Filmhandlung und Hintergrund

Tragikomödie um einen Familienbetrieb in der schwäbischen Provinz, dem der Konkurs droht.

Undankbarer Job für Michael Bogenschütz: Als Geschäftsführer des väterlichen Familienbetriebs steigt ihm der tyrannische Senior auf den Kopf, während die Aufträge ausbleiben. Den sorglosen Geschwistern, die als Gesellschafter lieber ihr Erbe verleben sowie dem miesepetrigen Vater will er die drohende Pleite verheimlichen und hofft auf chinesische Investoren. Da schießt der grimmige Erzeuger jedoch undiplomatisch quer und auch die Chinesen, die seine Produkte ungeniert raubkopieren, wollen ihn endgültig über den Tisch ziehen. Der Zusammenhalt der Familie ist gefragt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Das humorvolle Drama "Global Player – Wo wir sind isch vorne" erzählt realitätsnah und spannend über ein schwäbisches Familienunternehmen in der Krise. Oft diskutierte wirtschaftliche Probleme erhalten dabei ein ganz konkretes Gesicht. Regisseur und Drehbuchautor Hannes Stöhr ("One Day in Europe", "Berlin Calling") vergleicht außerdem am Beispiel der Familie Bogenschütz anschaulich die Unterschiede in der Mentalität, die zwischen den Generationen herrschen.

      Die Geschichte beweist, wie dramatisch wirtschaftliche Themen sein können. Michaels Kampf um das Familienunternehmen wird detailliert in all seinen Facetten geschildert. Der Druck der Verantwortung für die Mitarbeiter lastet schwer auf ihm. Sorgfältig klügelt er Strategien aus, um solvente Partner oder auch nur Zeit zu gewinnen. In seinen Verhandlungen mit chinesischen Unternehmern ist stets spürbar, wie viel auf dem Spiel steht. Michael tanzt dabei auf dem Vulkan, denn die angestrebte Zusammenarbeit mit Fernost führt auch dazu, dass die Chinesen die Maschinen aus Hechingen bald selbst herstellen und verkaufen können.

      Für die wichtige persönliche Komponente sorgt der Vater-Sohn-Konflikt an der Spitze des Unternehmens. Der störrische Senior Paul funkt seinem recht eingeschüchterten Sohn gerne dazwischen und verweigert ihm die Anerkennung. Dabei ist Michael das einzige von vier erwachsenen Kindern, das sich überhaupt um die Firma kümmert. Die Auseinandersetzungen führen zu vielen witzigen Dialogen, vor allem dank der unverblümten Ausdrucksweise Pauls. Der 1924 geborene Walter Schultheiß spielt den energischen Seniorchef bewegend. In seinen Konflikten mit den Töchtern offenbart sich schrittweise, wie sehr ihn seine Zeit als Soldat im Russlandfeldzug geprägt und später auch im Familienleben belastet hat.

      Visuell sucht der Film oft den Kontrast zwischen Großstadtszenen aus Shanghai und den sanften schwäbischen Hügeln rund um die Burg Hohenzollern. Stöhr schaut liebevoll auf seine Heimatstadt Hechingen und auch auf die Familie Bogenschütz. Das schmälert aber die authentische Wirkung seiner auch zeitgeschichtlich interessanten Geschichte keineswegs.

      Fazit: Das spannende und humorvolle Familien- und Wirtschaftsdrama "Global Player – Wo wir sind isch vorne" wirkt wie aus dem Leben gegriffen und beweist, dass ökonomische Themen nicht trocken sein müssen.
    2. Global Player - Wo wir sind isch vorne: Tragikomödie um einen Familienbetrieb in der schwäbischen Provinz, dem der Konkurs droht.

      Globalisierungskomödie um einen traditionsreichen schwäbischen Familienbetrieb in der Krise.

      Zwischen Realsatire, Komödie und Drama schwankt der vierte Kinofilm von Hannes Stöhr („Berlin Is in Germany„, „Berlin Calling„) und manchmal mutet er geradewegs wie eine Dokumentation an. Zwei Generationen – ein Wirtschaftswunderpatriarch und seine Wohlstandskinder – und zwei Kulturen – die deutsche und die chinesische – prallen in der humorvollen Familiengeschichte aufeinander, die den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis in die globalisierte Gegenwart schlägt, alles im Regionalen erdet und obendrein Vergangenheitsbewältigung betreibt.

      Die exemplarische Fabel vom mittelständischen Textilunternehmen „Bogenschütz & Söhne“ im schwäbischen Hechingen könnte direkt aus den Wirtschaftsnachrichten stammen: der hochverschuldete Betrieb steht kurz vor der Pleite, was Firmenchef Michael (Christoph Bach) seinen als Gesellschaftern fungierenden Geschwistern, vor allem aber dem greisen Seniorchef Paul (Walther Schultheiß) verschweigt, während er bereits Gespräche mit chinesischen Investoren sondiert. Da schießt der tyrannische Patriach, der zu Recht um sein Lebenswerk fürchtet, heftig quer und aktiviert alle Ressourcen für die Unternehmungsrettung.

