Filmhandlung und Hintergrund

Intelligenter Mix aus Wissenschafts- und Liebesdrama, in dem ein atheistischer Molekularbiologe eine Entdeckung macht, die seine Weltsicht ins Wanken bringt.

Dem Molekularbiologen Ian, der sich zusammen mit seiner Assistentin und späteren Frau Karen mit der Evolutionsgeschichte des Auges beschäftigt, gelingt eine bahnbrechende Entdeckung - mit weitreichenden Implikationen sowohl für die Forschung als auch die spirituelle Welt. Fast zeitgleich mit dem wissenschaftlichen Durchbruch kommt seine mysteriöse Freundin Sofi ums Leben. Der rationale, atheistische Forscher beginnt seine Weltsicht zu hinterfragen - und entdeckt, dass sein und Karens Sohn dasselbe Irismuster besitzt wie die verunglückte Geliebte.

Ein atheistischer Molekularbiologe macht eine Entdeckung, die seine Weltsicht ins Wanken bringt. Intelligenter Mix aus Wissenschafts- und Liebesdrama, in dem Michael Pitt und Brit Marling nachhaltig brillieren.

Bilderstrecke starten(24 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu I Origins - Im Auge des Ursprungs

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

4,8
6 Bewertungen
5Sterne
 
(5)
4Sterne
 
(1)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

    1. Ein SF-Film mit interessantem Gedankenspiel, verkleidet als Independent-Drama. Sehenswert!
    2. I Origins - Im Auge des Ursprungs: Intelligenter Mix aus Wissenschafts- und Liebesdrama, in dem ein atheistischer Molekularbiologe eine Entdeckung macht, die seine Weltsicht ins Wanken bringt.

      Intelligenter Mix aus Wissenschafts- und Liebesdrama, in dem ein atheistischer Molekularbiologe eine Entdeckung macht, die seine Weltsicht ins Wanken bringt.

      Gleich mit seinem Erstling „Another Earth“ sorgte Mike Cahill 2011 in Sundance preisgekrönt für Furore. Das clevere Sci-Fi-Drama schrieb er mit Hauptdarstellerin Brit Marling, die auch in seinem zweiten Spielfilm eine tragende Rolle spielt. War sein Debüt noch von Minimalismus geprägt, hat er trotz (erneut) schmalem Budgets diesmal in Sachen Look zugelegt und mit „I Origins“ - wie der doppeldeutige Titel verrät - eine vielseitig interpretierbares, leicht zugängliches Liebes- und Wissenschaftsdrama inszeniert, das gleichermaßen den Intellekt wie auch die Emotionen anspricht.

      Ausgehend vom Grundgedanken, dass die Augen Spiegel der Seele sind, räsoniert der Filmemacher über den Ursprung der Schöpfung - Gott oder Szientismus. Held ist der atheistische Molekularbiologe Ian Gray (Michael Pitt), der sich zusammen mit seiner Assistentin Karen (Marling) mit der Evolutionsgeschichte des Auges beschäftigt. Den beiden gelingt eine bahnbrechende Entdeckung - mit weitreichenden Implikationen sowohl für die Forschung als auch die spirituelle Welt.

      Das klingt zunächst vielleicht dröge und konstruiert, funktioniert aber eingebettet in die fiebrige Lovestory - Ian unterhält eine leidenschaftliche Affäre mit der mysteriösen Sofi (Astrid Bergès-Frisbey) -, die ein höchst unerwartetes, tragisches Ende nimmt, sehr gut. Um Religion und Wiedergeburt - entsprechend wird auch das pittoreske Indien als Schauplatz aufgesucht, wo ein Straßenkind möglicherweise den Beweis für die Reinkarnation darstellt -, um Rationalität und Spiritualität kreist die Arbeit, die im Kern die Aussage trifft, dass man sich eher von Gefühlen als Fakten leiten lassen soll.

      Mit unbedingtem Stilwillen geht Cahill zu Werk. Präzise sind die Bilder kadriert, sorgfältig die Bildausschnitte gewählt. Immer wieder kommt die vom Deutschen Markus Förderer („Finsterworld„) geführte Handkamera zum Einsatz, die die Gefühlswelt der Protagonisten stimmig einfängt und der (Ambient-)Score von Will Bates und Phil Mossman passend untermalt. Wundersame Zufälle widersprechen aller Logik - Ian betritt einen 7-Eleven und kauft ein Lotterielos. 11,11 Dollar Wechselgeld bekommt er, auf der Quittung steht 11:11:11 Uhr und zugleich hält der Bus Nr. 11 am Straßenrand.

