Der Italiener

   Kinostart: 12.07.2007

Il caimano: Mit seiner politischen Satire über den skrupellosen Machtmenschen Silvio Berlusconi sprach Nanni Moretti bei seiner vierten Wettbewerbsteilnahme in Cannes so manchem Demokraten aus dem Herzen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Mit seiner politischen Satire über den skrupellosen Machtmenschen Silvio Berlusconi sprach Nanni Moretti bei seiner vierten Wettbewerbsteilnahme in Cannes so manchem Demokraten aus dem Herzen.

Der glücklose Filmproduzent Bruno (Silvio Orlando) steckt in der Midlife Crisis, sonnt sich im zweifelhaften Erfolg seiner B-Movies und erlebt, wie sein Wunschprojekt, ein Historiendrama über Columbus, in die Brüche geht. Als Ersatz konzentriert er sich auf ein Traktat über Berlusconi und beginnt gegen alle Widerstände mit der Vorbereitung. Es wird aber auch nicht leicht: Die Beziehung zu seiner Frau Paola (Margherita Buy) scheitert kläglich, die Bank gibt ihm keinen Kredit mehr und Hauptdarsteller Marco (Michele Placido) sucht das Weite.

Satire auf den damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der als skrupelloser Machtmensch nun in der Opposition sein Unwesen treibt. Nanni Moretti („Das Zimmer meines Sohnes„) tobt sich in der in Cannes gelaufenen Abrechnung so richtig aus.

Bruno Bonomo, Produzent ohne Fortune, ruht sich immer noch auf dem zweifelhaften Ruhm eines B-Movies aus, träumt aber unbeirrbar davon, ein Historiendrama über Columbus zu drehen. Da erinnert er sich an ein Skript, das sich als Traktat über Berlusconi darstellt. Mit aller Kraft wirft er sich in die Vorbereitung. Aber was nützt der beste Wille, wenn gleichzeitig die Beziehung zu seiner Frau in die Brüche geht, die Bank keine Kredite mehr gewährt und letztendlich auch noch der Hauptdarsteller das Handtuch wirft?

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Eigentlich kommt „Il Caimano“ zu spät in die deutschen Kinos. Gedreht kurz vor den letzten Wahlen in Italien hatte Nanni Morettis Film durchaus politische Intentionen. Inzwischen ist Berlusconi lange abgewählt. Zudem ist es einer dieser Filme, den wahrscheinlich (in Deutschland) sowieso nur diejenigen sehen werden, die zum ehemaligen italienischen Premier bereits eine Meinung haben (und sich ihrer ablehnenden Haltung sicher sind). Und doch lohnt sich der Film, den der italienische Regisseur über den Medienmogul, den ehemaligen Premierminister, den Sportfunktionär gedreht hat. Denn es geht Moretti nicht nur um den Politiker Berlusconi, es geht um die Zustandsbeschreibung einer Gesellschaft, die jahrelang schon im System des Strippenziehers, im System Berlusconi verfangen ist.

      Der Produzent Bruno ist perfekter Ausdruck dieses Systems. Einmal habe er selbst Berlusconi gewählt, gibt er zu. Ohne größere Hintergedanken. Eigentlich interessiert er sich mehr für sein eigenes Leben als für die Politik. Doch auch im Privaten ist es nicht zum Besten bestellt. Mit seiner Frau lebt er nur noch aus Gewohnheit zusammen und die beiden Söhne zum Fußball zu begleiten ist nur eine lästige Pflichtübung. Ganz zu schweigen von der Arbeit. Die besteht seit Jahren hauptsächlich darin, die Schulden möglichst gering zu halten. Erfolg sieht anders aus, Bruno ist ein typischer Versager, der nur noch vom „Ruhm“ seiner haarsträubend banalen B-Movies lebt.

