Another Earth

  1. Ø 3
   2011
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Another Earth Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Another Earth: Minimalistisches Drama mit Sci-Fi-Elementen über eine Frau, die als Auslöserin einer Tragödie einen ungewöhnlichen Weg geht, um Vergebung und Erlösung zu finden.

Nach vier Jahren Haft versucht Rhoda, Erlösung für sich und den Mann zu finden, dem sie betrunken am Steuer die Familie nahm. Ihm zu sagen, welche Rolle sie bei seiner Tragödie spielte, schafft sie nicht. Stattdessen bringt sie als Reinigungskraft erst Ordnung, dann sogar wieder Glück in sein Leben. Als John aber die Wahrheit über sie erfährt, sieht Rhoda nur in der Flucht noch Hoffnung. Ein Planet, bis hin zu den Menschen ein exaktes Abbild der Erde, ist am Firmament aufgetaucht. Kann Rhoda dort eine zweite Chance bekommen?

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Spielfilmdebüt von Regisseur Mike Cahill bewegt sich fern von ausgetretenen Pfaden in seinem stimmungsvollen Mix aus Science Fiction und Psychodrama. Eine junge Frau trägt schwer an der Schuld, die sie auf sich geladen hat und sucht nach Ansätzen der Wiedergutmachung. Parallel dazu beschäftigt die Menschheit eine sensationelle Entdeckung: Auf dem neuen Planeten am Himmel leben anscheinend Doppelgänger der Individuen, die die Erde bevölkern. „Another Earth“ gewann auf dem Sundance Film Festival 2011 den Spezialpreis der Jury als bestes Drama und den Alfred-P.-Sloan-Preis.

    Das Schreckliche passiert gleich am Anfang der Geschichte: Betrunken rast die 17-jährige Rhoda Williams mit ihrem Wagen frontal gegen ein stehendes Auto. Darin scherzten gerade der Komponist John Burroughs und seine Frau mit ihrem kleinen Sohn. Nur der Mann und Rhoda überleben. Dann springt die Handlung vier Jahre vorwärts, zu dem Tag, als Rhoda aus dem Gefängnis kommt. Sie zieht wieder zu ihren Eltern und sucht sich eine Arbeit als Putzfrau. Weil sie schwer an ihrer Täterschaft trägt, dient sie sich auch John Burroughs als Zugehfrau an, zunächst in der Absicht, sich ihm bald zu offenbaren. Aber dann hat sie doch Angst vor diesem Schritt.

    John, der seit dem Unfall vollkommen zurückgezogen dahinvegetiert, wird in Gegenwart der aufmerksamen jungen Frau allmählich wieder munterer. Die beiden entdecken ihre Gefühle füreinander. Die Schauspielerin Brit Marling, die mit Cahill zusammen auch das Drehbuch schrieb, verleiht der jungen Frau eine faszinierende Ausstrahlung zwischen Schuldgefühl und dem Wunsch nach Bewältigung. Rhoda putzt mit einem Ausdruck, als füge sie sich in die lebenslange Abarbeitung ihres Schicksals. Gleichzeitig treibt sie ihre Sehnsucht nach dem Guten in die Nähe des Unfallopfers. Während Marling die sensible, sowohl äußerlich wache, als auch stark nach innen gekehrte Person spielt, überzeugt William Mapother als John Burroughs mit seiner lebendigen Emotionalität.

    Die zarte Romanze dieser beiden zu neuem Leben Erwachenden spielt sich vor düsterem Hintergrund ab. Die Macht von Rhodas Geheimnis spiegelt sich in den häufigen nächtlichen Szenen, wenn auf dem Himmel über der Küste die riesige Kugel von Erde 2 leuchtet. Das Mysterium dieses neuen Planeten, über dessen vermutliche Bewohner das Fernsehen täglich berichtet, lastet wie eine stumme Mahnung auf allen, die ihn betrachten, vor allem natürlich auf Rhoda. Der Regisseur fungiert in diesem Film auch als Kameramann und Cutter. Den gewaltigen inneren Zwiespalt Rhodas drückt der mal traurige, mal unheimlich-kalte Soundtrack mitsamt seinen maschinellen Geräuschen aus, den das Indie-Rock-Trio „Fall on Your Sword“ beisteuert.