      Dabei prallen Träume und Weltsichten zweier deutscher Generationen aufeinander, deren Eigenarten (Bio-Hipster, Künstlerin, Aussteiger, braver Malocher) Stöhr zunächst pointiert verspottet, um sie später ernst zu entfalten. Fabelhaft erweist sich Walther Schultheiß als miesepetriger Misanthrop, der als knorriger Wadelbeißer ans Herz wächst. Der Weltkriegsveteran reist mit seiner vollbusigen polnischen Pflegerin zu seinen Kindern und redet im Landser-Jargon erstmals offen über seine traumatische Kriegsgefangenschaft, während vor seinem inneren Auge ein Trümmerfilm abläuft – Original-Schwarzweiß-Bilder des zerstörten Deutschlands. Als dann auch noch Auschwitz zur Sprache kommt, wird die Vergangenheitsbewältigung ein emotionaler Akt und schließlich hält die Familie samt vier erwachsener Kinder doch noch zusammen. Um als David gegen einen gefräßigen chinesischen Goliath zu bestehen, der ungeniert raubkopiert und aufkauft. Zwar weiß man lange nicht, worauf Stöhr eigentlich hinaus will, doch schließlich demonstriert er schelmisch, wie man Weltmarktführer erfolgreich in die Unternehmensmoderne rettet und sich vom Wirtschaftswunder würdig verabschiedet. tk.
    3. „Wertvoll”

        Die Firma Bogenschütz und Söhne ist ein alteingesessenes schwäbisches Familienunternehmen. Doch seit geraumer Zeit bröckelt die Auftragslage. Und während Seniorchef Paul Bogenschütz immer noch fest an alten Traditionen festhält, versucht Juniorchef Michael Bogenschütz alles, um die Firma vor dem Bankrott zu retten, selbst wenn das bedeuten sollte, seine eigene Existenz aufs Spiel zu setzen und in zähe Verhandlungen mit den Chinesen zu treten. Doch nur, wenn die gesamte Familie an einem Strang zieht, kann die Firma in Hechingen auch zum „Global Player“ werden. Das Thema des Films könnte aktueller nicht sein. Kleine Firmen, die von großen Konzernhaien geschluckt werden, dazu alte Unternehmensphilosophien, die neuen weichen müssen. Regisseur Hannes Stöhr nutzt diesen Hintergrund für seine tragische Komödie rund um die Familie Bogenschütz. Walter Schultheiß verkörpert die Generation der Gründer auf eine wunderbar bärbeißige und trotzige Art und Weise. Man spürt, dass es ihm um mehr geht als nur um den Kampf gegen die „Jungspunde“, für die seine Kinder, allen voran Christoph Bach als Michael, stehen. Die Erhaltung des Lebenswerkes ist eine tief tragische Komponente des Films. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz. Fast schon absurd wirken die zählen Verhandlungen mit den chinesischen Großinvestoren, wenn Maultasche auf Essstäbchen trifft. Zusammen mit einem typisch schwäbischem Dialogwitz, einem wunderbaren Setting zwischen verträumtem Landleben und asiatischer Kühle sowie authentischen Figuren mit Ecken und Kanten wird aus dem Film mit regionalem Touch eine Zustandsbeschreibung der allgemeinen Wirtschaftssituation. Charme und Tiefgang in einem.

        Jurybegründung:

        Auch die Schwaben bleiben von der Globalisierung nicht verschont. Das Familienunternehmen ‚Bogenschütz & Söhne‘ ist typisch für diese Region: Ein alteingesessener Familienbetrieb, in dem hochwertige Maschinen hergestellt werden. Das Alleinstellungsmerkmal ist also ausgefeilte Ingenieurskunst, aber die verliert schnell an Wert, wenn die Chinesen Patentrechte ignorieren und die Maschinen schlicht nachbauen. Entsprechend selbstbewusst ist auch das Auftreten der Vertreter einer chinesischen Firma, die am liebsten die ganze Firma aufkaufen würden. Dass sie das Schwabenländle liebevoll ‚die südliche Provinz‘ nennen und damit eine Gemeinsamkeit herstellen, ändert an den Kräfteverhältnissen nichts. Diese Verhältnisse hat Hannes Stöhr kenntnisreich und deshalb glaubwürdig gezeichnet, und auch die Fabrikantenfamilie wirkt so, als wäre sie nach realen Vorbildern geformt. Der 90-jährige Patriarch pocht ständig auf seinem Vetorecht und kritisiert jede Entscheidung seines Sohnes, der den drohenden Bankrott der Firma vor allen geheim hält, weil auch er, im Grunde ganz ähnlich wie sein Vater, sich als ein Firmenleiter im traditionellen Sinne versteht. Die Töchter und ein zweiter Sohn leben gut vom in der Firma erwirtschafteten Geld, und die Belegschaft wird gemäß der alten Unternehmenstugenden gut bezahlt und behandelt. Atmosphärisch genau trifft der Film dieses Milieu, auch wenn eine temporeichere und auch ausgefallenere Erzählform wünschenswert gewesen wäre. Die Verwendung von Archivaufnahmen aus den Kriegs- und Nachkriegszeiten, die immer dann einmontiert sind, wenn es um die Vergangenheit des Seniorchefs geht, ist ein Stilbruch, der von der Geschichte ablenkt. Gelungen sind dagegen diverse Dialoge (‚Sie Luftpump‘) oder die Schlusspointe mit den schwäbelnden Facharbeitern, bei deren Erklärungen die patente Übersetzerin endlich einmal hilflos wirkt. Sie ist neben dem von Walter Schultheiß als sehr unterhaltsamem Nörgler gespielten Seniorchef, für einige der schönsten Lacher in dieser Komödie verantwortlich.

        Es mag manchmal zwar ein wenig umständlich wirken, wenn Rede und Gegenrede bei den Verhandlungen Wort für Wort übersetzt werden, aber dabei ist das Minenspiel der Chinesen zum Teil sehr verräterisch (und dadurch komisch). Es ist zu begrüßen, dass der ökonomische Strukturwandel hier in der Form einer unterhaltsamen Komödie behandelt wird, aber ob GLOBAL PLAYER so gut ist, dass etwa die Chinesen ihn kopieren würden, werden wir sehen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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