Sinn und Sinnlichkeit

  1. Ø 5
   1995

Sinn und Sinnlichkeit: Humorvolles Drama über zwei Schwestern, die aus dem englischen Standesdünkel im 19. Jahrhunderts ausbrechen wollen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Sinn und Sinnlichkeit: Humorvolles Drama über zwei Schwestern, die aus dem englischen Standesdünkel im 19. Jahrhunderts ausbrechen wollen.

In der von Standesdünkel und Materialismus geprägten englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts versuchen zwei Schwestern, ihr Glück in der Liebe zu finden. Ohne Mitgift werden sie zum Spielball rückgratloser Männer, folgen auf Freuden Enttäuschungen, bis Verstand und Gefühl in eine Richtung weisen, und sich der Traum von der großen Liebe erfüllt.

England um 1800. Die Dashwoods sind eine reiche, angesehene Familie. Als das Familienoberhaupt stirbt, vererbt er den gesamten Besitz an seinen Sohn John. Seine zweite Frau und die gemeinsamen Töchter Elinor, Marianne und Margaret müssen sich mit einer mageren jährlichen Pension begnügen. Obendrein haben Elinor und Marianne auch noch Pech in der Liebe. Nach kurzem Glück verlieren sie die Auserwählten ihres Herzens an andere Frauen – zumindest scheint es so. In der Krise finden die beiden Kraft für einen neuen Anfang.

Zwei ungleiche, mittellose Schwestern suchen im viktorianisch geprägten England nach ihrem Glück in der Liebe. Delikate, visuell eindrucksvolle Jane-Austen-Verfilmung, die perfekt zwischen Humor und Drama balanciert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • War es eine Entscheidung des Verstandes oder des Gefühls, dem zweifach oscarnominierten Regisseur Ang Lee („Das Hochzeitsbankett“) die Verfilmung von Jane Austens erzbritischem Romanklassiker anzuvertrauen? Es zeugt von Verstand, weil Lee bereits zuvor mit wenig Geld die hier geforderte dramatisch-komödiantische Mischform bravourös bewältigt hatte. Es zeugt von Gefühl, weil die Welt von Verhaltens-Konventionen und familiärem Druck für Lee trotz kultureller Unterschiede emotional bekanntes Territorium darstellte.

    Das Vertrauen der Produzenten hat der Regisseur jedenfalls gerechtfertigt. Bereits für sechs Golden Globes nominiert, ist „Sinn und Sinnlichkeit“ ein reifer und unterhaltsamer Film geworden, dem mit Rückenwind von Onkel Oscar Einspielergebnisse oberhalb der Ivory-Gipfel von „Zimmer mit Aussicht“ (310.000 Besucher) oder „Wiedersehen in Howards End“ (375.000) zuzutrauen sind. Parallelen mit letzterer E.M.-Forster-Verfilmung sind in Figuren und Themen unübersehbar. Ausgangspunkt ist hier wie dort ein nicht eingehaltenes Versprechen am Sterbebett – mit Emma Thompson als leidgeprüftem Doppelopfer. War es in „Howards End“ der gleichnamige Landsitz, so ist es in „Sinn und Sinnlichkeit“ zunächst das Geburtshaus und dann die großzügige finanzielle Unterstützung, die Thompsons Figur und ihrer Familie verwehrt werden. Während die intrigante Schwägerin sich im Familiensitz einnistet, müssen Elinor Dashwood (Thompson, die auch das Drehbuch schrieb!) und ihre Schwestern Margaret und Marianne (erneuter Talentbeweis nach „Heavenly Creatures“: Kate Winslet) das Haus verlassen. Die Bedeutung des Geldes als neben Herkunft zentrales statusbildendes Kriterium, ist bis zur letzten Einstellung das durchgehende Motiv in Lees Film. Geld bestimmt den Platz in der Gesellschaft, aber auch die emotionale Farbe der Liebe. Die Wahl des Partners wird zur Verstandes-, nicht zur Gefühlsentscheidung – eine Bankrotterklärung des Herzens, die an mehreren Figuren festgemacht wird. So verliebt sich Elinor in Edward (ein gewohnt devot-schüchterner Hugh Grant), den Bruder ihrer Schwägerin, der erst am Ende seinem Gefühl vertraut. So verfällt Marianne einem charmanten Verführer, der sie des Geldes wegen wie ein Spielzeug fallen läßt. Verstand und Gefühl beschreiben auch den charakterlichen Gegensatz der beiden engverbundenen Schwestern. Thompson verkörpert Vernunft und unterdrückte Leidenschaft – Winslet Impulsivität und sinnliche Romantik. Die Defizite beider Charaktere werden am Ende kompensiert, was im Falle Thompsons zu einem Gefühlsausbruch führt, der die in zwei Stunden aufgebaute psychologische Spannung unvergeßlich entlädt. Kein verkrampftes Kammerspiel, sondern einen lockeren, durchaus witzigen Emotionenparcours hat Ang Lee hier inszeniert – veredelt von plastischer und farbsatter Fotografie und exzellenten darstellerischen Leistungen. Diesen schönen Film muß man einfach mögen – aus Gründen des Verstandes und des Gefühls. kob.

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