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Das Versprechen

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Filmhandlung und Hintergrund

Till Endemanns und Beate Langmaacks Film ist Ein gerade von den jungen Mitwirkenden famos gespieltes und aller Düsternis zum Trotz positives Drama über Krankheiten der Seele.

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  • Das Versprechen: Till Endemanns und Beate Langmaacks Film ist Ein gerade von den jungen Mitwirkenden famos gespieltes und aller Düsternis zum Trotz positives Drama über Krankheiten der Seele.

    Till Endemanns und Beate Langmaacks Film ist Ein gerade von den jungen Mitwirkenden famos gespieltes und aller Düsternis zum Trotz positives Drama über Krankheiten der Seele.

    Wenn ein Elfjähriger eine Bank überfällt, ist das vermutlich eher ein Hilfeschrei als ein Verbrechen. Bei Bendix liegen die Dinge allerdings etwas komplizierter; und davon handelt der Film „Das Versprechen“, den Till Endemann nach einem Drehbuch der mehrfachen Grimme-Preisträgerin Beate Langmaack gedreht hat. Das Leben von Bendix (Mika Tritto) nimmt eine entscheidende Wende, als er die fünf Jahre ältere Jule (Ella Morgen) dabei beobachtet, wie sie sich mit einer Zigarette Löcher in die Wade brennt. Jule sagt über sich selbst, sie sei ein „Psycho“. Mit dem Wort kann Bendix nicht viel anfangen, aber dass Menschen seltsame Dinge tun, erlebt er selber regelmäßig: An guten Tagen ist sein Vater Fabian (Andreas Döhler) ein liebenswerter Mensch, aber an schlechten Tagen verschwindet er seit dem Tod seiner Frau in einem Schwarzen Loch. Jule kennt das, wenn auch nicht von sich selbst: Sie rastet regelmäßig aus und zerstört schreiend, was ihr gerade in die Finger kommt; der Fachbegriff für diese Erkrankung ist Affektive Dysregulation. Daher geht sie nach der Schule regelmäßig in eine psychiatrische Tagesklinik für Kinder und Jugendliche, und deshalb weiß sie, dass Fabian eine Depression hat.

    Wie Langmaack und Endemann diese Geschichte entwickeln, wie zwischen Bendix und Jule nach und nach ein geschwisterliches Vertrauen entsteht, wie der Junge schließlich auf die aberwitzige Idee mit dem Banküberfall kommt: Das ist mit enorm viel Feingefühl erzählt. Mindestens so groß wie der Anteil von Buch und Regie ist jedoch der Beitrag von Mika Tritto und Ella Morgen, wobei sie die deutlich schwierigere Rolle hat: Wenn Jule von ihren Emotionen überrollt wird, hätte das bei einer Darstellerin mit weniger Talent auch leicht unfreiwillig komisch wirken können. Morgen sorgt mit ihrem vielschichtigen Spiel dafür, dass das Mädchen jederzeit glaubwürdig ist, denn Jule kann auch eine ansteckende Fröhlichkeit verbreiten; bis wieder was schiefgeht. Mit der Verantwortung, die sie für Bendix übernimmt, macht sie einen entscheidenden Schritt in Richtung Erwachsenwerden, und wie die junge Schauspielerin das vermittelt, ist unbedingt preiswürdig. Ihr offenkundiges Talent zeigt sich nicht zuletzt in den gemeinsamen Szenen mit den etablierten Kolleginnen und Kollegen: Christina Große und Oliver Stokowski als Jules hilflose Eltern, Barbara Auer als ihre kluge Therapeutin.

    Mika Tritto macht seine Sache allerdings ebenfalls prima. Seine berührendsten Momente kommen ohne Dialog aus, weil der Film dank Endemanns behutsamer Inszenierung keine Worte braucht, um zu schildern, wie Vater und Sohn die Rollen tauschen, wenn Fabian nur noch vor sich hin brütet. Darüber hinaus hat Langmaack sehr schöne Beschreibungen gefunden, um die Krankheiten auch für junge Zuschauer auf nachvollziehbare Weise zu erklären: Wenn etwas nicht so klappt, wie Jule sich das vorgestellt hat, werden ihre Gedanken von einer Springflut überschwemmt. Bendix sagt ihr, er fühle sich manchmal wie auf einer Eisscholle, die mit ihm und seinem Vater davon treibt. Jule erklärt ihm Fabians Depression mit einer Schneedecke, unter der man langsam erfriert.

    Darüber hinaus liegt die große Qualität des Films in der Fertigkeit, die Krankheitsgeschichten zwar ungeschönt, aber dennoch mit Zuversicht zu erzählen. Dieses Kunststück ist Autorin Langmaack („Guten Morgen, Herr Grothe„) schon einmal gelungen: Das 2013 mit dem Geisendörfer-Preis ausgezeichnete Drama „Blaubeerblau“ (ARD, Regie: Rainer Kaufmann) war ein Film übers Sterben, machte aber Lust aufs Leben. Für Endemann ist „Das Versprechen“ dagegen eher ungewöhnlich: Sein Renommee verdankt der Regisseur authentischen Stoffen wie „Flug in die Nacht“ (2009) über das Unglück von Überlingen oder dem Justizdrama „Unter Anklage“ (2014) über den Fall Harry Wörz.

    Tilmann P. Gangloff.
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