Filmhandlung und Hintergrund

Heiter-melancholische Betrachtung über Beziehungsleid und Beziehungslust - mit perfekter Besetzung und perfekten Pointen.

Claire fühlt sich von Krankheiten bedroht, Leo nimmt alles leicht und futtert sogar rohes Hühnerfleisch. Sie schreibt endlose SMS, er sagt kurz und knapp, was Sache ist, sie hat ständig Lust auf Sex, er wandert ebenso gern mit dem Kumpel in die Berge, sie repariert selbst das Fahrrad, ihm ist die Zeit dafür zu schade. Trotzdem sind die beiden ein Paar, fragen sich aber sehr oft warum, streiten, versöhnen und trennen sich.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Nach der Dating-Komödie „Shoppen“ von 2007 kommt nun der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff in die Kinos. Wieder handelt es sich um eine Beziehungskomödie, nur dass es hier um ein einzelnes Paar geht. In seiner typischen, gesprächslastigen Inszenierung mit dem leicht satirischen Blick auf die Zeitgenossen, lässt Westhoff nun Claire und Leo bis zur Verzweiflung über die Liebe und speziell den Partner rätseln. Der Witz der Komödie besteht vor allem darin, dass sich wohl fast jeder in dieser Art zu reden, in zumindest einigen der geäußerten Ansichten wiedererkennen kann.

      Claire, gespielt von Julia Koschitz, und Leo, den Felix Hellmann darstellt, sprechen die meiste Zeit einzeln in die Kamera, wie zu einem unsichtbaren Beziehungstherapeuten. Sie erzählen, wie sie sich kennen lernten, erwähnen die raren schönen Momente, überwiegend aber schildern sie, welche Defizite der Partner hat. Es fallen Sätze wie, „Ok, ich nehm mal irgendeinen Streit“, und darauf folgt eine um Vernunft bemühte Analyse all dessen, was in den Zweiergesprächen immer aus dem Ruder läuft. Während eines solchen Monologs in die Kamera offenbart der Redner aber in erster Linie einige seiner eigenen Verklemmungen und Widersprüche.

      So entsteht ein ironischer, aber nicht liebloser Blick auf Claire und Leo als den Stellvertretern für moderne, aufgeklärte, zivilisierte Leute, die aber leider, leider jeweils mit einem völlig verqueren Bett- und Tischgefährten geschlagen sind. Während der Monologe gestikulieren die beiden Hauptdarsteller fleißig. Die Handbewegungen zeigen sowohl Unsicherheit, als auch das Bedürfnis der Sprecher, sich als im differenzierten Denken, im sorgsamen Abwägen geübt zu präsentieren. Das ist sehr komisch, denn es entlarvt, wie sehr das Bedürfnis, in jeder Situation als vernünftig zu gelten, die Kommunikation im alltäglichen Leben und auch das eigene einstudierte Gehabe beherrscht.

      Zwischen diesen Monologen Leos zum Beispiel über Claires Angst vor Krankheiten, oder Claires Klagen über Leos emotionale Abwesenheit, gibt es kurze Szenen aus dem täglichen Leben der beiden. Wenn sie sich nicht gerade über eine Verkleidung als Karotte für einen Maskenball, oder über den Unsinn einer Rabattaktion im Kaufhaus streiten, treffen sich beide auch mit ihren jeweils besten Freunden, um sich bei denen auszuweinen. Diese Szenen sind aber jeweils zu kurz und zu bruchstückhaft, um eine Filmhandlung zu bilden. Irgendwann stellt sich beim Lauschen der Monologe deshalb auch die Frage, warum Claire und Leo alles so problematisieren müssen und so wenig Spaß miteinander haben. Oder, worauf sie mit ihren Klagen eigentlich hinauswollen.

      Ralf Westhoff kann realistische, in ihrer Verkorkstheit urkomische Gespräche hervorragend texten und inszenieren. Doch ob er eine Geschichte auch anders, nämlich auf herkömmliche Art als Handlung verfilmen kann, muss er noch beweisen. Claire und Leo sind als Charaktere sympathisch, liebenswert und harmlos. Etwas zu harmlos oder sogar kindisch für ihr Erwachsenenalter, zu sehr bemüht, nichts falsch zu machen bei der vielen Theorie, die sie mitbekommen haben. Aber vielleicht ist das auch wieder ein gesellschaftliches Phänomen unserer Zeit.

      Fazit: Wortreiche Beziehungskomödie mit entlarvenden Einblicken in die zeitgenössische Kopflastigkeit.
    2. Der letzte schöne Herbsttag: Heiter-melancholische Betrachtung über Beziehungsleid und Beziehungslust - mit perfekter Besetzung und perfekten Pointen.

      Was bewegt die urbanen Endzwanziger? Die Antwort gibt Ralf Westhoff in einer heiter-melancholischen Betrachtung über Beziehungsleid und Beziehungslust.

      Claire fühlt sich von Krankheiten bedroht, Leo nimmt alles leicht und futtert sogar rohes Hühnerfleisch. Sie schreibt endlose SMSen, er sagt kurz und knapp, was Sache ist, sie hat ständig Lust auf Sex, er wandert ebenso gerne mit dem Kumpel in die Berge, sie träumt von einer Beziehung, er weiß noch nicht so recht, auch wenn „Der letzte schöne Herbsttag“ für beide eine tolle Erinnerung ist.

      Nach seinem erfolgreichen Speed-Dating-Film „Shoppen“ leiden Ralf Westhoffs Helden erneut unter Beziehungsstress, hören nicht auf ihr Bauchgefühl, sondern diskutieren - und das nicht zu knapp. Ihren Frust sprechen Julia Koschitz und Felix Hellmann direkt und fast Hilfe suchend in die Kamera. Eine Glanzleistung, für die sie den Förderpreis Deutscher Film verdient hätten. Da der aber nur pro Film in einer Kategorie vergeben werden darf, gingen sie leer aus. Dafür durfte sich Autor, Regisseur und Produzent Ralf Westhoff über den verdienten Regiepreis freuen.

      Auf den ersten Blick passt das Paar nicht zusammen. Immer wieder müssen sie die Gefühlsbaustelle räumen, kaum glauben sie den Weg zur harmonischen Zweisamkeit frei, kommt das nächste Hindernis. Nicht mehr das unverbindliche Ausprobieren steht im Vordergrund, sondern die „Arbeit“ daran, wie Mann und Frau den Übergang von Verliebtheit zur längerfristigen Beziehung schaffen, ein Gegenentwurf zu „Shoppen“. Manchmal gibt es Rollentausch, sie repariert das Fahrrad und er werkelt am Herd, aber der tolle Rausch bleibt aus. Der Zuschauer lernt die gefährlichen Beziehungsklippen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven kennen, wenn beide unabhängig voneinander ihre Version wie im Theater in Richtung Publikum erzählen, von weiblicher Seite offen und Verletzungen zugebend, von männlicher Seite eher cool und skeptisch. Bei den Dialogen und Monologen sitzen die Pointen, trifft jedes Wort ins Schwarze, kommt die Situationskomik im geschlechtertechnisch komplizierten Alltag auf den Punkt. Das hinreißende Porträt einer Generation zwischen (Selbst)Zweifel und Zärtlichkeit, die sich nicht in die emotionale Hängematte legt, sondern es wissen will. Ganz genau. mk.

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