Der Dorflehrer

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   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Dorflehrer: In einem leichten, berührenden Sommerfilm lernen drei Menschen mit unerwiderter Liebe zu leben.

Petr flüchtet aus einer unglücklichen Beziehung von Prag in ein kleines böhmisches Dorf, wo er als Naturkundelehrer arbeitet. Er sucht die Abgeschiedenheit, bis er die verwitwete Landwirtin und Mutter eines unglücklich verliebten, heranwachsenden Sohnes, Marie, kennenlernt. Petr hilft Marie auf dem Hof aus. Langsam entsteht eine enge Freundschaft zwischen ihnen. Beide sehnen sich nach Liebe. Doch Petr ist homosexuell. Als Petrs Exgeliebter im Dorf auftaucht, sorgt das nicht nur in Petrs Leben für Turbulenzen.

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Kritikerrezensionen

  • In idyllischen, mitunter symbolisch aufgeladenen Bildern schildert Regisseur Bodan Sláma die Identitätskrise eines jungen Lehrers, der seine Bestimmung in Beruf und Privatleben erst finden muss. Um sich künftig nicht mehr mit seiner übermächtigen Mutter auseinander setzten zu müssen, die zudem an der gleichen Schule lehrt, kehrt Petr der Stadt den Rücken zu. Im ländlichen Böhmen trifft er auf die resolute Bäuerin Marie, die sich als verwandte Seele entpuppt. Mehrfach wies die rothaarige Mitvierzigerin die Annäherungsversuche eines älteren Verehrers zurück, der sie zur Heirat überreden will.

    Viel eher würde sie sich eine Gemeinschaft mit dem fürsorglichen Lehrer vorstellen, der gelegentlich sogar auf dem Hof anpackt. Aus gutem Grund verheimlicht dieser jedoch seine Homosexualität, deren Offenlegung ihn im Dorf sofort zum Außenseiter abstempeln würde. Auch seine früheren Kollegen durften nichts davon wissen. Doch letztlich kann Petr sein Verlagen nicht unterdrücken, als er Maries pubertierenden Sohn Nachhilfeunterricht gibt und sich in ihn verliebt. Zuerst muss Petr selbst lernen, seine Natur zu akzeptieren, was er in anderem Kontext seinen Schülern predigt. Am Ende müssen die drei Protagonisten ihre unerfüllte Liebe kompensieren, was zunächst zum Bruch zwischen ihnen führt.

    Bodan Sláma zeichnet ein glaubwürdiges Bild der Dorfgemeinschaft, wo sich hinter bierseliger Verbrüderung mitunter Risse auftun. Obwohl sein vorletzter Film bei uns den Titel „Die Jahreszeit des Glücks“ trägt, sind seine meistens in ländlicher Umgebung spielenden Studien über Charaktere auf Glückssuche sicher keine Wohlfühl-Geschichten. Trotz Anflüge von Humor und optimistischen Momenten legt er immer wieder den Finger auf emotionale Wunden zwischenmenschlichen Daseins.

    Das melancholische Beziehungsdrama um unerwiderte Liebe, Verdrängung und Vergebung ist gelegentlich etwas zu ruhig erzählt, glänzt aber durch eine glaubwürdige Besetzung. Pavel Liska als Lehrer in Gewissensnöten und Marck Daniel als sein zerstörerischer Ex-Geliebter stellen ein ungleiches Paar dar, wobei Sláma beide schon in früheren Arbeiten besetzte.

    Theaterschauspielerin Zuzana Bydzovská, die als Kinderstar in den Siebzigern begann, mag nicht dem üblichen Schönheitsideal entsprechen, was ihrer Rolle als eigenwillige Bäuerin mit Selbstzweifeln und Alkoholproblemen mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Zwar bleiben die Generationskonflikte am Ende ungelöst oder zumindest offen, doch durch die Chance gegenseitiger Vergebung besteht noch Hoffnung.

    Fazit: Ein intimes Drama um sexuelle Selbstfindung, Vertrauen und Akzeptanz, in stimmungsvollen Bildern fotografiert, aber mitunter etwas überladen.
  • Reife Einsichten zu unerwiderter Liebe gestattet Bohdan Sláma in seinem dritten Film, der vor sommerlichen Feldern traurige Menschen auf der Suche nach Nähe zeigt.

    Nach einer halben Stunde rückt Petr (war schon in Slámas Erfolgsfilm „Die Jahreszeit des Glücks“ mit von der Partie: Pavel Liska) mit seinem Problem raus: er ist homosexuell und aus seiner Beziehung geflüchtet. Der innerlich zerrissene Melancholiker hat Prag verlassen und in einem idyllischen böhmischen Dorf eine Stelle als Naturkundelehrer angetreten, wo er – nicht ohne Ironie – das lehrt, was er selbst nicht vollbringen kann: Seine eigene Natur zu verstehen. Deshalb sucht er die Abgeschiedenheit bis er der verwitwete Landwirtin Marie (mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen: Zuzana Bydzovska) begegnet, der er bald auf ihrem Bauernhof hilft. Zwischen den beiden seelisch Vernarbten keimt eine zarte Freundschaft, bei der beide nicht bekommen, was sie sich ersehnen. Auch Maries heranwachsender Filius Chlapec (Ladislav Sedivy) steckt in einer unglücklichen Beziehung. Als Petrs Ex-Liebhaber aufkreuzt, setzt der Aufreißertyp zerstörerisch Prozesse in Gang, durch die nicht nur Chlapecs Partnerschaft zerbricht.

    Leidensfähigkeit ist unabdingbar für die drei Hauptfiguren in Bohdan Slámas von leichter Hand inszeniertem Sommerfilm, der sich zunächst unmerklich, später nachdrücklich schwierigen Problemen widmet. Wie die sehr glaubwürdigen Charaktere mit den Verletzungen und Brüchen, die ihnen das Leben zugefügt hat, umgehen lernen, wie sie die Schmerzen unerwiderter Liebe überwinden, ermittelt Sláma überzeugend. Verstehen braucht Zeit – allein schon deshalb lässt sich das helle, freundliche Drama in kein Story-Korsett zwängen, so, wie sich das Leben nicht in eine Rubrik pressen lässt. Ohne Verzeihen und Vertrauen ist kein menschenwürdiges Dasein möglich. Den Weg dorthin beschreibt das tschechische Regietalent leise, aber immer wieder berührend; wozu auch die eindrucksvollen Darsteller beitragen.

    tk.

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