Ferien vom Leben

  1. Ø 4
   2017
Ferien vom Leben Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Ferien vom Leben: Tragikomisches Roadmovie mit Hannelore Elsner und Marie Bäumer.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Im Grunde müsste diese Tragikomödie „Ferien vom Tod“ heißen, denn die eigentliche Handlung beginnt mit einer niederschmetternden Diagnose: Künstlerin Lilo (Hannelore Elsner) hat Krebs. Ohne eine entsprechende Behandlung bleibt ihr kaum noch Zeit, aber die Therapie würde das Unvermeidliche nur aufschieben. Also verzichtet sie lieber darauf und stürzt sich in ein letztes Abenteuer

    Weil sie keine Lust auf das Mitleid ihrer Tochter Caro (Marie Bäumer) hat, mit der sie sich ohnehin dauernd streitet, steigt sie an einer Tankstelle kurzerhand in den Laster von Fernfahrer Sami (Navid Navid). Der Exil-Iraner ist zunächst verblüfft, nimmt die unkonventionelle ältere Frau aber trotzdem mit und sorgt mit seiner positiven Art schließlich dafür, dass lange verdrängte Wahrheiten besprochen werden und alte Wunden sich endlich schließen; aber den Krebs kann auch der sonnige Sami nicht besiegen.

    Für Hannelore Elsner muss sich die Rolle der flatterhaften egozentrischen Lilo wie das Wiedersehen mit einer alten Freundin angefühlt haben; Mütter, die ihr Leben ausgekostet und ihre Töchter vernachlässigt haben, hat sie in den letzten Jahren regelmäßig gespielt, zuletzt unter anderem in dem ARD-Mittwochsfilm „Die Diva, Thailand und wir!“ oder in Doris Dörries Kinofilm „Alles inklusive„. Das Drehbuch von Kerstin Schütze besteht ohnehin aus diversen Versatzstücken, die in ähnlicher Form auch anderswo schon mal erzählt worden sind. Das macht aber gar nichts, weil die komödienerfahrene Regisseurin Sophie Allet-Coche aus dem Stoff ein wunderbar leichtes und sehr schön gespieltes dreifaches Road-Movie gemacht, denn zusätzlich zu Mutter und Tochter gibt es noch weitere wichtige Figuren mit ungelösten Problemen: Caros Ehe mit Andreas (Robert Schupp) existiert längst nur noch auf dem Papier. Sohn Vincent (Emilo Sakraya) wiederum hat sich von den Eltern entfremdet und macht sein eigenes Ding. Als Lilo mit Sami Richtung Polen auf und davon fährt, nehmen Caro und Vincent die Verfolgung auf und haben endlich mal Zeit, miteinander zu reden. Auch Andreas macht sich auf den Weg; sein Begleiter ist Darek (Daniel Axt), Vincents Freund.

    Die schönste Rolle hat allerdings Navíd Akhavan, der sich als Schauspieler Navid Navid nennt: Sami ist ein unerschöpflicher Quell an persischen Kalendersprüchen und verbreitet mit seiner ansteckenden Lebensfreude eine Stimmung, die den ganzen Film prägt; die witzigen Dialoge sind ohnehin das Beste an „Ferien vom Leben“. Gleichzeitig haben Schütze und Allet-Coche dafür gesorgt, dass eine gewisse Melancholie die Geschichte durchzieht: In vielen Szenen ist Lilos Spielpartnerin ein kleines Mädchen mit rotblauem Cape, das nur sie sehen kann. Es handelt sich allerdings nicht um Caro, sondern um die als Kind bei einem tragischen Unfall gestorbene Jule. Der Kindstod steht bis heute zwischen den beiden Frauen, denn Lilo gibt der älteren Tochter die Schuld an Jules Unfall. Er ist auch der Grund, warum sich Lilo überhaupt auf die Reise gemacht hat: Sie will ein letztes Mal jenen Ort besuchen, an dem sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hat. Rund um diesen Trip in die Vergangenheit hat sich Kerstin Schütze – „Ferien vom Leben“ ist ihr erstes eigenes verfilmtes Drehbuch – eine Vielzahl schöner Situationen ausgedacht, die sie zudem mit witzigen Ideen ausschmückt. Auf diese Weise gelingt eine schöne Gratwanderung zwischen Komödie und Drama. tpg.

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