Filmhandlung und Hintergrund

Ausgelassene Satire auf den Filmbetrieb mit jeder Menge rauchender Colts und einer Melanie Griffith in Hochform.

Kino-Guerilla-Führer Cecil B. Demented entführt mit seinem Filmteam Hollywood-Diva Honey Whitlock bei der Premiere ihres neuen Schmachtfetzens. Er will sie als Hauptdarstellerin seines Films, den er überfallartig mit echten Menschen an echten Schauplätzen dreht. So stürmt die Truppe u.a. ein Familienkino, das den „Patch Adams Director’s Cut“ zeigt und eine Versammlung von staatlichen Filmförderern.

Während einer Promoveranstaltung wird die Filmdiva Honey Whitlock Opfer einer Entführung durch den charismatischen Kulturterroristen Cecil B. Demented und seine wilde Horde. Demented befindet sich auf einem Kreuzzug wider den Hollywood-Mainstream und will den Star auf diese Weise für sein neuestes Underground-Opus „Raving Beauty“ gewinnen. Nach anfänglichen Berührungsängsten entdeckt das Opfer sein Herz für den Rebellen und nimmt sogar an Überfällen auf die Unterhaltungsindustrie teil.

Auf seinem Kreuzzug wider die Disneyfizierung der Gesellschaft gewinnt Kulturterrorist Cecil B. Demented (Stephen Dorff) die Unterstützung von Hollywooddiva Honey Whitlock (Melanie Griffith) in dieser Mediensatire von John Waters.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Cecil B.: Ausgelassene Satire auf den Filmbetrieb mit jeder Menge rauchender Colts und einer Melanie Griffith in Hochform.

    John Waters, das ewige Enfant Terrible Hollywoods, ist zurück - und diesmal

    hat er sich nichts weniger als die Zerstörung des seelenlosen Kommerzkinos vorgenommen. Seine wilde Satire auf den Filmbetrieb spart nicht an bitteren Wahrheiten, rauchenden Colts und einer Melanie Griffith in Hochform. Dass das Ergebnis kein grimmiges Manifest, sondern eine eher liebenswürdige, temporeiche Komödie ist, spricht für die Nonchalance des Regisseurs: Wenn die Botschaft derart unverblümt ist, darf man auch ein Schleifchen drumbinden.

    Titelheld ist ein junger Filmemacher, den Stephen Dorff als Kreuzung aus

    Charles Manson und Josef von Sternberg spielt: Cecil B. Demented entführt mit

    seinem Filmteam, verkleidet als Platzanweiser, Popkornverkäufer oder

    Kartenabreißer, die zickige Hollywood-Diva Honey Whitlock (Melanie Griffith)

    direkt bei der Premiere ihres neuen Schmachtfetzens. In einem halbverfallenen

    Theater, in dem er ein kunterbuntes Schrotthalden-Set eingerichtet hat,

    zwingt Cecil dem Star mit einem Elektroschocker Gehorsam als

    Hauptdarstellerin ab, und nachdem die erste Szene im Kasten ist, erläutert er

    seinen Plan: Er will die „ultimative Realität“ finden und als eine Art

    „Dogma“-Terrorist seinen Film - um die Frau eines gescheiterten

    Kunstfilmverleihers, die Rache am Mainstreamkino nimmt - überfallartig mit

    echten Menschen an echten Schauplätzen zu Ende drehen. Am nächsten Morgen

    zieht die Truppe los, und der Schrecken beginnt. Ein Familienkino wird

    gestürmt, das den „Patch Adams Director’s Cut“ zeigt, und eine Versammlung

    von staatlichen Filmförderern bekommt Cecils Zorn ebenso zu spüren wie die

    Produktion von „Forrest Gump 2: Gump Again“. Während das Filmteam bei den

    Anschlägen nach und nach dezimiert wird, steigt Honey Whitlock dank ihrer

    neuen „Glaubwürdigkeit“ zum Mediendarling auf.

    John Waters („Cry-Baby“, „Pecker“), der in den frühen siebziger Jahren mit wüsten

    Trashfilmen wie „Multiple Maniacs“ oder „Pink Flamingoes“ seine witzigen und

    (seinerzeit) skandalösen Attacken gegen das Establishment ritt, wirft mit

    „Cecil B. Demented“ auch einen etwas wehmütigen Blick zurück auf die eigenen

    Anfänge, wo man es ohne Geld, aber mit reichlich Phantasie und gepflegt

    schlechtem Geschmack noch zum ehrlich verdienten Status als „Kult-Regisseur“

    bringen konnte. Der Feind ist bis heute offensichtlich der selbe geblieben,

    und wenn Cecils Truppe auf der Flucht vor schwerbewaffneten

    Studio-Security-Männern oder wütenden Müttern Hilfe bei den Fans von Action-

    und Pornofilmen sucht, ist das als Statement nicht weniger deutlich als die

    Tätowierungen, die die jungen Kino-Guerilleros wie Schlachtenbanner auf der

    Haut tragen: Die Namen von Sam Peckinpah, Otto Preminger, Kenneth Anger,

    Rainer Werner Fassbinder haben sie sich eingestochen. Zahllose Seitenhiebe

    auf die Seelenlosigkeit des auf Kassenerfolg designten Hollywood-Mainstream

    peppen die Handlung, die sich zum Ende hin zunehmend auf Tempo und Action

    verlässt, ebenso auf wie zwei herrliche Songnummern („Demented Forever“ und

    ein „No Budget“-Rap). Gerade heute, wo das Kino selbstreferenzieller denn je

    ist, wird „Cecil B. Demented“ auf ein junges, großstädtisches Publikum

    treffen, das spritzige 88 Minuten Punkrock-Spaßkino zu schätzen weiß.

    Besorgte Freunde von „Forrest Gump“ seien beruhigt: Schließlich will John

    Waters, anders als Cecil B. Demented, niemandem weh tun. evo.

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