgerin Hannah Hollinger („Grenzgang“) mit einer Vielzahl unerwarteter Wendungen überrascht; aber über 180 Minuten trägt sie nicht. Das Konzept ist jedoch hochinteressant, weil die Handlung immer größere Kreise zieht, um am Ende doch wieder beim Ausgangspunkt zu landen. Zunächst gibt es jedoch keinen Grund, an einer Entführung des gerade mal ein Jahr alten Babys zu zweifeln. Nachdem Nora (Petra Schmidt-Schaller) wieder zusammengeflickt worden ist, schleppt sie sich aus dem Krankenhaus. Die Kidnapper wollen zwei Millionen, hauen aber mit dem Geld ab; das Kind bleibt verschwunden. Ein Jahr später gibt es eine neue Forderung. Diesmal hat Nora ihren Ex-Freund Robert (Murathan Muslu), einen ehemaligen BKA-Beamten, um Hilfe gebeten, doch die Kidnapper sind erneut clevererer. Immerhin findet Nora mit Roberts Hilfe raus, dass ein Anwalt (Max Hopp) Kinder an adoptionswillige europäische Paare verkauft. Als der Mann erschossen wird, scheinen sich sämtliche Hoffnungen in Luft aufzulösen.

    „Keine zweite Chance“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Krimischriftstellers Harlan Coben. Die vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Erfolgsregisseur Matti Geschonneck bekannte Hollinger hat sich in den Grundzügen an die Vorlage gehalten, aber ein entscheidendes Detail verändert: Im Buch stirbt nicht der Mann, sondern die Frau; Hilfe bekommt er von seiner früheren Freundin, einer FBI-Agentin. Ansonsten hat die Autorin die komplexe Geschichte plausibel auf deutsche Verhältnisse übertragen. Trotzdem hat der Film gewisse Längen; selbst die Einführung immer wieder neuer Figuren kann nicht verhindern, dass 180 Minuten einfach zu lang sind. Regie führte Alexander Dierbach („Tannbach“), der zuletzt gleich vier nicht nur sehenswerte, sondern zum Teil herausragend gute Episoden für die Reihe „Helen Dorn“ inszeniert hat. Während die ZDF-Krimis jedoch nicht nur über eine sehr präsente Hauptdarstellerin, sondern über auch eine starke Hauptfigur verfügen, lebt „Keine zweite Chance“ vor allem von Petra Schmidt-Schaller und weniger von der Rolle, die sie verkörpert. Bauen sich Sympathie und Identifikationsbereitschaft normalerweise über Persönlichkeit, Charaktereigenschaften oder ein bestimmtes Verhalten auf, sorgt hier in erster Linie Noras Schicksal für Empathie; und natürlich die Hauptdarstellerin. Diese Vorgehensweise birgt den Nachteil, dass die Anteilnahme nachlässt, wenn die Figur auf die Facette der verzweifelten Mutter beschränkt bleibt. Daran ändert auch das Auftauchen Roberts nichts; der im deutschen Fernsehfilm viel zu selten besetzte Wiener Murathan Muslu ist zwar ein charismatischer Schauspieler, aber die Beziehung zwischen Nora und dem ehemaligen BKA-Mann bleibt bloße Behauptung. Die weiteren Nebenfiguren kommen kaum ohnehin über B-Movie-Status hinaus, allen voran die von Josefine Preuß als schießfreudige Gangsterbraut verkörperte vermeintliche Entführerin, die eine Vergangenheit als früh verglühtes Popsternchen hat. Während Teil eins theoretisch auch den Anspruch eines Montagskrimis im ZDF erfüllen würde, käme Teil zwei mit seinen Schießereien und den diversen Toten dafür kaum noch in Frage. tpg.

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