Filmhandlung und Hintergrund

Teils fiktive Biographie über das (Liebes-)Leben der Kultautorin aller Kostüm-Romantik-Romane, Jane Austen.

Im britischen Hampshire des 18. Jahrhunderts weigert sich die junge Jane Austen (Anne Hathaway) unter die Haube wie ihr Bruder Henry (Joe Anderson) zu kommen. Zum Verdruss ihrer armen Eltern Cassandra (Julie Walters) und George (James Cromwell) will sie Schriftstellerin werden und pfeift auf Romantik. Sie lehnt das lukrative Angebot des reichen Langweilers Mr. Wisley (Laurence Fox) ab. Aber als ihr der charmante Tom (James McAvoy) begegnet, entdeckt sie die Liebe. Nur ist Tom finanziell von seinem Onkel abhängig.

So wie „Shakespeare in Love“ Fakt und Fiktion über den Dichter zu einer geistreichen Sensation vereinigte, wird der nicht minder berühmten Jane Austen eine biografische Kostümromanze beschert. Charmantes Frauenportrait, das „Sinn und Sinnlichkeit“ beweist.

Noch ist die junge Jane Austen nicht die Autorin, die sie einmal werden wird, nicht die abgesicherte Ehefrau, die sie im England des 18. Jahrhunderts werden muss. Obwohl ihre Familie verarmt ist, schlägt sie lukrative Angebote von Langweilern aus. Als sie aber Tom Lefroy kennen lernt, entdeckt sie die Liebe. Doch mehr als seine arrogante Schale erweist sich seine eigene finanzielle Abhängigkeit als Hindernis.

Die junge, kluge Jane, die gerne Schriftstellerin werden will, erhält einen Heiratsantrag von einem reichen, entfernten Verwandten. Sie lehnt ab. Unerhört fürs späte 18. Jahrhundert, ist ihre Familie doch nicht gerade vermögend. Doch will sie ihr Leben nicht mit einem Langweiler verbringen. Da tritt der arrogante Tom, ein Freund ihres Bruders, auf den Plan. Der verärgert sie zuerst zuriefst, doch verliebt sie sich in den impulsiven jungen Mann. Er ist jedoch auch von der Gunst seines Onkels abhängig.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Jane Austen einmal ganz anders. Galt die berühmte Autorin doch bislang als ewige Junggesellin oder „alte Jungfer“, hier wird sie als jung, hübsch und leidenschaftlich verliebt gezeigt. Erst 2003 präsentierte der Biograf Jon Spence in seinem Buch „Geliebte Jane Austen“ der geneigten Weltöffentlichkeit, was bisher stets nur angedeutet wurde: Jane Austen hatte eine ernstzunehmende Beziehung zu dem Iren Tom Lefroy, nicht nur einen harmlosen Flirt.

      Der Film zoomt sozusagen in diese kurze Phase von Jane Austens Leben hinein, als sie noch nicht berühmt ist und präsentiert die passionierte Liebesgeschichte. Die Liebe zwischen den Beiden wird von Anbeginn an von der Umwelt für eine unmögliche gehalten. Tom hat in London die einmalige Chance sich aus seiner Herkunft herauszuarbeiten um der Armut zu entfliehen.

      Der Onkel, der ihn fördert, akzeptiert aber die unbegüterte und starke Jane nicht. Diese hat wie ihr Geliebter eine ebensolche Chance, der wohlsituierte Mr. Wisley ist bereit, die hübsche und intelligente Frau aus ärmlichen Verhältnissen zu heiraten. Doch Jane glaubt daran, dass man lieben muss, um sich zu verheiraten und weist ihn zunächst zurück. Ihre Eltern sind besorgt um die Zukunft ihrer Tochter, denn auf ewig können sie sie nicht mit durchfüttern, außerdem droht ihr die gesellschaftliche Ächtung als „alte Jungfer“, als Unverheiratete.

      Doch sie hat einen Trumpf im Ärmel, der ihr die gesellschaftliche Unabhängigkeit ermöglichen könnte: ihr Talent zum schreiben.
      Auf Jane, als auch auf Tom lastet eine große Bürde und Verantwortung. Es geht um beider Existenz, um das Überleben in einer Gesellschaft, die strikte Reglementents hatte um unstandesgemäße Heiraten zu verhindern.

      Das Verbotene und Unmögliche an ihrer Liebe macht diese umso leidenschaftlicher und romantischer. Jane und Toms Liebe ist aufrichtig und, so will es der Film, hält ein ganzes Leben lang, trotz der Tragik. Beide sind sie Außenseiter, Unangepasste und das zieht sie aneinander an.

