Filmhandlung und Hintergrund

Schöner, von hinten aufgezäumter Liebesfilm, dessen provokativer Titel auf eine falsche Fährte führt.

Ein Mann und eine Frau ohne Identität treffen sich auf eine Kontaktanzeige hin im Café, die Frau kommt sofort zur Sache. Sie will endlich das tun, was ihre Partner „nie akzeptierten“. Von nun an geht man immer donnerstags ins Hotel und lebt seine sexuellen Phantasien aus. Und dann kommt unerwartet und eigentlich unerwünscht Liebe ins Spiel, leise, flüchtig, fast unbemerkt.

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Kritikerrezensionen

  • Eine pornografische Beziehung: Schöner, von hinten aufgezäumter Liebesfilm, dessen provokativer Titel auf eine falsche Fährte führt.

    Während beim diesjährigen Filmfestival Venedig ein Großteil der Beiträge viel Fleisch aber wenig Erotik zeigten, überraschte der Belgier Frédéric Fonteyne mit einem der schönsten Liebesfilme und führte mit dem provokativen Titel auf eine falsche Fährte. Es geht mitnichten um Pornographie, sondern um Gefühle, Zärtlichkeit und die Erinnerung an eine verpaßte Chance.

    Ein Mann und eine Frau ohne Namen und Identität, nicht alt, nicht jung, nicht schön, nicht häßlich, treffen sich auf eine Kontaktanzeige hin im Café, die Frau kommt sofort zur Sache. Sie will endlich das tun, was ihre Partner „nie akzeptierten“. Man geht ins Hotel, verbringt eine schöne Stunde und trennt sich wieder ohne Bedauern. Das Procedere wiederholt sich jeden Donnerstag. Das Paar lebt seine sexuellen Phantasien aus, es gibt keine Vergangenheit, aber auch keine Zukunft. Und dann kommt unerwartet und eigentlich unerwünscht Liebe ins Spiel, leise, flüchtig, fast unbemerkt. Wenn die Erwachsenen das erste Mal wirklich „Liebe machen“ - ganz normalen Sex - betreten sie emotionales Neuland, verhalten sie sich nervös wie unerfahrene Teenager. Aber ganz wie im richtigen Leben komplizieren Gefühle alles, es kommt zu Mißverständnissen, beide wollen eine Beziehung, kämpfen aber nicht dafür, wagen aus Angst vor Enttäuschung keinen Neuanfang. Was bleibt, ist Wehmut, die Erinnerung an eine nicht gelebte Liebe.

    Bertoluccis „Der letzte Tango in Paris“ stand Pate bei diesem psychologisch stimmigen und aufregenden Kammerspiel des Belgiers Frédéric Fonteyne. Dennoch ist die Struktur unterschiedlich. Vor der Kamera erzählen die Protagonisten in langen Rückblenden ihre Version der Love-Story ohne Happy End, von den kleinen Lügen und der großen Wahrhaftigkeit, von Leidenschaft und Leid. Da zählen die Pausen zwischen den Worten, das Schweigen, der Ausdruck auf den Gesichtern, denen Fonteyne das Geheimnis läßt. Man spürt den kleinen Riß im Herzen, den man glaubt, vergessen zu haben, die zarte Poesie, die dem Alltag kurzfristig Flügel verleiht. „Une Liaison pornographieque“ handelt von Sehnsucht und Einsamkeit, von der Brüchigkeit menschlicher Beziehungen und von geheime Obsessionen (die man nie sieht), es geht um das Sich Ausliefern an eine ungewohnte Intimität. Während Liebesfilme nach üblichen Muster ablaufen - man trifft sich, verführt und verliebt sich, landet dann im Bett, geht der Belgier den umgekehrten Weg, erzeugt damit neue Spannung. Ein Besetzungs-Glücksgriff gelang mit Nathalie Baye (Coppa Volpi als Beste Darstellerin) und Sergi Lopez, die sich in ihrer Verletzbarkeit schutzlos preisgeben. Dieses verführerische Kinojuwel läßt der Phantasie freien Lauf und sollte ein erwachsenes Publikum ins Kino entführen. mk.

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