Jack

  1. Ø 4.3
   2014

Jack: Drama um einen zehnjährigen Jungen, Jack, der mit seinem jüngeren Bruder seine verschwundene Mutter sucht.

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Filmhandlung und Hintergrund

Jack: Drama um einen zehnjährigen Jungen, Jack, der mit seinem jüngeren Bruder seine verschwundene Mutter sucht.

Jack (Ivo Pietzcker) ist zehn Jahre alt und kommt aus schwierigen Verhältnissen. Seine Mutter Sanna (Luise Heyer) ist selbst erst 26 Jahre alt und hat bereits zwei Kinder, außer Jack noch den vier Jahre jüngeren Manuel (Georg Arms). Beide Kinder haben unterschiedliche Väter und keiner der beiden Männer kümmert sich um seinen Nachwuchs.

Sanna ist mit ihrer Situation als alleinerziehende Mutter mehr als überfordert und trifft eines Tages eine schwerwiegende Entscheidung. Um zu verhindern, dass ihr das Jugendamt beide Söhne wegnimmt, schickt sie Jack freiwillig in eine Einrichtung der Jugendhilfe und beantragt, dass wenigstens ihr jüngerer Sohn bei ihr wohnen bleiben darf. Für Jack bricht damit jedoch eine Welt zusammen und der Junge hat massive Probleme, sich in seiner neuen Umgebung zurechtzufinden.

Das Einzige, was Jack dazu bringt, nicht an seiner neuen Lage zu verzweifeln, ist seine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach Hause und die Sommerferien, die er mit seiner Mutter verbringen darf. Doch als der letzte Schultag ansteht, holt niemand den kleinen Jungen von der Schule ab und Sanna ist nirgends aufzufinden. Der völlig verunsicherte Jack gerät daraufhin mit einem anderen Kind in Streit und flieht aus dem Kinderheim. Er rennt nach Hause, doch dort er trifft seine Mutter nicht an.

Sein kleiner Bruder Manuel ist derweil bei den Nachbarn und kann Jack auch nicht erklären, wo ihre Mutter geblieben sind und so beschließen die beiden Kinder, sich auf die Suche nach Sanna zu machen. Gemeinsam durchstreifen sie ohne rechten Plan die Straßen von Berlin. Niemand nimmt sich der beiden an und so dauert es mehrere Tage, bis sie letztlich beschließen, unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu gehen.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Jack ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Manuel in Berlin. Jacks Mutter ist noch sehr jung und ihre Versuche, die Verantwortung als Mutter mit ihren eigenen Wünschen als junge Single-Frau unter einen Hut zu bringen, scheitern meist. Und so muss Jack oft die Erwachsenenrolle übernehmen, kocht für Manuel, räumt die Wohnung auf, ist der Mann im Haus. Als das Jugendamt entscheidet, Jack von seiner Mutter zu trennen und in eine Wohngruppe zu geben, lässt Jack sich das nicht lange bieten. In den Ferien büchst er aus und kehrt zurück zu seiner Mutter. Doch die ist nicht da, wie vom Erdboden verschluckt. Kurzentschlossen holt er seinen kleinen Bruder und begibt sich auf die Suche nach ihr. In leisen Tönen erzählen Regisseur Edward Berger und seine Co-Autorin Nele Mueller-Stöven von der Großstadt-Odyssee des zehnjährigen Jack. Dabei behält der Film stets die Perspektive des Kindes im Blick, die Kamera folgt ihm und zeigt die Welt aus seinem Blickwinkel. In der Rolle des Jack leistet der Jungdarsteller Ivo Pietzcker Großes. Seine Mimik reflektiert Entschlossenheit, Reife, Verantwortungsbewusstsein. Stoisch und pragmatisch denkt und handelt er, macht, was gemacht werden muss, ohne zu jammern oder aufzugeben. Doch in vielen Momenten blitzt auch die verletzliche Kinderseele auf, dann spürt der Zuschauer die Einsamkeit des Jungen und die Sehnsucht nach einer Mutter. Den dokumentarischen Eindruck unterstützt das gut gewählte und authentische Setting. Berlin spielt eine wichtige Rolle, denn in der Reise der Brüder setzt sich der Film auch mit der Anonymität und der Größe dieser Stadt auseinander. All diese Aspekte verarbeitet Berger nicht in anklagenden Bildern und Szenen. Sein Film fällt kein moralisches Urteil, er zeigt schlicht, wie es nun mal ist. Nicht nur im Film, sondern eben auch im wahren Leben. Starkes und beeindruckendes deutsches Kino mit einem überragenden Hauptdarsteller.

