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Endlich Witwer

Filmhandlung und Hintergrund

Ein brillanter Joachim Król krönt die großartige Gesamtleistung einer ganz besonderen Komödie. Solche Glücksfälle sind selten, aber es gibt sie: Filme, die wunschlos glücklich machen. Drehbuch, Schauspieler, Bildgestaltung, Ausstattung: Selbst notorische Nörgler dürften es schwer haben, bei dieser Komödie ein Haar in der Suppe zu finden. Martin Rauhaus genießt spätestens seit seinem tragikomischen Krebsdrama...

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Kritikerrezensionen

  • Ein brillanter Joachim Król krönt die großartige Gesamtleistung einer ganz besonderen Komödie.

    Solche Glücksfälle sind selten, aber es gibt sie: Filme, die wunschlos glücklich machen. Drehbuch, Schauspieler, Bildgestaltung, Ausstattung: Selbst notorische Nörgler dürften es schwer haben, bei dieser Komödie ein Haar in der Suppe zu finden. Martin Rauhaus genießt spätestens seit seinem tragikomischen Krebsdrama „Ein starker Abgang“ (2009, ZDF) einen Ruf als Dialogkoryphäe, den er beispielsweise mit den „Allmen“-Krimis nachhaltig bestätigt hat. Diesmal erzählt der Autor eine Geschichte, die zunächst wenig einladend klingt. Als sich der sechzigjährige Kunstrasenhersteller Georg Weiser, von Joachim Król uneitel bis an die Schmerzgrenze verkörpert, wieder mal ärgert, dass er warmes Bier trinken muss, weil im Kühlschrank kein Platz mehr war, verhallt seine Tirade ungehört: Die Gattin ist friedlich entschlafen. Nach der Beerdigung befreit er das Haus erst mal von dem ganzen kleinbürgerlichen Plunder, der sich im Lauf der Jahre angesammelt hat, und dann füllt er den Kühlschrank von oben bis unten mit Bierflaschen. Der acht Minuten lange Prolog endet mit dem Titel, der angesichts der tiefen Befriedigung in Georgs Gesicht nicht mal ein Ausrufezeichen benötigt: „Endlich Witwer“.

    Bis hierher würde die Handlung sogar als makabrer Kurzfilm funktionieren, aber tatsächlich geht die Geschichte jetzt erst richtig los, denn Grantler Georg muss sich irgendwie zum Sympathieträger wandeln. Der Misanthrop ist ein Bruder im Geiste des zynischen Schriftstellers Kilian, den Bruno Ganz so unnachahmlich in „Ein starker Abgang“ gespielt hat. Kilian war ein ähnlich hoffnungsloser Fall, wurde angesichts einer unheilbaren Krankheit aber schließlich doch noch ein besserer Mensch. Rauhaus erspart seinem Antihelden zwar eine Komplettläuterung, die auch unglaubwürdig gewesen wäre, aber am Ende beherzigt Georg immerhin ein paar Grundregeln des menschlichen Miteinanders. Damit ihm der Sinneswandel nicht aus heiterem Himmel widerfährt, erklingt immer wieder mal als musikalisches Leitmotiv „Child in Time“ von Deep Purple. Der Song geistert ähnlich durch den Film wie ein früherer Freund und Mitschüler (Andreas Hoppe), der wie ein personifiziertes schlechtes Gewissen für die Aufbruchstimmung der Jugendjahre in den Siebzigern steht.

    Größeren Einfluss auf Georgs Dasein hat zunächst jedoch seine verhuschte Tochter Susanne (Friederike Kempter), die dem Vater angesichts der Vermüllung seines Domizils eine Putzfrau ins Haus schickt. Gisela (Anneke Kim Sarnau) ist zwar ebenfalls verwitwet, aber Rauhaus verzichtet auf jedwede romantische Attitüde. Die Konstellation funktioniert ähnlich wie zuletzt in „Mein Freund, das Ekel“: hier der Menschenfeind, dort die alleinerziehende Mutter, deren Schicksal den Alten irgendwie doch rührt. Als Gisela auf einen Verehrer (Peter Jordan) reinzufallen droht, den Georg für einen Hochstapler hält, ergreift er zum vermutlich ersten Mal seit seiner Hochzeit Initiative für jemand anderen; auf diese Weise gelingt es Rauhaus auch, das zerrüttete Verhältnis zwischen Georg und seinem Sohn (Tristan Seith) zu kitten, denn der vom Vater als Versager verachtete Gerd ist Privatdetektiv und ziemlich top in seinem Job.

    Auch jenseits der ausnahmslos vorzüglichen Schauspieler finden sich eine Menge guter Argumente für den einen oder anderen Fernsehpreis. Gemeinsam mit Bildgestaltung (Florian Emmerich) und Produktionsdesign (Oliver Schiefner) hat Regisseurin Pia Strietmann dafür gesorgt, dass Georg wie in einer Gruft lebt: Sein Dasein wird von Brauntönen in allen nur denkbaren Schattierungen dominiert. Trotzdem sind es neben Króls formidablem Spiel vor allem Rauhaus‘ Einfälle, die „Endlich Witwer“ zu einer herausragend guten TV-Komödie machen. tpg.
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