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Gabrielle - Liebe meines Lebens

Kinostart: 12.01.2006

Gabrielle: Kostüm- und Beziehungsdrama von Patrice Chéreau über das ewige Unverständnis zwischen den Geschlechtern in der Belle Epoque.

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Filmhandlung und Hintergrund

Kostüm- und Beziehungsdrama von Patrice Chéreau über das ewige Unverständnis zwischen den Geschlechtern in der Belle Epoque.

Im Paris des frühen 20. Jahrhunderts pflegen die großbürgerlichen Eheleute Jean und Gabrielle Hervey (Pascal Greggory und Isabelle Huppert) einen eleganten Lebensstil und laden sich regelmäßig Freunde, Honoratioren und Kulturschaffende nach Hause ein. Hinter den Kulissen der nach außen heilen Society-Ehe jedoch brodelt es, seit Madame ihren Gatten eines Tages offiziell und ohne jede Vorwarnung verlassen hat. Bald darauf stand sie ebenso überraschend wieder auf der Matte, als sei nichts geschehen.

Der langen Tradition französischer Ehekriegskammerspiele fügt Regisseur Patrice Chéreau („Intimacy„) eine weitere Kostümfilmvariante hinzu.

Paris, 1912: Im Mittelpunkt der feinen Gesellschaft stehen Jean und Gabrielle, seit zehn Jahren verheiratet, ein Vorzeigepaar - sie klug, schön und schweigsam, er eloquent, finanziell saturiert und sophisticated. An einem ganz normalen Nachmittag verlässt Gabrielle ihren Mann - kurz darauf kehrt sie wieder zurück, unnahbar und unschuldig in der Schuld.

Paris um 1912. Das Ehepaar Jean und Gabrielle Hervey, seit zehn Jahren verheiratet, gehört zur französischen Oberschicht und genießt ein Leben in Luxus. Besonders beliebt bei der feinen Gesellschaft sind die Soireen im Hause Hervey. Da verlässt Gabrielle, die einen Liebhaber hat, ihren Mann eines Tages aus heiterem Himmel - um nur wenige Stunden später kurz zurückzukehren. Jean ist fassungslos, beginnt, um seine Frau zu kämpfen. Doch die bleibt kühl und unnahbar. Die Situation droht endgültig zu eskalieren.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Ein gut situiertes Ehepaar im Zeitalter der Belle Epoque: Der Mann ist stolz darauf, dass sein Leben von Konventionen bestimmt wird, anstatt von Gefühlen oder gar Leidenschaft. Joseph Conrads Erzählung „Die Rückkehr“ beschreibt in Form einer Gesellschaftssatire das böse Erwachen dieses Mannes, als seine Frau ihm zeigt, dass das Wichtigste in ihrem gemeinsamen Leben fehlt.

      Regisseur und Drehbuchautor Patrice Chéreau hat daraus ein neues Kammerspiel über Sehnsucht nach Nähe und Sprachlosigkeit gemacht, nur dass hier mehr gesprochen wird als in seinem Film „Intimacy“. Der Mann (Pascal Greggory) betrachtet seine Frau als Statussymbol, an dem er gerade die vornehme Blässe schätzt. Stets ist er um seinen Eindruck auf Andere besorgt, und darum, sich zum eigenen Vorteil unter Kontrolle zu halten. Das erwartet er auch von seiner Frau.

      Die Frau bleibt in Conrads Erzählung ziemlich stumm. Aus ihrem Schlüsselsatz im Streit der sich siezenden Eheleute, „Hätte ich daran geglaubt, dass Sie mich liebten, ich wäre nie zurückgekommen“, macht Chéreau eine eigene Studie. Isabelle Huppert spielt eine Frau, der ihr langjähriges Leiden wegen fehlender Liebe bewusst geworden ist. Die aber an einen Neuanfang nicht mehr glaubt, sich mit dem Mangel abfinden will und ihren Mann triumphal ins Abseits stellt.

