Fata Morgana

  1. Ø 1
   2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Fata Morgana: Mix aus Abenteuerfilm und Selbstfindungsparabel um ein Paar, das in der Wüste strandet.

Daniel (Matthias Schweighöfer) und Laura (Marie Zielcke), ein junges Pärchen, reisen für ihren Urlaub nach Marokko. In der Touristenhochburg Agadir entschließen sie sich spontan, mit einem gemieteten Jeep einen Tagesausflug in die Westsahara zu unternehmen – mit fatalen Folgen! Als sie von der Sandpiste abkommen, irren sie orientierungslos umher, drohen zu verdursten. Da taucht der mysteriöse französische Weltenbummler Nick (Jean-Hugues Anglade) als Retter in höchster Not auf. Er verspricht, sie nach Agadir zu bringen, führt aber Schlimmes im Schilde.

Als Spielfilmdebüt hat sich Simon Groß ein Abenteuerdrama mit Thrillerqualitäten ausgesucht, das im sonnig-hellen Sand der weiten Wüste eine Reise in menschliche Düsternis unternimmt. Der Franzose Jean-Hugues Anglade („Betty Blue„) verleiht der Produktion internationales Flair.

Daniel und Laura, ein junges Pärchen aus Deutschland, reist nach Marokko. Einer Laune folgend mieten sie einen Jeep und unternehmen einen Ausflug in die Sahara. Da springt der Wagen nicht mehr an. Ein namenloser Fremder taucht auf, repariert das Fahrzeug und verspricht, die beiden in die Zivilisation zurückzuführen.

Beim Marokko-Urlaub, den sich Daniel und Laura nach seinem bestandenen Examen gönnen, mieten die beiden einen Jeep und unternehmen einen Ausflug in die Sahara. Sie verlassen die Pisten, lieben sich in den Dünen und müssen feststellen, dass der Wagen nicht mehr anspringt. Die Verzweiflung des deutschen Paares wächst, bis aus dem Nichts ein namenloser Fremder auftaucht, das Fahrzeug repariert und verspricht, die beiden in die Zivilisation zurückzuführen. Dabei führt sein Weg immer tiefer in Wüste.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Beim Wüstenausflug fahren Daniel und Laura aus Abenteuerlust von der Straße ab, so wie Rotkäppchen vom rechten Weg abkommt; und der Wind verweht die Spuren, so dass sie wie Hänsel und Gretel nicht mehr zurückfinden. Von Anfang an macht der Film keinen Hehl daraus, dass er wie ein Märchen begriffen werden will; wohlgemerkt: ein Märchen im eigentlichen, volkstümlich-mythischen Sinn, nicht eine einfache Kindergeschichte mit Lustigkeit und Zauberei und Happy End. Vielmehr setzt „Fata Morgana“ die Wüste an Stelle des mythischen Märchenwaldes, der Dunkelheit, Prüfung und Initiation bedeutet.

    Aus dem Nichts taucht ein Fremder ohne Namen auf, wortkarg, lange Haare, schwarze Kleidung, die Kippe lässig im Mundwinkel: ein böser Wolf? Ein Geist? Ein Retter in der Not? Der Teufel oder ein Engel? Ihm jedenfalls sind Daniel und Laura ausgeliefert, er ist der Führer durch die weite, leere Wüstenlandschaft, die Schwelle, die es zu überwinden gilt, der Prüfstein für ihre Beziehung zueinander, die kommunikativ und emotional von Anfang an gestört scheint.

    Er ist die erste als existentiell empfundene Bedrohung im Leben von Daniel und Laura, und beide gehen ganz unterschiedlich damit um. Daniels Misstrauen, seine verschämten Versuche, die Handlungshoheit wiederzuerlangen, zeigen, dass er sich zwar nicht an die Regeln des Fremden halten will, dabei aber zu zaghaft und inkonsequent ist, um sie wirklich zu brechen. Dagegen reagiert Laura nur, hängt sich an den Fremden, ergreift nie die Initiative, lässt sich willig auf ihn ein. Beide sind unreif, kindisch, ohne Rückgrat und eigene Haltung – und das nutzt der Fremde aus, der mit ihnen spielt, dessen süffisant-lakonisches Lachen und provozierende Blicke einen Spiegel all der Schwächen des jungen Paares bilden.

    Darum geht es: einmal etwas richtig zu machen, einmal richtig etwas zu machen, etwas ganz und gar zu vollbringen – aber dabei hinterlassen Daniel und Laura nur Scherben, weil sie nie gelernt haben, sich einer Herausforderung zu stellen.

    Das Überwinden ist der metaphysische Zweck der Wüstenreise, die nie als etwas Reales gezeigt wird, die immer etwas Unwirkliches an sich hat, die man also nie für bare Münze nehmen – die man aber auch nicht als bloße metaphorische Allegorie, als Phantasie oder Traum abtun darf. Die Reise – sie ist natürlich auch eine innerliche, in die eigene Seele – spielt sich in einem faszinierenden Zwischenreich ab.