      Und auch wenn man für alle diese versponnen (Gedanken-)Spielereien nicht viel übrig hat, sich manchmal gar in einer neuapostolischen Bibelstunde wähnt, kommt man(n) doch auf seine Kosten: dank der Protagonistinnen, die schicksalhaft das Leben des agnostischen Sinnsuchers bestimmen - Truffauts Leitsatz folgend, dass ansprechendes Kino darin besteht, schönen Frauen dabei zuzusehen, wie sie schöne Dinge tun. geh.
      1. Wissenschaftliche Forschung und Mystik, Evolutionslehre und Kreationismus werden in dem Drama "I Origins" wie Feuersteine aneinandergerieben. Damit balanciert auch der zweite Spielfilm des amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautors Mike Cahill ("Another Earth") zwischen der realen und einer geheimnisvollen Parallelwelt. Diesmal wirkt die Gratwanderung jedoch ernüchternd mittelmäßig: Es werden vor allem alte Ängste und Überzeugungen in einen Topf geworfen, um Fantasien ohne große Aussagekraft zu generieren.

        Der New Yorker Forscher Ian Gray meint als strikt naturwissenschaftlich orientierter Mensch, dass es keinen göttlichen Schöpfer gibt. Seine kühle Laborwelt passt so gar nicht zu Sofis abergläubischer Angst und Weisheit. Dabei geht Ians Faszination für Augen, die er häufig fotografiert, über das Rationale weit hinaus. Die individuellen Muster der Iris begeistern ihn, als würde er in den sprichwörtlichen Spiegel der Seele blicken. Diese Verknüpfung deutet auch der Filmtitel mit seinem englischen Wortspiel an. Der Film dreht die gewohnte Richtung der naturwissenschaftlichen Beweisführung spielerisch um: Wie wäre es, wenn ihre Methoden die Existenz eines göttlichen Prinzips oder einer Geisterwelt nicht widerlegen, sondern im Gegenteil aufdecken würden?

        Wichtiger als die Charaktere, die eher funktional als realitätsnah wirken, sind die vielen symbolischen Hinweise, die der Film streut. Der weiße Pfau, ein Geistlicher, eine Friedhofstatue mit lebhaften Augen: Die Atmosphäre ist schwer, oft gibt es eine diffuse, manchmal auch sehr reale Todesnähe. Die Handkamera bleibt die meiste Zeit nahe an den Figuren, lässt sie wie im Traum durch die Welt ihrer Gedanken und der äußeren Erscheinungen wandeln. Es sei gefährlich, Gott zu spielen, sagt Sofi, als Ian ihr sein Labor mit den Versuchstieren zeigt. Auch der Film selbst stellt die Forschung von Ian und Karen indirekt als ethisch bedenklich und ketzerisch hin. Wer aber heute noch Evolutionsbiologie und religiöse Spiritualität gegeneinander antreten lässt, muss dafür triftigere Argumente anführen, als sie Cahill einfallen.

        Fazit: Das mystische Drama "I Origins" entwickelt mit seiner versponnenen Gegenüberstellung von Forschung und Spiritualität mehr Ehrgeiz als philosophische Substanz, wobei die Spannung nur mittelmäßig bleibt.
      2. „Wertvoll”

