Filmhandlung und Hintergrund

superbe One-Woman-Show mit Tilda Swinton als alkoholabhängige Kidnapperin, die Muttergefühle für ihr Opfer entwickelt.

Alkoholikerin Julia (Tilda Swinton) ist ein animalisches Miststück, das nachts Männer verschlingt und tagsüber im sozialen Abseits steht. Ihren Billigjob verliert sie wegen Unzuverlässigkeit, ihren einzigen Freund Mitch (Saul Rubinek) vergrault sie. Dann engagiert die mexikanische Nachbarin sie als Fahrerin, weil sie ihren beim Großvater lebenden Sohn entführen möchte. Aber Julia kidnappt den 9-Jährigen lieber auf eigene Rechnung - ein schwerer Fehler.

Erick Zonca

Julia ist Alkoholikerin und Schlampe. Ihren Billigjob verliert sie wegen Unzuverlässigkeit. Als sie eine mexikanische Nachbarin bittet, das Auto zu fahren, mit dem sie ihren beim Opa lebenden Sohn entführen möchte, kidnappt Julia den Neunjährigen lieber auf eigene Rechnung, um den Großvater um zwei Mio. Dollar zu erleichtern. Doch alles läuft schief.

Julia ist eine animalische Frau, Objekt der Begierde, Schlampe und ein Wrack, wacht nach One Night Stands angeekelt auf. Ihren Billigjob verliert sie wegen Unzuverlässigkeit. Eine mexikanische Nachbarin möchte ihren beim Opa lebenden Sohn entführen, Julia soll das Auto lenken. Die kidnappt den Neunjährigen lieber auf eigene Rechnung, um den Großvater um zwei Mio. Dollar zu erleichtern. Nach einer Irrfahrt landet sie mit dem Jungen in Mexiko. Dort schnappen sich ihn einheimische Kidnapper, die nun Lösegeld von ihr fordern.

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Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Der Film nimmt viele Wege, ohne Vorwarnung begibt er sich ständig auf neue Pfade, schlägt eine Schneise durch alle Genres, und dabei versäumt er nichts, kommt vom hundertsten ins tausendste und sieht doch immer den Wald hinter den Bäumen – anders als Julia, seine Titelfigur, die wir hier kennenlernen, der wir folgen, die ganz nach dem Affekt lebt, völlig losgelöst, haltlos und ganz außer Kontrolle, mit falscher Realitätswahrnehmung und ungebändigter Wildheit. Eine Verrückte, die das Glück hat, in einer verrückten Welt zu leben, so dass sie doch durchkommt.

      Es beginnt als Sozialdrama um eine Alkoholikerin, Einsamkeit und Lebensüberdruss führen zu Schnaps, Partys, kaltem Sex mit Fremden. Dann wird’s zu einem Psychodrama, wenn sich zwei Verrückte gegenseitig hochschaukeln und die eine zudem die andere mit einem noch verrückteren Plan zu übertrumpfen, zu bescheißen versucht; es folgt Entführungsthriller, schließlich Bandenkrieg in Mexiko – eins führt zum anderen, entlang Julias aktivistischer Spontanhandlungen, die sie ohne Sinn und Verstand im Glauben an ihren tollen Masterplan ausführt. Verschiedene Filmteile in verschiedenen Genres, die doch jeweils vollständig durchgeführt, auserzählt werden – positiv gewendet, sieht man hier mehrere Filme in einem Film, negativer gesehen ist der Gesamteindruck, dass „Julia“ etwas zu zerfahren ist, dass ihm ein wirkliches Zentrum fehlt.

      Außer natürlich Julia, von Tilda Swinton wirklich unheimlich gut porträtiert, mit ihrer vollkommenen Irrationalität, mit dem Zynischen, dem Arroganten, dem Harten - das alles ist aber eher Ausdruck von Hilflosigkeit und Desorientierung. Sie hält den Film zusammen, mit ihren ganzen Ups und Downs. Mit ihrer Welt des Scheins, des Blendens, der Lügen, der Gefühlskälte, die sie entfaltet – und die von Regisseur Erick Zonca fast schon als Farce inszeniert ist, wenn Julia ihren verrückten Plan durchführt, der auf einer utopischen Hoffnung auf Geld und Glück fußt: die Entführung eines Kindes nämlich, vollkommen konfus und doch mit dem tiefen persönlichen Wissen, immer Herr der Lage zu sein (was durch die Wirklichkeit niemals auch nur im mindesten bestätigt wird). Mitch, ein Freund, der sich als Julias rettender Engel sieht, ist Ex-Alki, der sein Kind halbtot geschlagen hat und nun den richtigen Weg gefunden hat, und Julia verscheucht ihn, weil sie genau das ist, was er in ihr sieht: ein unkontrollierte, unkontrollierbare, selbstmörderische Alkoholikerin.

      Dass sie dabei reinfällt auf die wahnsinnige Geschichte einer psychotischen Frau, dass das Geld nicht so nah ist, wie es scheint, dass das doppelte Spiel, das sie zu spielen versucht, nicht so leicht ist, wie sie hofft: all diese Rückschläge können sie nicht abhalten. Mit einer schwarzen Maske des Todes und ständig gezückter Pistole bedroht sie den verängstigten neunjährigen Tom und bettelt gleichzeitig um sein Vertrauen – ihre Unberechenheit führt zu folgenschweren Kurzschlussreaktionen, und Zonca zeigt dies in einem geradewegs ironischen, ganz offenen, sehr pointierten Stil.

