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Fremder Feind

  

Filmhandlung und Hintergrund

Spannendes, intensives Außenseiterdrama um einen Mann, der seine Familie und seine Überzeugungen verliert.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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3 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Fremder Feind: Spannendes, intensives Außenseiterdrama um einen Mann, der seine Familie und seine Überzeugungen verliert.

    Spannendes, intensives Außenseiterdrama um einen Mann, der seine Familie und seine Überzeugungen verliert.

    Nur sehr wenige Fernsehfilme können damit renommieren, Premiere auf einem A-Filmfestival gefeiert zu haben. „Fremder Feind“, Mittwochsfilm der ARD und vom WDR in Auftrag gegeben, wurde 2017 diese Ehre in Venedig in der Reihe Orrizonti zuteil. Seither hat er eine beachtliche Festivalkarriere hinter sich gebracht. Regiemeister Edgar Reitz ist das mit „Heimat“ gelungen, aber „Fremder Feind“ ist erst die zweite Regiearbeit des jungen Filmemachers Rick Ostermann, der für sein Kinodebüt „Wolfskinder“ 2014 beim Filmfest München ausgezeichnet wurde.

    Sein neuer Film ist eine intensive Geduldsprobe, die den Zuschauer in das Drama einer Familie zieht, die an den nur scheinbar privaten Auswirkungen eines fernen Krieges zerbricht. Der großartige Ulrich Matthes spielt Arnold Stein, einen einsamen Mann und Familienvater, der sich zu Beginn auf eine im tiefsten Winter kaum zugängliche Berghütte zurück zieht. Nur langsam erfährt man über zwei ineinander verschränkte Erzählebenen, dass dieser Mann alles verloren hat. Sein einziger Sohn hat sich aus einem für den Pazifisten kaum nachvollziehbaren Verantwortungsgefühl für einen Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan verpflichtet. Seine Frau (in ihren wenigen Szenen besonders eindringlich: Barbara Auer) reagiert genauso verstört, verletzt und verständnislos wie ihr Mann.

    „Krieg“, so der Titel der literarischen Vorlage, herrscht aber nicht nur am Hindukusch, sondern auch in den Beziehungen und Köpfen der Protagonisten des Films, die ein schmerzhaftes Gefühl der Entfremdung von ihren Liebsten und allem Gesicherten durchzieht. An seinem Zufluchtsort in den Alpen wird Stein in einen rätselhaften Zweikampf mit einem ihm Unbekannten verstrickt, den er ganz gegen seine langjährigen Überzeugungen mit grausamer Entschlossenheit bis zum Ende durchkämpfen will.

    Produzent Marcos Kantis („Oh Boy„) und Redakteurin Corinna Liedtke („Wild“) haben den hohen Anspruch für den Mittwochsendeplatz wörtlich genommen und fordern mit diesem nur nach und nach zu entschlüsselnden Außenseiter- und Familiendrama ein hohes Maß an Aufmerksamkeit vom Primetime-Publikum. Rick Ostermanns Film hat alle Qualitäten eines herausragenden Arthouse-Kinofilms, seine mit bitterer Konsequenz erzählte Geschichte entwickelt einen schleichenden Sog, und einem Wintereinbruch kurz vor Drehstart verdankt die Produktion geradezu magische Bilder entwurzelter Individuen in einer unzugänglichen Schneelandschaft.

    Während sich sonst Kinofilme, mit gleichem Anspruch gedreht, sehr schwer tun, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu dieser Vorzugszeit zur Ausstrahlung zu kommen, kann nun „Fremder Feind“ zeigen, ob es diesem nicht sofort zugänglichen, aber lohnenswerten Kopfkino an seinem Sendeplatz gelingt, ein Millionenpublikum zu fesseln. Aus einem Erfolg ließen sich jedenfalls für die Programmverantwortlichen viele reizvolle Schlüsse ziehen. uh.

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