Full Metal Village (2006)

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Filmhandlung und Hintergrund

Full Metal Village: Dokumentation über den schleswig-holsteinischen 2000-Seelen Ort Wacken, der alljährlich durch das Wacken Open Air zum Mekka für 40.000 Heavy-Metal-Fans aus aller Welt wird.

Das Wacken Open Air hat sich seit Jahren zum wichtigsten Festival für Heavy-Metal-Fans entwickelt. Die internationale Szene trifft sich alljährlich zur ohrenbetäubenden Party – in einem winzigen schleswig-holsteinischen Dorf. Dann stehen 2000 gutbürgerliche Einwohner 40.000 ausgewachsenen Schwermetallern gegenüber. Zwei Kulturen prallen aufeinander, symbolisiert durch Kirchenchor und gotteslästerliche Combos. Aber der kleine Ort lebt auch von den Nebeneinkünften. Und manchen begeistert der Mentalitätswandel gar.

Witzige Doku über ein verschlafenes Dorf, das alljährlich zum Metal-Mekka mutiert. Die Koreanerin Sung Hyung Cho gewann mit ihren skurrilen Einsichten über den Umgang der Bewohner mit dem Massenphänomen den renommierten Max-Ophüls-Preis.

In Schleswig-Holstein, da ist die Welt noch in Ordnung. Kühe grasen auf Wiesen, die Felder scheinen einer landwirtschaftlichen Postkartenidylle entsprungen. Doch einmal pro Jahr findet hier das beliebteste Heavy-Metal-Festival Deutschlands statt, ein Open Air, das auch internationales Publikum anzieht. Zwei Welten prallen dann aufeinander, zwei Kulturen, die sonst fast überschneidungsfrei nebeneinander existieren.

Kritiken und Bewertungen

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    Full Metal Village, ein Dokumentarfilm der in Deutschland lebenden koreanischen Regisseurin Sung-Hyung Cho, war 2006 ein ganz besonderes, viel beachtetes Ausrufezeichen der nationalen Dokumentarfilmszene. Schildert er doch eine Begegnung der ganz besonderen Art: die Kollision zweier Kulturen und Lebensformen.

    Seit 15 Jahren wird am ersten Augustwochenende das kleine schleswig-holsteinische Dorf Wacken, eine 2000 Seelen-Gemeinde, zum Mekka der Heavy und Full Metal Fans. Waren die Anfänge noch bescheiden und überschaubar, so kommen inzwischen etwa 40.000 Besucher aus der ganzen Welt angereist.

    Ein größerer Kontrast ist schwerlich denkbar: hie eine scheinbar seit Jahrhunderten kaum veränderte, dörfliche Gemeinschaft, da die verschworene Fangemeinde mit ihren eigenwilligen Ritualen. Folglich eine Begegnung mit absurden, paradoxen oder auch reichlich skurrilen Zügen.

    Sung-Hyung Cho nennt "Full Metal Village" einen "Heimatfilm". Zurecht, wird man doch dem Film am ehesten gerecht, wenn man seine Selbstdefinition ernst nimmt. Etwa drei Fünftel des Films dominiert der Duktus der ethnografischen Spurensuche.

    Die Regisseurin entdeckt eine auch für sie ganz persönlich wenig vertraute Welt, lässt den Zuschauer Schritt für Schritt an ihren Entdeckungen teilhaben. Wir erleben unmittelbar den Charme dieser Annäherung. Nach und nach offenbart sich: Auch diese bäuerliche Gemeinschaft ist im Wandel, das bäuerliche Selbstverständnis ist teilweise radikal verändert.

    Bauer Trede, der die Festivalwiesen verpachtet, betreibt eine Biogas-Anlage und macht in Aktiengeschäften - gemäß seinem neuen Leitspruch: "Menschen sind besser zu melken als Kühe." Junge Mädchen träumen von einer Karriere als Fotomodel, dörfliche Seniorinnen tanzen nach Country-Klängen, auch wenn sie noch Satanismusgerüchte über die "fremdartigen Gäste" kolportieren. Auch die aktuellen existentiellen Ängste in Deutschland haben vor Wacken nicht Halt gemacht.