      Kann man überhaupt einen Spielfilm über Silvion Berlusconi drehen, ohne in Lobhudelei, Wahlkampf oder blanke Gegenpropaganda zu verfallen? Ohne mehr zu tun als sich nur seiner eigenen Position zu vergewissern? Diese Fragen stellt sich Bruno im Film. Nanni Moretti ist dies gelungen, gerade weil er sich genau diese Frage gestellt hat. Dadurch, dass er einen Film im Film etabliert, vermeidet Moretti, dass „Il Caimano“ nur ein der Aktualität geschuldetes Manifest ist. Die Frontalattacken gegen den Politiker überlässt er meistens über weite Strecken politischen Gegnern, um sich den Bürgern zuzuwenden. An der Figur des Produzenten gelingt es ihm, auf eindrückliche und gleichzeitig humorvolle Weise den jahrelangen Einfluss Berlusconis auf die italienische Gesellschaft zu offenbaren. Da ist auf der einen Seite Bruno, der diesen Einfluss mehr oder weniger gleichgültig hingenommen hat, und auf der anderen Seite Teresa, die vehement dagegen kämpft. Als sie Bruno das Drehbuch vorlegt, erkennt dieser, dass er dieses System attackieren muss, um (als Produzent wie auch als Mensch) noch eine Überlebenschance zu bekommen.

      Fazit: Ein kluger Film, der mehr ist als nur veraltete Wahlkampfpropaganda gegen Silvio Berlusconi, da es Regisseur Nanni Moretti gelingt, bitterböse und humorvoll die gesellschaftliche Befindlichkeit unter dem ehemaligen italienischen Premier zu beschreiben.
    2. Der Italiener: Mit seiner politischen Satire über den skrupellosen Machtmenschen Silvio Berlusconi sprach Nanni Moretti bei seiner vierten Wettbewerbsteilnahme in Cannes so manchem Demokraten aus dem Herzen.

      Mit seiner politischen Satire über den skrupellosen Machtmenschen Silvio Berlusconi sprach Nanni Moretti bei seiner vierten Wettbewerbsteilnahme in Cannes so manchem Demokraten aus dem Herzen.

      Italiens wohl egozentrischster Regisseur behauptet augenzwinkernd, sein Film enthalte zwar politische Elemente, sei aber nicht politisch und schon mal gar nicht in die Propaganda-Ecke zu stellen, mit dem Wahlausgang in seiner Heimat habe „Il Caimano“ rein gar nichts zu tun. Eine nette Koketterie, auch wenn die Abrechnung mit Berlusconi nur einen Teil der Handlung bestreitet. Erst einmal geht es um einen dieser männlichen Jammerlappen in der Midlife-Crisis, die Gott und die Welt, vor allem die Frauen für ihre Misere verantwortlich machen, ohne sich selbst in Frage zu stellen. Bruno Bonomo, Produzent ohne Fortune, ruht sich immer noch auf dem zweifelhaften Ruhm eines B-Movies aus, träumt aber unbeirrbar davon, ein Historiendrama über Columbus zu drehen. Als sich das Projekt endgültig zerschlägt, erinnert er sich an ein Skript, das ihm eine junge Regisseurin bei einem seiner peinlichen Auftritte zusteckte und das sich bei längerem Lesen als Traktat über Berlusconi darstellt. Mit aller Kraft wirft er sich in die Vorbereitung und packt die Sache beherzt gegen alle Widerstände an. Aber was nützt der beste Wille, wenn gleichzeitig die Beziehung zu seiner Frau in die Brüche geht, die Bank keine Kredite mehr gewährt und letztendlich auch noch der Hauptdarsteller das Handtuch wirft?

      Moretti montiert parallel drei Handlungsstränge - den privaten, professionellen und politischen. Drei Filme in einem ist ein bisschen viel, so kommt keine Geschichte richtig zum Zuge, auch wenn der Schwerpunkt auf den emotionalen Wirren liegt. Auf diesem Feld darf sich Silvio Orlando als Nervensäge austoben, wenn er beim Chorgesang der Gattin auf die Bühne stürmt und sie beschimpft, wutentbrannt ihren Pullover zu Hause zerfetzt oder ihr in seiner Eifersucht wie ein Detektiv auf Schritt und Tritt folgt. Moretti, der lange Zeit eine Berlusconi-Dokumentation plante, verzettelt sich etwas, findet am Ende aber einen überraschenden Twist - nicht nur in der Besetzung -, der das Blatt noch einmal dreht. Das Statement Berlusconis und seine Verurteilung durch ein fiktives Gericht wird zum Sahnehäubchen des Films, der plötzlich große Kraft gewinnt. Leider sehr spät. mk.

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