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Heute stirbt hier Kainer

  

Filmhandlung und Hintergrund

Famose Hommage an Don Siegels Spätwestern "The Shootist" mit Martin Wuttke als lebensmüdem Antihelden.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

4,5
26 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Heute stirbt hier Kainer: Famose Hommage an Don Siegels Spätwestern "The Shootist" mit Martin Wuttke als lebensmüdem Antihelden.

    Famose Hommage an Don Siegels Spätwestern „The Shootist“ mit Martin Wuttke als lebensmüdem Antihelden.

    Mit dem vielfach ausgezeichneten Shakespeare-Western „Im Schmerz geboren“ hat Drehbuchautor Michael Proehl 2014 für einen der ungewöhnlichsten Krimis in der „Tatort“-Historie gesorgt. Nun legt der Grimme-Preisträger gemeinsam mit Regisseurin Maria Anna Westholzer nach. „Heute stirbt hier Kainer“ klingt nach einer typischen Clint-Eastwood-Story: Ein Fremder kommt in ein Dorf, gerät in einen Konflikt zwischen zwei Rivalen, muss sich mit dem korrupten Sheriff auseinandersetzen und sieht sich beim Showdown einer schwerbewaffneten Übermacht gegenüber; eine attraktive Frau, die ihr Herz an ihn verliert, gibt es natürlich auch.

    Handlungsentwürfe dieser Art können leicht in eine Parodie ausarten, aber Proehl und Westholzer nehmen die Geschichte und vor allem die Figuren ernst. Trotzdem hat der Film eine heitere Note, weil sämtliche Konflikte, die sich nach der Ankunft des Fremden ergeben, auf einem vermeintlichen Missverständnis beruhen: Ulrich Kainer (Martin Wuttke), ein Mann mit Vergangenheit, aber ohne Zukunft, sucht einen Ort, an dem er in Würde und selbstbestimmt sterben kann. Er kauft sich eine Pistole, landet irgendwo in der hessischen Provinz und kommt auf dem Hof der alleinstehenden Bäuerin Marie (Britta Hammelstein) unter. Die Einheimischen glauben jedoch, er sei ein Killer, engagiert vom italienischen Lokalbesitzer Cesare (Michele Caciuffo), der von seinem Gegenspieler Bratsche (Alexander Hörbe) übers Ohr gehauen worden ist. Cesare bittet den Fremden, zum Schein darauf einzugehen, damit Wagner-Fan Bratsche kalte Füße bekommt. Als Kainer den misslungen Freitod von Bratsches Strohmann (Martin Feifel) vollendet, greift ein zynischer Kommissar (Justus von Dohnányi) ins Geschehen ein.

    Selbst wenn sich sonst nichts Gutes über den Film sagen ließe: Allein Martin Wuttke ist eine Wucht. Schon der mit sonorer Stimme vorgetragene Monolog zur Einführung ist ein Genuss. Urlaub auf dem Bauernhof, erzählt Kainer, sei auch nicht mehr, was er mal war; dazu zeigt Westholzer, die mit „Heute stirbt hier Kainer“ ihren ersten Langfilm gedreht hat, wie Maries Anwesen von einem geräuschlosen Kugelhagel zerfetzt wird. Kainers Vorgeschichte bleibt nebulös; allerdings lässt er beiläufig die Bemerkung fallen, er sei immer überzeugt gewesen, eines Tages in einem Fadenkreuz zu sterben. Der Prolog deutet an, dass er eine unheilbare Krankheit hat, und spätestens jetzt wird klar, dass „Heute stirbt hier Kainer“ eine moderne Variation von Don Siegels Spätwestern „Der letzte Scharfschütze“ („The Shootist“, 1976, mit John Wayne) ist.

    Widrige Umstände und verschiedene Missgeschickte sorgen immer wieder dafür, dass sich Kainers Plan nicht so ohne Weiteres umsetzen lässt. So erweist es sich zum Beispiel als Fehler, dass er nur eine Patrone gekauft hat: Maries kleiner Sohn schnüffelt in seinem Gepäck rum und entdeckt die Waffe, was einen Hahn das Leben kostet. Es sind nicht zuletzt Details wie dieses, die dem Film einen ganz eigenen Flair verleihen, selbst wenn sie mitunter überhaupt nichts zur Geschichte beitragen, sondern einfach nur für einen schönen Übergang sorgen: Zu Beginn in der Stadt spricht Kainer mit einem Obdachlosen. Als er sich verabschiedet, hat der Mann einen Schienenbus in Spielzeugformat in der Hand; so kann die Regisseurin auf den echten Schienenbus umschneiden, in dem Kainer in die Provinz reist. Im Zug trifft er erstmals auf eine Gruppe Neonazis, die ihm später das Leben schwer machen wird. Diese unnötig überzeichneten Gestalten sind der einzige Fehlgriff des Films.

    Nicht recht zeitgemäß ist auch die Geschlechterverteilung. Marie hat im Grunde nicht mehr zu tun, als sich von Kainer sexuell beglücken zu lassen; Proehl und Westholzer würden vermutlich darauf verweisen, dass Frauen bei John Ford ebenfalls keine besondere Rolle gespielt haben. Dessen Meisterwerken ist das flirrende Sommerlicht nachempfunden (Bildgestaltung: Armin Dierolf). Die Musik von Matti Rouse ist die perfekte Untermalung für die lässige Inszenierung. tpg.
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