    Bis zum Schluss bleibt die knisternde Spannung auf Handlungs- und Gefühlsebene erhalten und selbst die späte Auflösung der Geschichte lässt einiges in der Schwebe, im Unklaren. Es ist eine Zeit der Ungewissheit und des Übergangs für die Menschheit im Allgemeinen und für Rhoda und John in ihrer persönlichen Krise. Dabei gerät die Orientierung ins Wanken, stehen die Richtungen nicht fest, und der Anblick von Erde 2 am Himmel bekräftigt immer wieder, dass es für die Wahrnehmung kein Zurück zur alten Ordnung gibt. Auch wenn die philosophischen Gedankenspiele des Films rätselhaft bleiben, als Kinoerlebnis ist er in seiner Originalität erfrischend.

    Fazit: Romantische, originelle Mischung aus Science Fiction und Drama, in der vieles rätselhaft bis zum Schluss bleibt.
  • Mit einem irdischen Erlösungsdrama und dezenten Science-Fiction-Elementen ließ Regiedebütant Mike Cahill in Sundance die Sonne aufgehen.

    2011 war ein guter Jahrgang in Utah. Das zeigt nach „The Guard – Eine Ire sieht schwarz“, „Der große Crash – Margin Call“ und „Tyrannosaur“ und vor „Martha Marcy May Marlene“ und „Take Shelter“ auch „Another Earth“. Science-Fiction-Konstrukte wie gespiegelte Welten oder Paralleluniversen, die in Filmen wie „Unfall im Weltraum“ (1969) oder aktuell auch im Serienhit „Fringe“ thematisiert werden, sind Background für ein Drama, das um Erlösung und Vergebung kreist. Cahill selbst schrieb auch das Drehbuch, gemeinsam mit Brit Marling, die auch als Darstellerin beweist, warum sie die neue Vorzeigefrau der US-Independentszene ist. Bücher von Asimov und ein Fernrohr finden sich im Zimmer ihrer Figur Rhoda, doch den Traum von einer neuen Welt sabotiert ein tragischer Fehler in der alten. Angetrunken rauscht die Studentin in den Wagen von John (William Mapother), tötet dessen Frau und Kind. Als Rhoda vier Jahre später aus der Haft entlassen wird, hat sich ein Planet, bis hin zu jedem einzelnen Menschen eine exakte Kopie der Erde, ins Blickfeld geschoben. Das Phänomen steht für Hoffnung, als Kontrast zu „Melancholia“, wo der Himmelskörper den Untergang ankündigte. Die andere Erde und die Möglichkeit, sie vielleicht sogar besuchen zu können, bietet Rhoda eine zweite Chance für ihr Leben. Doch davor bemüht sie sich um Wiedergutmachung, sucht die Annäherung an den Mann, der nach dem Tod seiner Familie wie ein Geist lebt. Aus der tragischen Note entwickeln die Autoren eine romantische, wohl wissend, dass diese die eigentliche Utopie dieser Geschichte ist. Marling und Mapother kreieren berührende Momente in dieser Beziehung, die vom Drehbuch schlüssig aufgelöst wird und in ein überraschendes Schlussbild mündet. Der darstellerische Ansatz, auf großen Gesten zu verzichten, entspricht auch dem inszenatorischen. Cahill zelebriert, wohl auch budgetbedingt, den Minimalismus, bleibt sachlich in der Bildsprache und entwickelt eine faszinierende Atmosphäre, zu der auch der Sound, der mitunter an David Lynchs frühe Filme erinnert, beiträgt. Bei all dieser Reduktion bleibt das einzig Überflüssige ein alter Herr, der als Putz-Philosoph so aufgesetzt wirkt wie die Symbolik des Reinigens, die Rhodas neues Leben dominiert.

    kob.

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