      Das wortreiche Duell des Ehepaars inszeniert Chéreau, indem er mit stilistischen Mitteln experimentiert. So wechseln die Szenen zwischen Farbe und Schwarz-Weiß, erscheinen manchmal Sätze auf Schrifttafeln. Das große Haus und seine Bediensteten wirken fast verlassen, fremd. Anders als Conrad aber verlagert Chéreau die Auseinandersetzungen auch in eine der typischen Abendgesellschaften im Haus. Und Gabrielle bedient sich auch ihrer Kammerzofe Yvonne, um weitere Bruchstücke ihres Innenlebens zu offenbaren.

      Manchmal fallen Sätze, die zwar auch in der Belle Epoque gedacht werden konnten, aber vermutlich nicht laut gesagt wurden. Etwa wenn ein Gast zum Abschied verkündet, er sei bei Leuten eingeladen, zu denen seine jetzigen Gastgeber niemals Zutritt bekämen. Oder wenn Gabrielle ihre Zofe zur Komplizin ihres inneren Dramas macht, als hätte sie die angemessene Distanz zu den Dienstboten nicht von klein auf gelernt.

      Doch Chéreau wollte seinen Film auch nicht als Sittengemälde einer fernen Epoche verstanden wissen. Sondern seinem Interesse für Beziehungsdramen eine neue Variante hinzufügen. Aber die Kälte, die sich zwischen den Eheleuten ausbreitet, ist noch trostloser als in der Erzählung von Joseph Conrad. Während Gabrielle in der Verbitterung eine dauerhafte Zuflucht zu finden scheint, bleibt den Zuschauern ein gewisses Misstrauen, ob dieses Drama ernst genug für dauerhafte Gefühle ist, oder ob das Interesse des Regisseurs für sein Thema nicht eher flüchtiger Natur gewesen ist.

      Fazit: Unterkühltes Drama über den Mangel an Gefühlen in einer Ehe wohlhabender Pariser Bürger um 1912.
    2. Gabrielle - Liebe meines Lebens: Kostüm- und Beziehungsdrama von Patrice Chéreau über das ewige Unverständnis zwischen den Geschlechtern in der Belle Epoque.

      Nach harten Gegenwartsfilmen wie „Sein Bruder“ oder „Intimacy“ kehrt Patrice Chéreau zum Period-Piece zurück. „Gabrielle“ spielt in der Belle Epoque, gekennzeichnet durch Frieden und Wohlstand, Wohnkultur und Betonung des gesellschaftlichen Lebens. In dieser Atmosphäre des gehobenen Bürgertums hat sich ein Ehepaar eingerichtet in einem Leben ohne Liebe. Wer Chéreau kennt, ahnt das Trügerische der Ruhe. Eine Affäre der Frau bringt die Fassade zum Einsturz.

      Dienstmädchen, exquisite Dinner, kulturelle Abende mit Pianomusik. Im Jahre 1912 pflegt die Bourgeoisie einen eleganten Lebensstil. Im Mittelpunkt der feinen Gesellschaft stehen Jean und Gabrielle, seit zehn Jahren verheiratet, ein Vorzeigepaar. In ihrem Haus gehen die Honoratioren ein und aus, die Gastgeberin ist klug, schön und schweigsam, der Gastgeber eloquent, finanziell saturiert und sophisticated. Es könnte immer so weitergehen, wenn nicht an einem ganz normalen Nachmittag auf dem Sekretär ein Brief liegen würde. Madame hat Monsieur verlassen. Kaum hat der sich den Whisky eingeflößt, steht sie wieder da, unnahbar und unschuldig in der Schuld. Warum ist sie zurückgekommen? Vielleicht, weil das Leben mit dem anderen zuviel verlangt von ihr und eine Ehe ohne Liebe einfacher scheint, „es ist leichter nett zu sein, wenn man weniger will“ bemerkt Gabrielle. Die Szenen einer Ehe sind hier anfangs kontrolliert, die Worte noch nicht scharf wie Dolche, sondern im Miteinander abgestumpft wie die Gefühle füreinander. Aber dann eskaliert die Situation, weibliche Gleichgültigkeit macht verletzend, ein Bollwerk gegen männliche Eifersucht.