      Regisseur Julian Jarrold gelang ein besonderer Film, der sogar Feinde von romantischen Dramen mitreißen dürfte. Das Besondere, das Kunststück, das ihm gelang ist, das Fehlen von Sentimentalität und Kitsch, das er durch reine Leidenschaft ersetzt. Diese Wirkung hat er vor allem seinen Hauptdarstellern Anne Hathaway und James McAvoy zu verdanken.

      Der Film basiert auf Fakten, dennoch wurde, wie in Biopics üblich, zugunsten der Filmdramaturgie, teilweise fiktionalisiert und dramatisiert. So ist zum Beispiel die Figur der Lady Gresham erfunden, dennoch ist sie ein Medley aus Personen, die Austen tatsächlich kannte.

      Die gezeigten Ereignisse, so suggeriert der Film machten aus Jane Austen die große Autorin, die sie dann geworden ist. In der Originalversion heißt der Film auch „Becoming Jane“.

      Fazit: Mitreißendes Portrait einer unglücklichen Liebesgeschichte zwischen Jane Austen und dem Iren Tom Lefroy, das die Gnadenlosigkeit der Standesgesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts in England zeigt. Sehenswert gleichermaßen für Feinde und Freunde des Taschentuchs im Kino.
    2. Geliebte Jane: Teils fiktive Biographie über das (Liebes-)Leben der Kultautorin aller Kostüm-Romantik-Romane, Jane Austen.

      Charmantes Kostümdrama über eine mögliche romantische Prägung von Jane Austen, der Königin des britischen Liebes- und Gesellschaftsromans.

      Das englische Klassensystem des 18. Jahrhunderts, der Zwang, sich standesgemäß und lukrativ statt gefühlsgetrieben zu verheiraten, das zarte Aufkeimen von Widerstand gegen traditionelle Rollen durch selbstbewusste Frauen sowie geschliffene Verbalduelle zwischen den Geschlechtern - das alles markiert klassisches Austen-Territorium. Seit der cineastischen Renaissance der Schriftstellerin durch „Sinn und Sinnlichkeit“ tauchen regelmäßig Verfilmungen ihrer Romane auf, seit 2003 allein deren drei von „Stolz und Vorurteil“. Wie sich die märchenhaften Finalversöhnungen ihrer Bücher von der Realität der Autorin unterscheiden könnten, darüber spekuliert diese Fakten und Fiktion harmonisierende biografische Romanze von Julian Jarrold. Inspiration für das verbal gepflegte, traditionell strukturierte Drehbuch von Sarah Williams und Kevin Hood ist Jon Spences Biografie „Becoming Jane Austen“. Deren These, Austen sei nicht die oft beschriebene amouröse Theoretikerin gewesen, sondern hätte die Liebe inklusiver bitterer Nebenwirkungen selbst erfahren, entwickelt das Skript zu einem Porträt einer Frau, deren Leben als Single als Akt der Verweigerung gedeutet werden muss. Nur ein einziges Mal deckten sich Janes Erwartungen, die aus Liebe heiraten und sich als Schriftstellerin tatsächlich selbst ernähren will, an einen Mann und an die Liebe mit dem Angebot der englischen Provinz. Als der impulsive, vom finanziellen Wohlwollen seines Onkels lebende, angehende Anwalt Tom Lefroy (James McAvoy) seine Landverwandtschaft besucht, ist es für die 20-jährige Jane (Anne Hathaway) Verachtung auf den ersten Blick. Doch natürlich verbergen sich hinter dem arroganten Pfau und der angriffslustigen Rebellin zwei Seelen, die eigentlich zueinander gehören. Doch der gesellschaftliche Druck unterhöhlt dieses starke Fundament. Tom muss seine verarmte Familie unterstützen, Jane sich einen verstaubten Aristokraten vom Leib halten, dessen reiche Tante ihr Gift versprüht. Von intriganten Briefen, überraschenden Verlusten, Statik-gefährdenden Küssen, sprühenden Dialogen bis hin zu romantischen Fluchtversuchen ist alles geboten, was auch die Romane Austens auszeichnete. Das erreicht zwar visuell nicht die Qualität von Joe Wrights „Stolz und Vorurteil“, spielt aber nicht zuletzt dank Hathaways sanfter wie auch kämpferischer Darstellung und McAvoys verschmitztem Charme in Austens A-Klasse. kob.
    3. „Wertvoll”

        Einer dieser selten-schönen, perfekten Filme für Herz und Geist. Elegant und geschliffen, dazu voller Emotionen, die sogar Männeraugen feucht machen können. Humor, Verzweiflung, Trauer und Wortwitz über das Scheitern einer unmöglichen Liebe. Als wäre es ein von ihr selbst geschriebener Roman, entfaltet sich das Werden der englischen Schriftstellerin Jane Austen (1775 bis 1817). Dem Fest der Worte ebenbürtig zeigt sich die Bildsprache. Ein wunderschöner Film, der Lust auch auf die Romane Jane Austens weckt.