          Ian Gray ist Molekularbiologe und untersucht die Evolution des Auges. Auch im Privaten setzt sich seine Faszination fort, wann immer es geht, fotografiert er Augenpaare. Als er der rätselhaften Sofi begegnet, faszinieren ihn auch hier ihre einzigartigen Augen. Sie verlieben sich ineinander und werden ein Paar. Er verliert sie jedoch unter tragischen Umständen. Als Ian zusammen mit seiner neuen Partnerin Karen seine Forschung fortsetzt, macht er eine bahnbrechende Entdeckung, die weitreichende Folgen hat und sowohl seine wissenschaftliche Überzeugung erschüttert als auch seinen spirituellen Glauben erweckt. Die Grenzen der Wissenschaft und die Möglichkeiten der spirituellen Welt - diese Grenzbereiche sind es, um die sich I ORIGINS dreht. Regisseur und Autor Mike Cahill lässt beide Welten in einer faszinierenden Mischung aus klassischem Drama und Science-Fiction kollidieren. Ian Gray ist für den Zuschauer die Leitfigur, Michael Pitt verkörpert ihn ruhig und sachlich, lässt aber auch immer wieder die romantisch sehnsuchtsvolle Seite aufblitzen, die Ian antreibt. Brit Marling als Karen und Astrid Bergès-Frisbey als Sofi sind die Pole der Ratio und des Gefühls, um die er kreist. Immer wieder streut Cahill Sequenzen ein, die sich in ihrer Komposition von der Handlung träumerisch und sinnlich abheben und unterstützt werden von einem kraftvollen und sphärischen Score. Bis zum Schluss wirkt der Sog der Geschichte, der Film selbst lässt eine Erklärung für das Geschehene offen. Ein intelligent gemachter Genre-Mix, der kluge Fragen aufwirft, zur Diskussion anregt und den man mit eigenen Augen gesehen haben muss.

          Jurybegründung:

          Der junge Molekularbiologe Ian Gray ist auf der Suche nach dem endgültigen Beweis, dass unser Leben auf Evolution begründet ist, nicht auf Schöpfung. Dabei geht er ebenso unkonventionell wie undogmatisch vor und versucht, mit der Entwicklung der Sehkraft bei bisher blinden Lebewesen seine Theorie zu stützen. Sein Privatleben ist nicht minder ungewöhnlich, lässt er sich doch auf eine stürmische Liaison mit dem geheimnisvollen Model Sofi ein. Durch ein tragisches Unglück verliert er Sofi, und auch wenn Ian sich mit seiner ehemaligen Assistentin Karen ein neues Privat- und Berufsleben aufbaut, so bleiben seine Gedanken und Sehnsüchte doch bei Sofi verhaftet. Durch eine scheinbare Fehlermeldung in einer Iris-Datenbank gerät Ians Weltbild ins Wanken: Was, wenn unser Dasein doch weniger rational erklärbar ist und es eine höhere Macht gibt?

          Geschickt lotet Regisseur Mike Cahill das cineastische Grenzgebiet zwischen Mysterythriller und Science Fiction aus, dessen Reiz seiner Mischung mit esoterischen Fragestellungen entspringt. Lässt man sich als Zuschauer auf dieses Konstrukt ein, wird man von I ORIGINS auf eine Reise in die Grenzgebiete der theoretischen Wissenschaften geführt. Dabei interessieren Cahill die Antworten weniger als die Fragen, die sich aus diesem Ansatz ergeben.

          Der Bewertungsausschuss hat sich sehr lange mit der Genrebestimmung beschäftigt und war sich bis zuletzt nicht einig, wie dieser Film zu bewerten ist. Sind Sci-Fi und Mystery-genretypische Merkmale stilbildend oder muss der Zufall die Geschichte vorantreiben, wo das Drehbuch sich nicht anders zu helfen weiß? So wirken die Koinzidenzen leider nach Ansicht der Jury oft ein wenig konstruiert. Auch ist der Spannungsbogen nicht überzeugend angelegt, zu lange hält er sich im ersten Drittel mit der Einführung der Figuren und ihrer intellektuellen Strukturen auf, bevor die Story ihre esoterische Kraft entfalten kann.

          Dass der Film mit einem Prädikat ausgezeichnet wurde, liegt zum einen am unverbrauchten Cast, der zu jeder Zeit zu überzeugen weiß und durch ein eher reduziertes Spiel die intellektuelle und verbale Kraft betonen kann. Zum anderen überzeugen vor allem im zweiten und dritten Drittel die handwerklichen Qualitäten. So ergeben Kameraführung, Licht und Ton zusammen mit dem dezenten und die Stimmungen gekonnt akzentuierenden Score einen mit den Genres spielenden und diese zugleich immer wieder brechenden Film, wie er nur selten im Kino zu finden ist. Dabei ist der Film erstaunlich gegenwärtig und vor allem durch den beeindruckenden Cast identitätsstiftend. Somit ist I ORIGINS eine intelligente Mischung aus Wissenschaftsdrama und erfrischend unkonventioneller Liebesgeschichte ohne romantische Klischees.

          Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
        Alle ansehen

        News und Stories

        Kommentare