      Patrice Chéreau zeichnet Schritt für Schritt das offizielle Ende einer Amour, die nur noch als vage Erinnerung existiert. Ein Experiment beobachtet wie unter dem Brennglas der Wissenschaft, dessen schmerzhafte Anordnung Chéreau mit bitterer Lust arrangiert. Der Untergang des Mannes ermöglicht das Überleben der Frau. „Gabrielle“ ist kein Beziehungsdrama über eine spezifische Zeit, auch wenn die Präzision historischer Details überrascht, sondern über das ewige Unverständnis zwischen den Geschlechtern. Während Isabelle Huppert die Rätselhafte und gleichzeitig Pragmatische mimt, die ohne Liebe leben kann, entspricht Pascal Greggory so gar nicht dem Klischee des Betrogenen. Nachdem er seine Wut rausgelassen hat - ausgerechnet auf einer dieser Soirées - verschwindet er einfach, flieht vor der emotionale Kälte. Kino in seiner reinsten Form nach einer Kurzgeschichte von Joseph Conrad. Der Ehekrieg, der goldene Käfig, eine Welt voller gesellschaftlicher Verpflichtungen, Konventionen und sinnloser Konversationen offenbaren den Grund für den Wahnsinn des Mannes und die Macht der Frau. Es gibt keinen Gewinner und keinen Verlierer, sondern nur verwundete Seelen. Unverständlich bleibt die Farbdramaturgie. Da geht es von schwarz-weiß Bildern in Farbe hinein und wieder zurück, gibt es Zwischentexte wie im Stummfilm, an die man sich gewöhnt. Ein Kammerspiel für Kenner, das seinen spröden Reiz nur langsam entfaltet, aber dann gnadenlos das Lieblosigkeitsalphabet durchbuchstabiert. mk.
    3. „Wertvoll”

        Patrice Chéreaus inszeniert in „Gabrielle“ menschliche Beziehungen in schonungslosen Offenheit. „Gabrielle“ ist radikales Erzählkino für Kopf und Bauch, sinnlich und intelligent, mutig und weit über herkömmliche Beziehungsfilme hinausweisend - und dazu meisterhaft inszeniert. Die ganze Klasse von Chèreaus Regie kann sich aber erst durch die grandiose Schauspielkunst von Isabelle Huppert und Pascal Greggory entfalten, die hier als Ehepaar eine atemberaubend glaubwürdige Vorstellung geben.

        Kammerspielhaft entrollt sich vor unseren Augen ein Sittengemälde der „feineren Gesellschaft“ im Paris der ersten Dekade des vergangenen Jahrhunderts: Die Ehe der Herveys ist eine Zweckgemeinschaft für ein solides, unbeschwertes Leben mit dem gepflegten Umgang kulturell und sozial gleichgestellter Mitbürger. Nach zehn Ehejahren steigt die Ehefrau plötzlich aus ihrem monotonen Leben aus, verlässt den Ehemann für einen Liebhaber, kehrt aber rasch - schon binnen Stunden - nach Hause zurück. Aber ein tiefer Abgrund hat sich aufgetan und jetzt beginnt das fein gesponnene Spiel gegenseitiger verbaler Grausamkeiten.

        Dramaturgisch geschickt erfährt der Zuschauer durch die Erzählung des Mannes aus dem Off, wie sich sein Bild der Frau darstellt, ja, wie er sie wohl gerne gehabt hätte. Dann zeigt sich die Frau, wie sie wirklich ist, und wie ihre Sicht von zehn Jahre Ehe aussieht. Der Ehemann gibt vor, keine Fragen stellen zu wollen und hinterfragt doch ständig. Sie besteht darauf, keine Antworten zu geben und liefert diese doch beständig mit gnadenloser Direktheit. (…)

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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