    Jurybegründung:

    Jack ist ein Junge von vielleicht 10 Jahren, der mit seiner jungen Mutter Sanna und seinem kleinen Bruder Manuel irgendwo in Berlin lebt. Sanna will noch etwas vom Leben haben, sie will feiern, lieben - und sich am liebsten nicht um ihre Kinder sorgen, die sie gerne mal vergisst und vernachlässigt, ohne es aber aus böser Absicht heraus zu tun. Es passt nur einfach nicht zusammen - das Leben, das sie sich erträumt hat und die beiden Kinder von verschiedenen Männern, die abgehauen sind. Alleingelassen wurde sie mit der Verantwortung, die sie nicht tragen will und kann. Und so wird Jack viel abverlangt - mehr als ein Junge in seinem Alter leisten kann. So sehr er sich auch bemüht: Die Familie, die vielleicht niemals eine war, droht auseinanderzubrechen. Und für Jack und Manuel beginnt eine Odyssee, bei der die beiden ganz auf sich alleine gestellt sind.

    Schon die ersten Bilder machen klar, dass sich Edward Berger und seine Co-Autorin Nele Mueller-Stöfen (die in dem Film auch eine wichtige Rolle als Heimerzieherin spielt) bedingungslos auf ihren herausragenden kleinen Hauptdarsteller einlassen. Die Kamera folgt jeder Bewegung von Jack, begibt sich auf seine Höhe, seine Perspektive hinab und zeigt die Welt einer sommerlichen Großstadt aus dem Blickwinkel eines Kindes, das viel zu früh erwachsen werden musste. Es ist die Sichtweise eines Kindes, die man selten bis nie im deutschen Kino so sieht: Ungeschönt, desillusioniert und dennoch durch die bedingungslose Nähe und Zärtlichkeit für Jack ungeheuer faszinierend. Wie gebannt folgt man dem Weg des Jungen, bangt und hofft mit ihm, wird immer wieder aufs Neue enttäuscht, ohne dabei Sanna moralisch zu verurteilen. Eine Balance, die kaum ein Film mit solch einem schwierigen Thema jemals derart gekonnt hinbekommt. Auch dramaturgisch leistet der Film ganze Arbeit, vertraut voll und ganz auf das kontrollierte Spiel des kleinen Ivo Pietzcker, lässt seine emotionalen Spitzen und Wendepunkte ganz nebenbei entstehen und gewinnt gerade durch diese Zurückhaltung, was Zuspitzungen anbelangt, auf der ganzen Linie. Ein Meisterwerk!

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Das deutsche Drama "Jack" erzählt die bittere Geschichte eines Jungen, der versucht, seine kleine Familie zusammenzuhalten. Regisseur Edward Berger (TV-Filme "Mutter muss weg", "Ein guter Sommer") verfasste das Drehbuch gemeinsam mit der Schauspielerin Nele Mueller-Stöfen. Im Zentrum des intensiven und dennoch minimalistisch-wortkargen Films steht der junge Darsteller Ivo Pietzcker, der seine erste Rolle vor der Kamera beeindruckend meistert.

    Einiges in der Geschichte widerspricht dem Klischeebild einer dysfunktionalen Familie. Vor allem geht die junge Sanna sehr liebevoll mit den Kindern um: Dass eine Frau nicht pflichtbewusst und reif genug für die Mutterrolle ist, heißt hier nicht automatisch, dass sie auch gefühlskalt oder böse sein muss. Man kann nachvollziehen, warum die Kinder so an ihr hängen, aber Sannas Sprunghaftigkeit bürdet Jack zu viel Verantwortung auf. Eine zentrale Rolle spielt die tagelange Odyssee der beiden Kinder durch Berlin. „Wir brauchen den Schlüssel", schreibt Jack der abwesenden Mutter auf einen Zettel, den er vor die abgesperrte Tür legt: Dass er ein Zuhause braucht, traut er sich wohl nicht zu sagen. Während dieser Suche macht Jack einen inneren Prozess durch, eine Art Läuterung, die ihn schließlich eine überraschende Konsequenz ziehen lässt.