    Der Film steigert elegant und allmählich sein Tempo, verändert seinen Rhythmus. Der beschaulich-behutsamen Schilderung folgt der "Einbruch" der Heavy Metal Welt, der sich bis zum Furioso einer Walpurgisnacht unserer Zeit steigert.

    Dann noch einmal ein Stilwechsel im Schluss-Epilog, Bilder der Ermüdung, ja des Katzenjammers nach der Orgie, nach der Party.

    Die allmähliche Rückkehr zur "Normalität", wenn das "Schlachtfeld" aufgeräumt wird.

    Eine besonders in der Strukturierung und der Komposition der Stimmungswechsel gelungene Arbeit (Kamera: Marcus Winterbauer). Sie wahrt die besondere Tugend des Dokumentarischen, genau zu beobachten und zu zeigen - und die Wertung dem Betrachter zu überlassen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Den etwas anderen Heimatfilm liefert die gebürtige Koreanerin Cho Sung-Hyung mit einer unterhaltsamen bis urkomischen Doku über das verschlafene norddeutsche Nest Wacken, das einmal im Jahr zum Metal-Mekka mutiert.

    In Schleswig-Holstein, da ist die Welt noch in Ordnung. Kühe grasen auf Wiesen, die Felder scheinen einer landwirtschaftlichen Postkartenidylle entsprungen. Doch einmal pro Jahr findet hier das beliebteste Heavy-Metal-Festival Deutschlands statt, ein Open Air, das auch internationales Publikum anzieht. Zwei Welten prallen dann aufeinander, zwei Kulturen, die sonst fast überschneidungsfrei nebeneinander existieren. Wie die 1800-Seelen-Gemeinde mit dem kuriosen Phänomen von 40.000 lautstarken Headbangern umgeht, beschreibt Cho Sung-Hyung in einer amüsanten Studie mit humorvollen Tönen, wofür ihr unter anderem der renommierte Max-Ophüls-Preis verliehen wurde.

    Das eigentliche Event bleibt bis auf den Schluss nur Hintergrund und bildet den Anlass für die Anatomie eines Dorfes, die mit einer gemächlichen Rundfahrt beginnt. In fast essayistischer Manier lernt man einige Einwohner kennen. Nichts kündet von dem alljährlichen Ausnahmezustand, von dem Tierschädel des Wacken Office mal abgesehen. Und doch hat sich das Open Air in die Identität der Menschen eingegraben. Die Bauern Trede und Plähn geben Einblick in ihren Ehe- und Arbeitsalltag sowie die Freizeitgestaltung – Tanzkurse, Stammtischabende, Blasmusikkapellen – was ältere Herrschaften eben so zu tun pflegen. Die Dorfjugend ist in der Minderzahl: Es gibt kaum mehr als zwei dem Schlankheitswahn verfallene Landpomeranzen, die 16-jährige Katrin und ihre Freundin, die von der Modelkarriere träumen und sich auf das Treffen freuen. Nicht so Katrins Oma Irma, die beim Kaffeekränzchen mit ihrer Bekannten Horrorgerüchte von blasphemischen Teufelsanbetern und ihrer schauerlichen Metalmusik zum Besten gibt. Kurz darauf erzählen die beiden Heimatvertriebenen von der Flucht aus Ostpreußen über das gefrorene Haff – nicht der einzige Moment, der einem nahegeht. Mit dem unbefangenen Blick einer Ausländerin entdeckt Cho in diesen schräg-komischen Interviews überaus sensibel das Menschliche. Die Befragten verkünden dann im steifen norddeutschen Akzent die irrsten Ansichten und lassen sich zu den eigentümlichsten Aussagen hinreißen. Solche Originale, herrlich kauzig und auch provinziell naiv – doch immer liebenswert – sind der Trumpf des Films, der das Zeug zur Doku des Jahres hat. tk.

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