    Und welch fantastische Locations Simon Groß für seinen Film in der Wüste gefunden hat! Unberührtes Land, Sand, Steinebenen, uralte Steinmauern an felsigen Hügeln, Salzflächen und eine verlassene Wüstenstadt mit verwinkelten Ruinen und labyrinthischen Wegen. Hier kulminiert das Zusammen- und Auseinanderspiel von Wirklichkeit, Phantasie und Halluzination. Eine letzte große Auseinandersetzung mit dem seltsamen Fremden, dem Bedroher, dem Retter vielleicht ist die letzte Stufe des Reifungsprozesses, den Daniel und Laura durchlaufen müssen – für die sie aber doch zu selbstsüchtig, zu sehr gefangen in den eigenen (falschen) Gedanken und Gefühlen sind. Und es ist klar: Wer Schuld auf sich lädt, kann nicht erlöst werden, das ist wie im Märchen. Nur dass dort, wenn dann schließlich doch der Lernprozess des Protagonisten erfolgreich abgeschlossen ist, am Ende doch jede Kerbe ausgewetzt ist.

    Fazit: Eine mythische Wüstenreise ist der Prüfstein für das junge Paar Daniel und Laura: für ihre Beziehung zueinander, für ihre Integrität als Individuum, für ihren Umgang mit dem Fremden.
  • Mit seinem Spielfilmerstling gelingt Simon Groß ein cleverer Mix aus Abenteuerfilm und Selbstfindungsparabel, der vor allem auf visueller Ebene besticht.

    „Fata Morgana“. Der Titel evoziert bei Kinofreaks (wohlige) Erinnerungen, ob Werner Herzogs poetischem Sci-fi-Film um einen dem Untergang geweihten Planeten. Aus dem Jahre 1971 stammt dessen visionäre „Landbeschau“, diese einzige große Sinnestäuschung, der der Spielfilmdebütant Simon Groß nun seine gleichnamige Variante folgen lässt. Auf dem Filmfest München 2007 mit dem mit 30.000 Euro dotierten „Förderpreis Deutscher Film“ ausgezeichnet, lässt auch Groß‘ Werk keine simplen Deutungsmöglichkeiten, keine einfachen Erklärungsmodelle zu. Auf seine Arbeit muss man sich einlassen, wie auf einen (Drogen-)Trip, dabei aufs Beste hoffen und sich am (möglichen) bösen Erwachen nicht stören.

    Ein solches haben Daniel und Laura, ein junges Pärchen aus Deutschland. Er, überzeugend gespielt von Matthias Schweighöfer („Soloalbum“), hat gerade das Staatsexamen bestanden, und belohnt nun sich und seine Freundin – passend blass und ungelenk: Marie Zielke („Agnes und seine Brüder“) – mit einem Marokko-Urlaub. Einer Laune folgend mieten sie einen Jeep und unternehmen einen Ausflug in die Sahara. Verlassen die Pisten, lieben sich in den Dünen – da springt der Wagen nicht mehr an. So beginnen klassische Abenteuer- und Überlebensdramen und als solches lässt sich dieses cineastische Rätsel auch lesen. Zumal aus dem Nichts ein namenloser Fremder – Jean-Hugues Anglade („Killing Zoe“) wandelt auf den Spuren von Clint Eastwood – auftaucht, das Fahrzeug repariert und verspricht, die beiden in die Zivilisation zurückzuführen. Obwohl sein Weg immer tiefer in Wüste führt.

    Schroff ragen Felsen ins Blau des Himmels, sanft rollen die Dünen, rötlich glänzt der Sand und bis zum Horizont erstreckt sich die Einöde. Die wunderschönen Bilder von Peter Steuger („101 Reykjavik“) sind es, die sich einem zuerst ins Gedächtnis einbrennen und vom (Minimal-)Plot ablenken. Zu sphärischen Klängen (Musik: Mariana Bernoski) passiert – sieht man von einem tosenden Sandsturm ab – nicht viel: Die (gestörte) Kommunikation des Paares beschränkt sich aufs Nötigste, der mysteriöse Helfer weckt bei Laura Begehrlichkeiten und bei Daniel die Eifersucht. Er zersticht die Motorradreifen ihres Retters, setzt sich mit der Partnerin heimlich ab – nur um den Mann ohne Namen in einer verlassenen Wüstenstadt wieder zu treffen. Der Teufel möglicherweise? Eine Fata Morgana, ein Albtraum, eine Reminiszenz an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“… Möglich. Auf alle Fälle eine fiebrige Reise ins Ich und der Beweis, dass man mit minimalsten Mitteln maximalen Effekt erzielen kann. geh.

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