    Jack ist durchgehend sehr ernst und fast reglos in seiner Mimik. Er redet nicht viel, mit wem auch... Seine Rolle ist immer wieder eine andere: Sich und dem kleinen Bruder etwas zu essen und einen Schlafplatz zu besorgen, sich in der mehr oder weniger anonymen Stadt zurechtzufinden. Oft wirkt Jack auf irritierende Weise routiniert, wie ein zielstrebiger Profi. Der apathische Gesichtsausdruck des kleinen Bruders hingegen verweist darauf, wie verstört er ist. In den langen Einstellungen bleibt die Kamera oft sehr nahe an Jack dran. Wenn sie ihm auf Schritt und Tritt folgt, ist die Orientierung des Zuschauers ähnlich eingeschränkt wie die des Hauptcharakters. Das emotional zurückgenommene Drama verfügt über eine stilistisch ausgeprägte Handschrift, allerdings bleibt relativ unklar, welche Botschaft die Filmemacher verfolgen.

    Fazit: Das Drama "Jack" erzählt die bewegende Geschichte eines vernachlässigten Jungen, der um seine Familie kämpft, recht wortkarg und distanziert.
  • In Edward Bergers realitätsnahem Sozialdrama irren ein Zehnjähriger und sein kleiner Bruder auf der Suche nach ihrer Mutter tagelang durch Berlin.

    Als leises Sozialdrama um die Reise eines zehnjährigen Jungen, der früh gelernt hat Verantwortung zu übernehmen, überzeugte „Jack“ auf der Berlinale 2014. Edward Berger („Ein guter Sommer„), Grimme-Preisträger und vor allem als TV-Regisseur tätig, und seine Lebensgefährtin, die als Schauspielerin bekannte Koautorin Nele Mueller-Stöfen verstehen es perfekt, sich ins Seelenleben ihres Mini-Helden – grandios verkörpert von Ivo Pietzcker – hineinzudenken und beschreiben lakonisch und poetisch von dessen Suche nach seiner im Grunde herzensguten, aber überforderten jungen Mutter, die ihn wegen ihres neuen Freunds einfach vergessen hat.

    Frühmorgens lernt der Zuschauer Jack und seinen Bruder kennen. Die Sonne scheint durchs Fenster. Der Ältere springt auf, rennt in die Küche, mischt Müsli und Milch, holt Anziehsachen von der Wäscheleine. Routiniert macht er sich und den kleinen Manuel (Georg Arms) fertig, wenige Minuten später sind die beiden schon auf dem Weg in die Schule. Jack, das wird in dieser Szene sofort klar, hat gelernt für sich selbst zu sorgen. Mama Sanna (Luise Heyer) ist oft nicht da, trotz ihrer 26 Jahre selbst noch ein Kind. Manchmal jobbt sie in der O2-Arena, nachts zieht sie durch Clubs, lässt sich auf wechselnde Männer ein – und hat so oft einfach keine Zeit für ihre Kids.

    Jack landet im Heim, weil Manuel sich mit heißem Wasser verbrüht hat. Die Mutter, die ihn in die Ferien abholen soll, sagt via Telefon ab: „Ist doch nicht schlimm, oder?“ „Nö“, antwortet Jack cool mit todtraurigem Blick und macht sich, nachdem er den Bruder bei einer Freundin Sannas gefunden hat auf die Suche nach ihr. Auf die Nachrichten, die er ihr auf kleinen Zetteln und der Mailbox hinterlässt, reagiert sie nicht. So beginnt für die Buben eine Odyssee durch Berlin. Avus, Friedrichstraße, Messedamm, Parks und öde Grünflächen; geschlafen wird in einem Auto in einer Tiefgarage, flugs werden in einer Bäckerei Kaffeesahne und Tütenzucker eingesteckt, die Mahlzeiten so ersetzt. Um sich endlich aus seiner misslichen Lage zu befreien, wagt Jack in letzter Konsequenz einen geradezu unglaublichen Schritt.

    Die Handkamera Jens Harants bewegt sich auf Augenhöhe der Kinder, ausschließlich aus deren Perspektive wird die Geschichte erzählt. Eher gemächlich ist das Tempo, es gibt keine hektischen Schnitte, sondern zahlreiche Plansequenzen. Die Dinge sind wie sie eben sind, es geht um Not, Einsamkeit und Überforderung. Schuldzuweisungen bleiben aus. „Jack“ ist eine fast dokumentarische Momentaufnahme aus dem wirklichen Leben, festgehalten in eindringlichen Bildern. Viel wird hier von der modernen, kalten Großstadtgesellschaft verraten. geh.

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