      Der Junge nackt in Badehosen, das Versteck in der Wüste, nach gescheiterter Geldübergabe Flucht mit einem dehydrierten, dem Tode nahen Kind auf dem Rücksitz, plötzlich nachts ein Hubschrauber der Grenzpolizei, rasende Jagd – eine Mauer aus dem Nichts, ein Durchbruch mit dem Wagen, und sie ist unversehens in Mexiko. Eine weitere Kapriole des Films, eine weitere Situation, mit der Julia fertig werden muss, ein weiterer Teil des Films, der eine neue Tonart anschlägt.

      Sicher, es gibt Längen in dem Film, vielleicht, weil er nie verrät, wo er als nächstes hinführt. Seine Dramaturgie führt zu Brüchen, die ja beabsichtigt sind, doch eines ergibt sich aus dem anderen, wenn auch über überraschende Volten des Plots. Und Tilda Swinton macht die unverantwortliche Julia, die nicht weiß, was sie tut, direkt zu einer liebenswerten Person, in all den Exzessen, die wir miterleben. Am Ende, wenn ihr Entführungsopfer in Tijuana von abgefuckten pistolenschwingenden Gangstern entführt wird, da macht sie in ihrer Konfusion in einer konfusen Situation alles richtig. Wenn’s zugeht wie in einem Wespennest, mit Gangs und Waffen, einer Menge Geld, Drohungen und Leichen, dann kommt sie als professionelle Blenderin, als notorische instinktive Lügnerin durch. Hält verzweifelt alle Bälle in der Luft, und wenn einer fällt, nimmt sie einen anderen auf – und immerhin verliert sie nicht völlig in diesem Wahnsinnsspiel, immerhin kann sie ein Unentschieden rausholen.

      Fazit: Sozial- und Psychodrama, Krimi, Thriller, Gangsterfilm: etwas verzettelt ist Erick Zoncas Film geworden, etwas zu lang. Doch zusammengehalten wird er von einer großartigen Tilda Swinton und vielen wunderbar inszenierten Sequenzen, die perfekt auf den Punkt gebracht werden.
    2. Julia: superbe One-Woman-Show mit Tilda Swinton als alkoholabhängige Kidnapperin, die Muttergefühle für ihr Opfer entwickelt.

      Eine superbe One-Woman-Show mit Tilda Swinton als alkoholabhängige Kidnapperin, die Muttergefühle für ihr Opfer entwickelt.

      Am Anfang stand Helmut Newtons außergewöhnliches Foto einer rothaarigen Frau, die im BMW durch L.A. düst. Erick Zonca („La vie revée des anges“) wollte dieses glamouröse Image mit Gewalt verbinden, mit einer Person, die unter dem Einfluss von Alkohol sich mehr und mehr verliert, sich zerstört. Julia ist eine animalische Frau, die Nacht ist ihr Revier. Sie ist Objekt der Begierde, Schlampe und ein Wrack, tanzt wie wild, macht Männer an und wacht nach One Night Stands angeekelt auf. Ihren Billigjob verliert sie wegen Unzuverlässigkeit, ihren einzigen Freund Mitch stößt sie vor den Kopf. Eine Beziehung könnte in Verbindlichkeit ausarten. Eine mexikanische Nachbarin möchte ihren beim Opa lebenden Sohn entführen, Julia soll das Auto lenken. Die geht scheinbar auf den Plan ein und kidnappt den Neunjährigen lieber auf eigene Rechnung, um den Großvater um zwei Mio. Dollar zu erleichtern. Alles läuft schief, nach einer Irrfahrt landet sie mit dem Jungen in Mexiko. Dort schnappen sich ihn einheimische Kidnapper, die nun Lösegeld von ihr fordern.

      Erick Zonca stellt in diesem Genre-Mix aus Action, Drama und Psychogramm zwei Menschen gegenüber - die permanent plappernde und notorisch lügende Julia, den schweigsamen und nach der Wahrheit fragenden Jungen, der reifer ist als die 40jährige, die sich weigert erwachsen zu werden und vor der Realität flüchtet. Wie aus der Verantwortung ablehnende eine Verantwortung übernehmende Frau wird, die plötzlich Muttergefühle hegt und wie ein Löwe für ihr Junges kämpft, das wird bei einer vor Energie strotzenden Tilda Swinton, der einstigen Derek Jarman-Muse, zur spektakulären und furiosen Performance. Wenn sie auf High Heels schwankt, morgens hastig in fremden Zimmern ihre Klamotten zusammen sucht, sich wie der letzte Dreck vorkommt und vergeblich versucht, die Tiefschläge des Lebens zu parieren, das ist eine bärenstarke Leistung. Es gibt keine Moral im schockierenden Bildnis einer Trinkerin, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden, und kein Urteil über die Figur, sie muss die Konsequenzen ihrer Taten tragen. Am Ende Lebenswut, keine Erlösung, aber eine Entwicklung. Julia weiß, dass außerhalb ihres egozentrischen Kosmos auch noch andere Menschen existieren, für die es sich zu leben lohnt. Ein Berlinale-Highlight. mk.

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