        Jurybegründung:

        Viel Stolz und Vorurteil und Sinn und Sinnlichkeit. Einer dieser selten-schönen Film für Herz und Geist. Elegant und geschliffen, ein Juwel. Emotionen pur, die auch bei männlichen Kinogängern feuchte Augen verursachen können: Humor, Verzweiflung, Trauer und Wortwitz über das Scheitern einer unmöglichen Liebe. Bestes britisches Erzählkino in schwelgenden Landschafts- und Kostümbildern als Kontrast zu einer prüden vor-viktorianischen Zeit. Ein wundervoller, semibiographischer Film über die britische Literatur-Ikone Jane Austen, die mit ihren Werken ihrer Zeit uneinholbare Lichtjahre voraus war. “Worüber möchten Sie schreiben?“, wird Jane einmal gefragt. “Über das Herz“, gibt sie zur Antwort. Nach Ansicht dieses Films verspürt gewiss ein guter Teil des Publikums Lust, ein Jane-Austen-Buch zu lesen. Die Person, mit der dieser kluge und warmherzige Film uns bekannt macht, möchte man (noch) näher kennenlernen. Ihren Gefühlen und ihrer Feder mag man sich anvertrauen - sie ist überaus sympathisch. Was gibt es Schöneres über die Hauptperson eines Films zu sagen?

        Bei diesem bemerkenswerten Film über die Pfarrerstochter Jane Austen (1775 bis 1817) handelt es sich um eine geschickte Kompilation der Austen-Romane. Wie eine Folie sind sie in die Handlung eingezogen, bleiben den Film über immer präsent. Jane Austens Leben wird so erzählt, als hätte sie selbst einen Roman über sich geschrieben. Das ist klug, witzig, reizvoll und wunderschön. Zwar basiert der Film überwiegend auf verbürgten Fakten, aber ein Teil des Drehbuches selbst ist Fiktion, möglicherweise auch Spekulation. Der Geschichte aber tut dies keinen Abbruch, weil die Wahrhaftigkeit, also, dass es so gewesen könnte, in jeder Einstellung frei von Zweifeln ist. Deutliche Bezüge zu “Shakespeare in Love“ sind unübersehbar, wodurch deutlich wird, welche enorme Bedeutung das literarische Werk und auch die Person Jane Austen für die Briten hat.

        Im Film sagt Jane Austen auf die Frage, wie worauf es in ihren Romanen ankommt: “Meine Figuren bekommen am Ende immer alle, was sie wollen.“ Für die Autorin selbst aber scheint dies nicht zu gelten. Das ist tragisch und lässt die Zuschauer die eine oder andere Träne vergießen. Sich selbst treu zu bleiben, die eigene Unabhängigkeit zu wahren und allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz auf Wahrhaftigkeit zu pochen, ist aber ein Wert an sich, der den eingeschlagenen Weg durchaus rechtfertigt. Jane Austen war eine konsequente Person, das ist imponierend.

        Beeindruckend und den ganzen Film über immer wieder begeisternd ist auch die inszenatorische Leistung. Anne Hathaway wird nun für immer unser “Bild“ von Jane Austen bestimmen, sie spielt mit bewundernswerter Hingabe und Kraft. Ihr zur Seite hervorragende Schauspieler, bis in die Nebenrollen blendend besetzt.

        Die Ausstattung ist betörend, dennoch ist dies ein Kostümfilm, der nicht “kostümig“ oder plüschig wirkt, sondern modern. Diese Wirkung verdankt sich zu einem guten Teil der hinreißenden und dennoch unaufdringlichen Filmmusik und der erstaunlichen “Schrift“ der Kamera.

        Traumhaft schöne Landschaftstotalen und dann wieder Detailbeobachtungen setzen eigene dramaturgische Akzente. Aufwändige Kamerafahrten oder auch eine nahe Handkamera erzählen auf je eigene Art. Der visuelle Ausdrucksreichtum korrespondiert auf das Schönste mit der Sorgsamkeit der werdenden Schriftstellerin, die schon gleich in der ersten Szene um die richtigen Worte ringt und diese skrupulös abwägt.

        “Geliebte Jane“ - schöner ist der englische Originaltitel “Becoming Jane“ - glänzt mit einer Filmschrift, die elegant zu nennen ein bescheiden englisches Kompliment wäre.

        “Geliebte Jane“ ist ein Kinoerlebnis, das die breite Landwand füllt - und jedes Herz, das zu schlagen noch imstande ist.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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